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Chronik Österreich
01/25/2020

Coronavirus: Anschober erlässt Anzeigepflicht in Österreich

Gesundheitsminister: "Das ist kein Grund zur Panik". Unterdessen stoppt China in Wuhan den Autoverkehr. Bisher sind 41 Todesfälle bestätigt. Virologe: "Ähnlich wie SARS".

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erlässt heute, Samstag, gemäß Österreichischem Epidemiegesetz eine Verordnung, wonach das neuartige Coronavirus einer Anzeigepflicht unterworfen wird. Anzeigepflichtig sind Verdachts-, Erkrankungs-, und Todesfälle. "Das ist kein Grund zur Panik, aber für verstärkte Vorsorge, Information und Aufmerksamkeit", so der Minister.

Nach den bestätigten Fällen in Frankreich sei "das Coronavirus in Europa angekommen. Jetzt geht es darum, umsichtige Vorbereitungsmaßnahmen zu setzen", sagte Anschober. Damit ist Österreich gut auf eine allfällige Ausbreitung des Virus vorbereitet.

Österreichs Gesundheitsbehörden sind dem Minister zufolge mit den relevanten Gremien im Rahmen der WHO- und der EU- Mitgliedschaft "ausgezeichnet vernetzt und in permanenter Abstimmung". Die internationalen Behörden beobachten die aktuelle Entwicklung genau und wenden sich mit Empfehlungen an die Mitgliedsländer.

"Entscheidend ist jetzt, mit Umsicht und hoher Aufmerksamkeit zu reagieren, in Abstimmung mit den internationalen Organisationen. Die Gesundheitsbehörden selbst sind gut vorbereitet. Und wir verstärken die Information der österreichischen Bevölkerung", sagte der Minister.

Rendi-Wagner: "Kein Grund zur Panik"

Auch die ehemalige Gesundheitsministerin und ausgebildete Tropenmedizinerin Pamela Rendi-Wagner hat angesichts einer Verbreitung des Coronavirus für Österreich ebenfalls "keinen Grund zur Panik" gesehen. Wichtig sei höchste Achtsamkeit, rasches Handeln der Behörden und Information für die Bevölkerung. "Wir sind gut vorbereitet", so die SPÖ-Vorsitzende.

Noch keine Erkrankung von Österreichern bekannt

Die ersten Fälle der Erkrankung waren Anfang des Jahres in der chinesischen Stadt Wuhan aufgetreten. Das chinesische Staatsfernsehen berichtete am Samstag von mittlerweile 41 Todesopfern und knapp 1.300 Infizierten im Land. Bestätigte Fälle wurden zuletzt auch aus anderen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Singapur, Taiwan, den USA und am Samstag auch Australien gemeldet.

Das neue Coronavirus, das - von der chinesischen Region um Wuhan kommend - derzeit weltweit für Schlagzeilen sorgt, ist sehr ähnlich dem Sars-Erreger. "Wenn es gelingt, die Verbreitung einzugrenzen, kann man das Virus wieder zum Verschwinden bringen", erklärte am Samstag der Wiener Virologie-Doyen Franz X. Heinz gegenüber der APA.

"Man kann bereits sagen, dass 2019-nCoV sehr ähnlich wie das Sars-Virus ist. Sars hatte wahrscheinlich sein Reservoir in Fledermäusen. Dann waren Zibetkatzen infiziert", sagte Heinz. Hundertprozentig bewiesen sei die Sache mit den Fledermäusen aber bis heute nicht. Die SARS-Erkrankung hatte 2002/2003 mit weltweit rund 8.000 Erkrankungen und rund 800 Todesfällen für Aufsehen gesorgt.

Heinz zeigte im Gespräch mit der APA große Hochachtung für die Arbeit der chinesischen Virologen bei der Aufdeckung der Ursache der neuen Erkrankung: "Es ist unglaublich, wie schnell die chinesischen Wissenschafter die Ursache entdeckt haben, wie schnell das Genom des Virus sequenziert worden ist." Die Daten seien sofort veröffentlicht worden, wodurch man weltweit Testsysteme auf 2019-nCoV etablieren konnte."

"Entscheidend ist, dass man die Erkrankungen unter Kontrolle bekommt. Dann könnte das Virus - ähnlich wie bei Sars - auch wieder zum Verschwinden gebracht werden. Das kann man durch seuchenhygienische Maßnahmen erreichen", sagte Heinz.

In China halten sich laut dem Außenministerium derzeit rund 3.000 Österreicher auf - sowohl Auslandsösterreicher als auch Touristen."Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Erkrankungen von Österreichern bekannt", sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Samstag.

"Die österreichische Botschaft in Peking hat alle Auslandsösterreicher und alle österreichischen Reisenden per SMS und Email über das Coronavirus und entsprechende Schutzmaßnahmen informiert. Darüber hinaus wurden alle österreichischen Reisenden in China kontaktiert, die von der Reiseregistrierung Gebrauch gemacht haben", so Schallenberg. "Das österreichische Außenministerium rät von nicht notwendigen Reisen in die besonders betroffene Provinz Hubei ab."

China will Gruppenreisen verbieten

Die chinesische Gesundheitskommission hat 1.230 medizinische Kräfte in die schwer von der neuen Lungenkrankheit betroffene Metropole Wuhan in Zentralchina entsandt. Drei von sechs Gruppen haben schon ihre Arbeit an Ort und Stelle aufgenommen, wie das Staatsfernsehen am Samstag berichtete. Ferner stellte das Industrieministerium (MIIT) 14.000 Schutzanzüge bereit.

Nach offiziell unbestätigten Berichten sind die Krankenhäuser vom Ansturm der Patienten überfordert, so dass Kranke auch abgewiesen werden. Zudem werden Schutzanzüge oder Testverfahren für das neue Coronavirus knapp. Zuvor war schon berichtet worden, dass die Volksbefreiungsarmee 450 Ärzte und Pfleger nach Wuhan entsandt habe.

Im Kampf gegen die Lungenkrankheit will die Regierung jetzt auch den Autoverkehr in Wuhan weitgehend stoppen. Wie das Staatsfernsehen am Samstag unter Hinweis auf die Krisenzentrale in Wuhan berichtete, werden die größeren Bezirke der Elf-Millionen-Stadt von Sonntag an für Fahrzeuge geschlossen.

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus will die Zentralregierung in Peking alle Gruppenreisen im In- und ins Ausland untersagen. Von Montag an würden sämtliche Gruppentouren chinesischer Reiseagenturen ins Ausland ausgesetzt, berichtete der Staatssender CCTV am Samstag. Gruppenreisen im Inland dürfen demnach ab kommenden Freitag nicht mehr stattfinden

Ausnahmen gebe es nur für Autos mit besonderen Genehmigungen, für Behördenfahrzeuge und Versorgungstransporte. In Wuhan waren am Donnerstag bereits der öffentliche Nahverkehr, die Fernbusse sowie Zug- und Flugverbindungen in andere Städte gestoppt worden. In der Provinz Hubei sind seither in mehr als einem Dutzend weiterer Städte ähnliche Beschränkungen der Bewegungsfreiheit für die Bewohner erlassen worden, um eine weitergehende Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern. Insgesamt sind mehr als 40 Millionen Menschen betroffen.

Als Reaktion auf den Ausbruch der Lungenkrankheit sind an vielen Orten Chinas Veranstaltungen abgesagt und Vergnügungsparks geschlossen worden, um größere Menschenansammlungen zu verhindern. Auch der Super Cup der chinesischen Fußballvereinigung (CFA), der am 5. Februar in der ostchinesischen Stadt Suzhou stattfinden sollte, wurde deswegen verschoben.

Chinesische Staatsmedien berichteten, in der elf Millionen Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Wuhan werde ein neues Krankenhaus mit 1000 Betten errichtet - in nur sechs Tagen. Der Gebäudekomplex wird demnach aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt. Das Krankenhaus soll Anfang Februar die ersten Patienten aufnehmen.

Britische Experten suchen 2.000 Fluggäste aus China

Im Kampf gegen das gefährliche Coronavirus wollen Gesundheitsexperten in Großbritannien etwa 2.000 Fluggäste aus China aufspüren. Gesucht werden Reisende aus der zentralchinesischen Millionen-Stadt Wuhan, die in den vergangenen zwei Wochen ins Vereinigte Königreich geflogen sind. Das britische Gesundheitsministerium will "so viele Passagiere wie möglich" finden.

Mediziner halten es für wahrscheinlich, dass sich Infizierte bereits in Großbritannien aufhalten. Professor Chris Whitty, der die Regierung in Gesundheitsfragen berät, sprach von einem "reellen Risiko". 14 Verdachtsfälle hatten sich kürzlich aber nicht bestätigt.

Nach Medienberichten vom Samstag wurden am Londoner Großflughafen Heathrow die Sicherheitsmaßnahmen ausgebaut. Dort wird medizinisches Personal nun in sieben Schichten arbeiten, um Fluggästen zu helfen. Fiebermessen bei allen ankommenden Passagieren ist aber wegen der mehrtägigen Inkubationszeit - also dem Zeitraum zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit - nicht vorgesehen.

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