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Wissen Gesundheit
10/11/2021

Ist mein Handy eine Corona-Virenschleuder?

Brasilianische Wissenschafter untersuchten, ob die Viruslast auf Alltagsgegenständen hohe Infektionsraten in Großstädten widerspiegelt.

von Anita Kattinger

Die Aerosol-Übertragung in Räumen und die direkte Übertragung durch Tröpfchen gelten als die Hauptübertragungs-Quellen des Coronavirus. Als bekannt wurde, dass die Delta-Virusvariante eine 1000-mal höhere Viruslust verursacht als die Ursprungsvariante von Sars-CoV2, kamen die ersten Fragen nach stärkerem Desinfizieren von Gegenständen auf. Wenn jemand mehr Virus in sich trägt, dann niest und Gegenstände wie Bankomatkarte oder Handy angreift, müsste dann das Desinfizieren von Gegenständen nicht wieder wichtiger werden?

Brasilianische Forscherinnen und Forscher haben sich ausführlich der Frage nach der Kontamination von Alltagsgegenständen gewidmet, wie das Fachmagazin Nature berichtete. Wie sind sie für ihre Studie vorgegangen? Während der ansteigenden Phase der epidemiologischen Kurve in der brasilianischen Großstadt Barreiras sammelten und analysierten sie 418 Proben, die sie auf Masken, Handys, Papiergeld, Bankomaten oder Bettwäsche gesammelt hatten (hier können Sie die Studie nachlesen).

Die Untersuchung wurde von Juni 2020 bis Mai 2021 (Wuhan-Virusvariante, dann P1 dominant) in der Stadt Barreiras im Westen des Bundesstaates Bahia durchgeführt. Aufgrund der guten Infrastruktur im Gesundheitssektor nimmt die Stadt Menschen aus der gesamten westlichen Region auf, in der Pandemiezeit nahm sie eine relevante Anzahl von Covid-19-Patienten auf, da es dort die größte Anzahl von Betten auf Intensivstationen in der westlichen Region gibt.

Handys, Bankomaten, Geld untersucht

Die Proben stammten vom Hauptmarktgebiet in Barreiras, das Geschäfte, Supermärkte, Restaurants, Imbissbuden und Bars umfasst. Außerdem wurden Proben im Eurico-Dutra-Krankenhaus, wo Covid-19-Patienten behandelt werden, genommen. Untersucht wurden Handys, Bankomaten, Papiergeld sowie Masken und Bettwäsche von hospitalisierten Covid-19-Patienten: Aber die Forscherinnen und Forscher konnten keine virale RNA nachweisen.

Trotz ansteigener Infektionskurve in der Stadt war das Virus also auf keinem einzigen Alltagsgegenstand nachweisbar, allerdings waren Fragmente menschlicher Zellen auf den untersuchten Materialien vorhanden. Das bedeutet, dass die Forscherinnen und Forscher zwar bestätigen konnten, dass Handybesitzer ihre Handys benutzt hatten, aber Coronaviren konnten dennoch nicht nachgewiesen werden.

Die Forscher und Forscherinnen geben angesichts dieses erstaunlichen Ergebnisses zu bedenken, dass die meisten Menschen während der Probenahmen Masken trugen und dass dies die Kontamination von Gegenständen beeinflusst haben könnte. Vielleicht könnte das spezielle Probensammeln auch nicht genügend Nukleinsäurequellen für den molekularen Nachweis mittels RT-qPCR gefunden haben.

Trotz dieser Einwände meinte die britische Medizinerin und Oxford-Professorin Trisha Greenhalgh anlässlich der Studie: "Wir können aufhören, Bibliotheksbücher unter Quarantäne zu stellen, Lebensmittel zu waschen und weggeworfene Masken als Blindgänger zu behandeln."

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter "schließen" aus ihrer Studie, dass die Übertragung via Alltagsgegenständen in der brasilianischen Großstadt Barreiras (156.975 Einwohner) keine wichtige Rolle gespielt haben kann. Sie halten ähnliche Ergebnisse in anderen Großstädten für wahrscheinlich, halten aber weitere Studien für erforderlich, um das weltweite Szenario besser verstehen zu können.

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