Hype um Scheinfasten: Was bringt es wirklich?
Für einige Tage wird die Kalorienzufuhr deutlich gesenkt.
In sozialen Medien schwört man schon seit Längerem auf das sogenannte Scheinfasten. „Damit ist eine kurzfristige, stark kalorienreduzierte, meist pflanzenbetonte Ernährungsphase gemeint, die metabolisch einige Effekte eines Fastens nachahmen soll, ohne komplett auf Nahrung zu verzichten“, erklärt die Wiener Diätologin und Ernährungswissenschafterin Daniela Bergthaler. Am ersten Tag des Scheinfastens sollen rund 1.000 bis 1.100 Kalorien zu sich genommen werden, von Tag zwei bis fünf sind es nur zwischen 700 bis 900 Kalorien.
Mögliche Vorteile sind: kurzfristiger Einfluss auf
- Gewicht
- Taillenumfang
- HbA1c
- Blutdruck
- und Entzündungswerte
In Studien zeigten sich zudem teils Verbesserungen bei Nüchternglukose, Insulinresistenz und Körperfett.
Die Nachteile sind:
- Hunger
- Müdigkeit
- Reizbarkeit
- Konzentrationsabfall
- Kopfschmerzen Leistungsabfall im Alltag oder Sport
- sowie Verdauungsbeschwerden
„Wichtig ist auch: Scheinfasten ist keine nachgewiesen überlegene Standardmethode gegenüber etablierten Ernährungsstrategien“, betont die Expertin.
Grundsätzlich ist Scheinfasten für gesunde, erwachsene Menschen geeignet – am besten für fünf Tage. Nicht empfehlenswert hingegen sei ein quasi permanentes „halb-fastendes“ Leben mit chronisch zu niedriger Energie- und Proteinzufuhr. Das erhöhe eher das Risiko für Müdigkeit, Muskelverlust und Nährstoffdefizite. Personen mit einer Diabetes-Erkrankung sollten diese Methode zudem nur unter ärztlicher Begleitung durchführen.
Häufige FehlerEntscheidend beim Scheinfasten ist auch, wie es umgesetzt wird. So könne etwa zu wenig Trinken Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme begünstigen.
Ein weiterer Fehler: Eine zu häufige Wiederholung ohne Plan – das erhöht das Risiko für Nährstoffmängel. Bergthaler rät des Weiteren davon ab, während des Fastens hart zu trainieren: „Das passt oft nicht zur reduzierten Energiezufuhr und kann Regeneration und Alltag verschlechtern.“ Ebenso sollten Medikamente – insbesondere bei Diabetes oder Bluthochdruck – nach ärztlicher Abklärung angepasst werden. Neben der Phase des Scheinfastens selbst spielt die Zeit danach eine Rolle. Die Expertin empfiehlt etwa, „nicht in sehr große, stark verarbeitete oder alkoholreiche Mahlzeiten zurückzufallen“.
Sinnvoller sei ein Übergang zu einer nährstoffreichen, alltagstauglichen Ernährungsweise, mediterran orientiert – mit pflanzlichen Proteinen wie Tofu, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Samen/Saaten, Nüsse, sowie Gemüse und hochwertigen pflanzlichen Fetten. Was dabei nicht vergessen werden darf: „Die eigentlichen Langzeitgewinne hängen stärker von der Gesamternährung im Allgemeinen als vom Zyklus allein ab.“
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