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Wissen Gesundheit
09/16/2020

Warum sich das Homeoffice bei vielen auf den Rücken schlägt

Ein Orthopäde und ein Physiotherapeut erklären, welche Beschwerden entstehen - und was man dagegen tun kann.

von Ingrid Teufl

Ein Arbeitstag am Esstisch oder gar auf der Couch: Der Corona-Lockdown hat die Arbeitsgewohnheiten verändert, zum Teil mit unerwarteten Folgen. „Wir haben auffallend viele Patienten mit Beschwerden an Schulter und Halswirbelsäule, die aus der Zeit des Homeoffice stammen“, sagt Orthopäde und Schulterspezialist Ulrich Lanz vom Sportorthopädie-Zentrum in Wien-Hietzing.

Die Ursachen liegen oft in der Ausstattung. „Die Sitzmöglichkeiten sind meist nicht so professionell wie im Büro. Viele sitzen relativ tief, dadurch sind die Ellenbogen zu hoch oben.“

Bernhard Walter, physiotherapeutischer Leiter der Ordination, ergänzt: „Zuhause hat man keinen Bürostuhl und keine Motivation zur Bewegung und Veränderung der Haltung. Das sollte man sich bewusster machen und Pausen einplanen.“

Die gute Nachricht: Schon mit einfachen Maßnahmen und Übungen kann man Schmerzen verhindern. Ein Überblick:

Mausschulter

Schulterbeschwerden führt Lanz vor allem auf die Arbeit mit der Computermaus, gepaart mit den Arbeitsbedingungen zurück. „Die Folge ist die typische Maus-Schulter: Weil man die Schulter hochdrückt, wird der Schleimbeutel im Gelenk eingeklemmt.“ Das passiere im Alltag fast unbemerkt. „Erst in der Nacht treten dann wie aus dem Nichts Schmerzen auf.“

Ein weiteres Problem mit der Maus: „Sie ist meist zu fein eingestellt. Dadurch sind nur ganz minimale Bewegungen nötig, damit sich der Zeiger am Bildschirm bewegt.“ Abhilfe schafft, die Maus grober einzustellen. „Dadurch ist die Schulter nicht so fixiert, man hat mehr Bewegung im Schultergelenk“, erklärt Physiotherapeut Walter. Und: Damit die Mausschulter gar nicht entsteht, sollte man die Schultermuskulatur zwischendurch immer wieder bewegen. „So wird sie geöffnet, der Schleimbeutel hat mehr Platz.“

Nacken

Im Homeoffice haben viele nicht optimale Bewegungsmuster eingelernt. „Die Menschen sind weniger abgelenkt als im Büro und arbeiten häufig intensiver. Man ermüdet und versucht, die Hände in Augenhöhe zu bekommen, um „mitschauen“ zu können, was man schreibt. Deswegen zieht man auf einmal die Schultern ständig hoch oder sitzt zum Beispiel auf der Couch so tief, dass die Hände auf der Tastatur fast in Augenhöhe sind“, sagt Orthopäde Lanz.

Die Folge sind Nackenbeschwerden. „Durch diese Bewegungsmuster wird der Nackenmuskel überlastet, der direkt an der Halswirbelsäule hängt. Das heißt, die Halswirbelsäule muss plötzlich das gesamte Gewicht der oberen Extremität tragen. Es kann sein, dass dadurch bisher unterschwellige Schmerzen verstärkt werden.“ Im Extremfall können die Beschwerden sogar bis in die Nervenenden der Finger ausstrahlen.

Physiotherapeut Bernhard Walter rät, bei Muskelüberlastung durch falsche Bewegungsmuster mithilfe von Bewegung gegenzusteuern. „Muskeln sind häufig dann verspannt, wenn sie überfordert sind. Wesentlich ist, diese in den Schultergürtel hineinzubringen. Ich empfehle immer, pro Stunde ein bis zwei Minuten Bewegung unterzubringen.“

Spezielle Übungen müssen es gar nicht sein. „Die Schultern immer wieder ganz durchzubewegen hilft bereits.“ Konkret jene Bereiche, die verspannt sind. „Die Arme nach oben strecken und imaginäre Äpfel pflücken oder die Schultern kreisen.“ Orthopäde Lanz empfiehlt, die Schulterblätter bei langem Hals mehrmals am Tag für jeweils 20 Sekunden zusammenzuziehen. Wer längerfristig vorbeugen möchte, sei mit regelmäßigem Krafttraining gut bedient.

Lendenwirbelsäule

Beschwerden in diesem Bereich hängen meist mit einer verkürzten Oberschenkelmuskulatur zusammen. „Die Wirbelsäule muss dann sämtliche Bewegungen übernehmen. Gerade bei Büromenschen kommt es dann schnell zu Überlastungen“, erklärt Lanz.

Couch-Arbeit

„Auf der Couch sollte man weder Chips essen noch dauerhaft arbeiten.“ Für einen Acht-Stunden-Arbeitstag sei der Esstisch „sicher die bessere Wahl“, sagt Lanz. Physiotherapeut Walter sieht es gelassener. „Variation ist das Zauberwort. Wenn weniger Variationen zum Sitzen da sind, sehe ich kein Problem, sich eine halbe Stunde auf die Couch zu setzen, wenn man vorher länger am Küchentisch gesessen ist.“

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