Temperaturscreening auf einem Bahnhof in China.

© EPA/SU YANG

Wissen Gesundheit
01/27/2020

Coronavirus: Wie ein Virologe den Erreger einschätzt

Derzeit ist das Virus zwar deutlich weniger ansteckend als Influenza-Viren, trotzdem sind aber alle Vorsichtsmaßnahmen gerechtfertigt, betont Stephan Aberle, Spezialist für Coronaviren am Zentrum für Virologie der MedUni Wien.

von Ernst Mauritz

KURIER: Wie sehen Sie die Gefährlichkeit des neuen Virus im Vergleich zur Grippe?

Stephan Aberle: Die Influenza ist sehr gut von Mensch zu Mensch übertragbar, weil sich das Virus in den oberen Atemwegen vermehrt. Das erleichtert die Übertragbarkeit auf andere. Das Coronavirus vermehrt sich hingegen im unteren Atemtrakt, in den tiefen Bronchien und der Lunge. In der Regel muss viel Virusmenge vorhanden sein – jemand also schon schwer erkrankt sein –, damit es zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung kommen kann. Das Übertragungsrisiko ist momentan deutlich geringer als bei der Influenza. Allerdings: Rund jeder Vierte erkrankt sehr schwer, mit Lungenentzündungen und massiven Atemwegsbeschwerden.

Der Prozentsatz jener, die versterben, ist aber höher?

Nach derzeitigen Informationen liegt er beim neuen Coronavirus bei zwei bis drei Prozent der Infizierten, bei der Influenza sind es weniger als ein Prozent. Betroffen sind vor allem ältere und chronisch kranke Menschen. Die Vorsichtsmaßnahmen sind also absolut gerechtfertigt. Wir wollen verhindern, dass das Virus eingeschleppt wird und es hier zu Übertragungen kommt. Solche Infektionsketten könnten zu einer genetischen Veränderung der Viren führen und sie leichter übertragbar machen. Bereits jetzt gibt es in Einzelfällen die Möglichkeit, dass auch infizierte, aber noch symptomfreie Menschen das Virus weitergeben.

Wann gilt jemand als „Verdachtsfall“?

Der Patient muss im Risikogebiet gewesen sein, das sind derzeit in China nur die Stadt Wuhan und die Provinz Hubei. Und es sollte der Verdacht auf eine akute, schwerere Atemwegserkrankung vorliegen oder der Betroffene sollte Kontakt mit einem Erkrankten gehabt haben. Ein Urlauber aus Peking, der mit einem leichten Schnupfen zurückkommt, ist demnach kein Verdachtsfall. Die Zentren des Ausbruchs sind Wuhan und die Provinz Hubei. Wenn in Peking bei mehr als 20 Millionen Einwohnern einige Dutzend Menschen infiziert sind, die in Wuhan waren, heißt das nicht, dass es fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen gibt.

Wenn jemand zum Verdachtsfall erklärt wird: Was untersuchen Sie auf der Virologie?

Wir bekommen möglichst tiefe Atemwegssekrete, die mittels Rachenabstrich entnommen werden. Mit molekularbiologischen Methoden (PCR, Polymerase-Kettenreaktion) können wir zwei Genabschnitte, die typisch für das neue Coronavirus sind, vervielfältigen und damit das Virus nachweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, ist kein Virus vorhanden. Dieser Test ist eindeutig. Darüber hinaus untersuchen wir auch Blutproben.

Wird es gelingen, die Ausbreitung des Virus außerhalb von China zu stoppen?

Bis jetzt ist außerhalb von China keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nachgewiesen. Auch wenn das in Einzelfällen passieren sollte: Solange es keine Übertragungsketten gibt, bin ich zuversichtlich, dass das gelingen wird.

Hier finden Sie eine interaktive Karte, die bestätigte Infektionen weltweit aufzeigt.

 

Auskunft über das Virus
Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat eine kostenlose Info-Hotline für Fragen zu Übertragung, Symptomen und zur Vorbeugung des neuen Coronavirus eingerichtet: Telefon 0800-555 621 (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr).

Informationen im Internet
Auch auf den Internetseiten der AGES (www.ages.at), des Gesundheitsministeriums (www.sozialministerium.at) und des Außenministeriums (www.bmeia.gv.at) gibt es umfangreiche Informationen, darunter auch über die Risikolage  und notwendige Vorkehrungen bei geplanten Reisen  nach China. 

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