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Wissen Gesundheit
01/27/2020

Coronavirus: Was man bis jetzt über den neuen Erreger weiß

Auch Menschen ohne Symptome können das Virus weitergeben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

von Ernst Mauritz

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem neuen Virus. Hier finden Sie eine interaktive Karte, die bestätigte Infektionen weltweit aufzeigt..

Was genau ist dieses neue Coronavirus?

Es ist ein neues Mitglied aus der großen Familie der Coronaviren, die in Säugetieren, Vögeln und Fischen ebenso vorkommen wie im Menschen. Sieben Viren aus dieser Familie können beim Menschen Erkrankungen ausösen: Vier verursachen meist harmlos verlaufende Atemwegsinfekte (grippale Infekte). 2002 kam dann das SARS-,  2012 das MERS-Coronavirus dazu. Das neue Coronavirus ist jetzt das siebente, das Menschen infizieren kann. Es stimmt übrigens zu rund 80 Prozent genetisch mit dem SARS-Coronavirus überein.

Bei der SARS-Pandemie gab es 2002/2003 rund 800 Todesfälle bei 8000 Erkrankten,vor allem in China, Hongkong und Kanada. Durch das MERS-Coronavirus starben bei einem Krankheitsausbruch 2012 vor allem auf der arabischen Halbinsel 860 von rund 2500 Infizierten.

Woher kommt der  Name?

Der Name Coronavirus leitet sich von der nach außen ragenden, kronenförmigen Proteinstruktur der Virushülle ab.
 

Wie viele Erkrankungs- und Todesfälle gibt es bisher?

2744  Infektionen sind bisher offiziell in China bestätigt (Stand Montagfrüh), darunter 80 Todesfälle. Darüberhinaus gibt es Hunderte weitere Verdachtsfälle. Nach einer statistischen Berechnung britischer Wissenschafter könnte die tatsächliche Zahl der bisher infizierten bei rund 6000 liegen. Es gibt aber auch eine Warnung von Experten des Imperial College London, die davon sprechen, dass im schlimmsten Fall bereits 100.000 Menschen infiziert sein könnten. Das aber sind alles nur Schätzungen. 95 Prozent der Todesfälle und mehr als 50 Prozent der Infektionen gab es es bis jetzt in Wuhan und der Provinz Hubei mit der Stadt Wuhan.

Außerhalb Chinas gab es Montagfrüh rund 50 bestätigte Fälle, darunter in Frankreich (drei Fälle), USA (fünf Fälle), Kanada (1), Südkorea (4), Thailand (8), Vietnam (2), Singapur (4), Malaysien (4) und Australien (5). In Thailand gibt es mit acht Fällen die bisher größte Zahl außerhalb Chinas. Fünf seien aber bereits als geheilt aus den Spitälern entlassen worden, drei werden derzeit behandelt.

Das neue Coronavirus zirkulierte schon länger im Tierreich?

Ja, und ging von dort auf den Menschen über. Höchstwahrscheinlich ereignete sich diese erste Übertragung auf dem mittlerweile geschlossenen Markt in der Stadt Wuhan. "Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden, dass eine Schlange Hort des Virus war", schreibt Der Spiegel. "Aber auch Dachs und Ratte zählen zu den Verdächtigen."

Möglich wäre, dass Fledermäuse das Virenreservoir waren und eine weitere Tierart dann der Zwischenwirt, ehe es zur Übertragung auf den Menschen kam. So war es auch 2002 bei dem Krankheitsausbruch mit dem SARS-Coronavirus: Die ursprüngliche Herkunft dieses Coronavirus waren wahrscheinlich Fledermäuse, über den Verkehr von Schleichkatzen ging es dann auf den Menschen über.

Wen infiziert das Virus?

Bisher sind es vor allem Menschen im mittleren und fortgeschrittenen Alter mit Vorerkrankungen bzw. chronischen Erkrankungen. "Für jüngere Menschen scheint die Gefährlichkeit derzeit mit jener der Grippe vergleichbar zu sein", sagte die Infektionsspezialistin Nathalie MacDermott vom Imperial College London britischen Medien.

Welche Symptome treten auf?

Häufig sind Fieber, Husten, Atemnot und auch Lungenentzündungen. In der Regel kommt es zu einer Infektion der unteren Atemwege, Erkältungssymptome durch Infektion der oberen Atemwege sind seltener.

Wie lange dauert es, bis die ersten Symptome auftreten?

Zwischen einem und 14 Tage, im Schnitt sind es zehn Tage, sagte Chinas Gesundheitsminister Ma Xioawei. Britische Experten sprachen noch vor kurzem von im Schnitt drei bis sechs Tagen.

Sind Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich?

Ja. Es gibt dokumentierte Übertragungsketten in zumindest einer Familie, wo sechs Mitglieder erkrankten, zwei aber niemals in Wuhan waren. "Das Übertragungsrisiko von Mensch zu Mensch scheint deutlich niedriger zu sein als bei der saisonalen Grippe", heißt es auf der Homepage des Gesundheitsministeriums. Es muss offenbar ein sehr enger Kontakt Voraussetzung für eine Infektion sein. Darauf deuten auch Informationen aus China hin, wonach es speziell bei Krankenhauspersonal Infektionen gegeben haben soll.

Wie erfolgt die Übertragung?

Vor allem Tröpfcheninfektionen beim Husten und Niesen, weniger Schmierinfektionen. In Epidemiegebieten können deshalb Gesichtsmasken über Nase und Mund die Symptome reduzieren.

Ist auch bei den Fällen im Ausland wie etwa in den USA oder Frankreich schon eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung beobachtet worden?

Nach den derzeitigen Informationen nicht. Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie der MedUni Wien, zum KURIER: "Alle  Fälle im Ausland lassen sich bisher nach Wuhan zurückverfolgen. Auch sind aus dem Ausland  keine Todesfälle bekannt, alle außerhalb Chinas diagnostizierten Patienten sind wieder gesund geworden. Es scheint bis jetzt noch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Chinas gegeben zu haben. Alle Kontaktpersonen werden nachverfolgt und isoliert."

Sind auch Menschen ohne Symptome infektiös?

Chinas Gesundheitsminister Ma Xiaowei sagte am Sonntag, das Virus könne auch während der symptomlosen Inkubationszeit weitergegeben werden. Gesund erscheinende Personen können also das Virus in einem Ausmaß verbreiten, dass es zu weiteren Erkrankungsfällen kommt. Das macht die Kontrolle der Ausbreitung schwieriger. Und: Das  ist ein großer Unterschied zu SARS oder MERS. Hier erfolgte die Übertragung einer Infektion auf andere nur dann, wenn der Infizierte bereits sichtlich erkrankt war.

Gibt es eine Therapie?

Eine spezielle Therapie gibt es – abgesehen von der Linderung der Symptome – nicht. Es gibt auch noch keinen Impfstoff - das wird frühestens in einem Jahr der Fall sein.

Ist das neue Coronavirus gefährlicher als die Virusgrippe, die Influenza?

Nach derzeitigen Informationen sterben an dem neuen Coronavierus drei bis vier Prozent der Infizierten, bei einer Influenza-Epidemie sind es weniger als ein Prozent. Damit wäre das neue Virus zwar etwas gefährlicher als die Influenza, aber deutlich weniger gefährlich als das Coronavirus der  SARS-Epidemie 2002/2003 (zirka zehn Prozent Sterblichkeit damals) oder das MERS-Coronavirus 2012 (ca. 30 Prozent Sterblichkeit). Rund 25 Prozent der Infizierten erkranken schwer.

Aber da die Angaben über die tatsächliche Zahl der Infizierten wahrscheinlich unvollständig sind, lässt sich die Gefährlichkeit derzeit noch nicht wirklich abschätzen.

Wieso sagt der chinesische Gesundheitsminister, dass die Übertragungsfähigkeit des Virus noch steigen werde?

Coronaviren mutieren leicht, ihre genetischen Bausteine können sich rasch verändern und neu zusammengruppieren. Treffen in einem Organismus zwei Arten dieser Virenfamilie aufeinander, kann es leicht zu einem Austausch von Erbinformation kommen - das kann das Infektionspotenzial aber rasch ändern.

Ist die große internationale Aufregung wirklich berechtigt?

Ja. Weil man weiß, dass Coronaviren aus dem Tierreich, die auf einmal die Artenbarriere überwinden, gefährlich für die neue Art – den Menschen – sein können, weil er daran noch nicht angepasst ist. Und weil Coronaviren so ein großes Potenzial zur Veränderung haben.

Könnte es sein, dass die tatsächliche Zahl der Todesfälle schon viel größer ist und die chinesischen Behörden das wahre Ausmaß verheimlichen?

Die chinesischen Behörden haben diesmal zumindest deutlich früher die Weltgesundheitsorganisation informiert als dies bei der SARS-Epidemie der Fall war. Als die WHO im Dezember die ersten Informationen und dann auch die Gensequenz des neuen Virus erhielt, dürfte die Ausbreitung erst wirklich kurz davor begonnen haben. Trotzdem gibt es jetzt die Vermutung, dass die tatsächlichen Erkrankungszahlen deutlich höher sein könnten als jene, die kommuniziert werden.

Droht die Gefahr einer Epidemie in Europa?

„Die Gefahr einer Epidemie in Europa sehe ich derzeit nicht“, sagt die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl: "Es sieht derzeit danach aus, dass die Gesundheitssysteme mit den exportierten Fällen gut umgehen können.“

Aktuelle Informationen über das Coronavirus gibt es auch auf der Homepage  des Gesundheitsministeriums.

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