Die Entwicklung eines Impfstoffes dauert in der Regel zwei bis drei Jahre.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Wissen Gesundheit
01/30/2020

Infektionsspezialist: "Impfstoff gegen alle Coronaviren in weiter Ferne“

Bei der Entwicklung von Schutz und Therapie sind Forscher mit Hürden konfrontiert, wie ein Experte erklärt.

von Ernst Mauritz

Rund um den Globus suchen Forschungsinstitute nach einem Impfstoff gegen den Coronavirus. Die Prognosen, wie schnell dieser entwickelt werden kann, sind unterschiedlich. Der KURIER hat Herwig Kollaritsch, Spezialist für Infektionskrankheiten, Impfstoffe und Tropenmedizin, um eine Einschätzung gebeten.

KURIER: US-Forscher arbeiten an einem Impfstoff gegen das Coronavirus, der gegen Jahresende verfügbar sein soll. Wie wahrscheinlich ist das aus Ihrer Sicht?

Herwig Kollaritsch: Das wäre eine unglaubliche Leistung. Aufgrund bestimmter molekularbiologischer Eigenschaften dieser Viren ist es nicht so einfach, eine ausreichend starke Antwort des Immunsystems auszulösen.

Ein Impfstoff, der lediglich die Produktion von Abwehrstoffen, sogenannten neutralisierenden Antikörpern auslöst, wird zu schwach sein. Das Immunsystem muss über mehrere biologische Mechanismen aktiviert werden. Das aber kann einen längeren Forschungsaufwand bedeuten. Denn in der Theorie weiß man, was dazu notwendig ist, in der Praxis gibt es aber wenig Erfahrungen. Das ist anders als bei den Influenza-Viren. Da gibt es fertige Technologien, mit denen man – wenn ein neues Influenzavirus auftritt – innerhalb weniger Monate einen neuen Impfstoff produzieren kann. Das war 2009 bei der neuen Schweinegrippe der Fall.

Die US-Forscher verwenden eine neue Technologie: Einen „DNA-Impfstoff“. Was ist das?

Impfstoffe enthalten normalerweise z. B. abgeschwächte Erreger oder Eiweißbruchstücke des Erregers, die der Körper als fremd erkennt und gegen die er dann Abwehrstoffe bildet. Ein DNA-Impfstoff enthält nur die Erbinformation solcher Viren-Eiweißbruchstücke: Der Körper baut sie in  Zellen ein und produziert dann selbst diese Eiweißteile, die das Abwehrsystem alarmieren.   Der Körper bekommt also nur die genetische Information für den Impfstoff und produziert ihn quasi selbst. Aber auch dieser Impfstoff muss erst getestet und geprüft werden, ob er wirksam und sicher ist. Aber grundsätzlich  vereinfacht dieses Verfahren die Impfstoffproduktion.

Gibt es bereits einen Impfstoff gegen andere Coronaviren wie SARS oder MERS?

Es gibt erste Daten mit einem Impfstoff gegen das MERS-Virus, die grundsätzlich vielversprechend sind. 85 Prozent der Studienteilnehmer zeigten eine gute Immunantwort. Aber es handelt sich noch um eine frühe Forschungsphase. Eine Zulassung dieses Impfstoffes ist noch nicht in Sicht. Die US-Forscher konnten aber zeigen, dass es grundsätzlich möglich ist, Impfstoffe gegen Coronaviren zu entwickeln. Das heißt aber nicht, dass man die Ergebnisse auf das neue Coronavirus umlegen kann. Einen Impfstoff zu entwickeln, der gegen alle Coronaviren wirkt, ist noch in weiter Ferne.

Wie sehen Sie die Chancen einer raschen Entwicklung einer Therapie? Eine Grazer Firma hat einen Wirkstoff aus der HIV/Aids-Behandlung ausfindig gemacht, der auch gegen das Coronavirus wirken könnte.

Diese Methode, mit innovativen Computertechnologien in Datenbanken bereits zugelassene Wirkstoffe zu suchen, bei denen es Hinweise für einen Angriffspunkt auch gegen das Coronavirus gibt, ist derzeit sicher die vielversprechendste. Denn dann hätte man eine bereits zugelassene Substanz, die man lediglich gegen eine weitere Erkrankung einsetzen würde. Damit wäre ein rascher Einsatz möglich. Allerdings sind auch hier noch weiterführende Untersuchungen notwendig.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.