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Wissen Gesundheit
01/20/2021

Österreich als "Kreuzwehland": 1,9 Millionen mit Beschwerden

Unspezifischer Rückenschmerz als Riesenproblem. Covid-19 beeinträchtigt Schmerzpatienten zusätzlich.

Österreich ist (auch) ein Kreuzwehland. Laut einer Untersuchung der Statistik Austria mit rund 7.500 Befragten dürften rund 1,9 Millionen Erwachsene an chronischen Rückenschmerzen leiden. Die Kosten gehen in die Milliarden-Euro-Beträge, erklärten am Mittwoch Experten bei einer Online-Pressekonferenz aus Anlass des Starts der Österreichischen Schmerzwochen 2021.

"Chronische Rückenschmerzen sind extrem belastend im Alltag und teuer. In Deutschland geht man von pro Jahr rund 50 Milliarden Euro aus, für Österreich würde das zwischen drei bis fünf Milliarden Euro an Kosten bedeuten", sagte Nenad Mitrovic, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG). Die Österreichischen Schmerzwochen finden mit 2021 zum 20. Mal statt.

Die Daten aus der Statistik Austria-Studie: Chronische Rückenschmerzen stehen bezüglich der Häufigkeit an der Spitze chronischer Symptome, an dritter Stelle dann Nacken- und an siebenter Stelle chronische Kopfschmerzen. "Jeder Zehnte unter den unter 30-Jährigen ist von Kreuzschmerzen betroffen. Bei den Unter-60-Jährigen klagte jeder Fünfte (20,8 Prozent; Anm.) über Schmerzen, bei den über 60-Jährigen war es mehr als jeder Dritte", sagte der Experte.

Die Kosten sind enorm. Im Rahmen einer Untersuchung kam man in Wien auf direkte Behandlungskosten, welche chronische Schmerzzustände verursachen, von rund 880 Millionen Euro im Jahr. Rund 174 Millionen Euro dürften allein auf die chronischen unspezifischen Rückenschmerzen zurückzuführen sein. Die direkten medizinischen Kosten hat man in Deutschland bei solchen Patienten mit 9.000 Euro pro Jahr berechnet. Die indirekten Kosten (Arbeitsausfall etc.) sind viel höher und machten in der deutschen Untersuchung pro Jahr mehr als 20.000 Euro zusätzlich aus.

Am wichtigsten wäre natürlich die Vorsorge, speziell durch genug ausgeglichene körperliche Betätigung. Dann kommen ergonomisch optimierte Verhältnisse im Arbeitsleben. "In der EU gelten mehr als 50 Prozent der Menschen als körperlich inaktiv", umriss Mitrovic die Rückenprobleme wohl direkt fördernde Situation.

In Österreich wurden in den vergangenen Jahren von der ÖSG und verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften zwei Dokumente erstellt, welche die Betreuung der Betroffenen verbessern sollen: eine Leitlinie zum unspezifischen Rückenschmerz und Qualitätsstandards, die in der Versorgung eingehalten werden sollten.

Rudolf Likar, Generalsekretär der Österreichischen Schmerzgesellschaft: "80 Prozent der Rückenschmerzen sind unspezifische Rückenschmerzen." 20 Prozent seien Rückenschmerzen mit spezifischen Ursachen wie einem Bandscheibenvorfall oder andere klar feststellbare organische Ursachen. Oft erfolgt - besonders bei den unspezifischen Rückenschmerzen - ein erheblicher Grad an Überdiagnostik. Das betrifft vor allem die Bildgebung per Magnetresonanz- oder CT-Untersuchungen."Bilder ohne Korrelat zu einer Erkrankung machen erst krank", ergänzte Likar. Gleiches gelte für das bloß Krankschreiben und Bettruhe bei unspezifischen Rückenschmerzen.

Erst wenn durch konventionelle Maßnahmen wie geeignete Schmerzbehandlung, Bewegung und physikalische Therapie binnen etwa sechs Wochen keine wirkliche Besserung auftrete, sollte eine Überweisung zum Facharzt etc. erfolgen, erklärte ÖSG-Vizepräsidentin Waltraud Stromer.

Auch die SARS-CoV-2-Pandemie habe potenziell negative Auswirkungen auf die Versorgung von Schmerzpatienten. "Covid-19 beeinträchtigt auch unsere Schmerzpatienten. Die Gefahr ist groß, dass es zu einer Chronifizierung (nach akut aufgetretenen Symptomen; Anm.) kommt." Einschränkungen in der Krankenversorgung insgesamt könnten sich auch auf diesem Gebiet auswirken.

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