Mariendistel ist kein Unkraut.

© Manfred Richter / Pixabay

Wissen Gesundheit
01/27/2021

Heilsam für die Leber: Mariendistel ist Arzneipflanze 2021

Die Wirkstoffe aus den braunen Früchten helfen bei Vergiftungen durch Knollenblätterpilze und in der Behandlung von Hepatitis.

Seit der Antike wird die Mariendistel für therapeutische Zwecke genützt. Sie wirkt positiv auf die Leber und hilft gegen Pilz-Vergiftungen. Nun wurde der stachelige Korbblütler zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Wirkstoffkomplexe Silymarin hilft

Experten der pharmazeutischen Institute der Universitäten Graz, Innsbruck und Wien wählen Jahr für Jahr "nach strengen Auswahlkriterien" die Arzneipflanze des Jahres in Österreich. Heuer fiel die Entscheidung auf Silybum marianum, so die wissenschaftliche Bezeichung des Gewächses. Es überzeuge durch die leberschützenden Effekte des Wirkstoffkomplexes Silymarin, die durch diverse wissenschaftliche Studien belegt sind.

Heilkraft seit der Antike bekannt

Die Mariendistel stammt ursprünglich aus dem mediterranen Raum und dem Vorderen Orient, in Österreich wird sie aktuell vor allem im Waldviertel kultiviert. Schon seit dem Altertum kommt die Pflanze in der Medizin zum Einsatz; heute ist es vor allem der Bereich der Lebererkrankungen. Seit dem 19. Jahrhundert fokussiert die medizinische Verwendung auf Zubereitungen der "Samen" bzw. Früchte bei Leber- und Galleleiden.

Großflächige Kultivierung

Mittlerweile erfolgte eine systematischen Inkulturnahme und züchterische Bearbeitung, sagt Rudolf Marchart, Österreichischer Verband für Arznei- und Gewürzpflanzenbau, St. Pölten. Ihm zufolge stellt die Mariendistel hierzulande eine der drei wichtigsten großflächig kultivierten Arzneipflanzen dar.

Anbaugebiete liegen vor allem im Waldviertel und teilweise auch im Weinviertel, wo auch ein Kompetenzzentrum zur Verarbeitung für die nachfolgende Silymaringewinnung beheimatet ist. 3.500 bis 4.000 Tonnen Körnerdroge werden durchschnittlich pro Jahr hergestellt.

Braunen Früchte besonders wertvoll

Besonders wertvoll sind die braunen Früchte, die in ihrer Schale den als "Lebermittel" bekannten Wirkstoffkomplex Silymarin enthalten. Dieser interagiert mit spezifischen Leber-Transportproteinen, wodurch Giftstoffe wie Amanitin und Phallaoidin nicht mehr in die Zelle eindringen können. "Für die Wirksamkeit ist das in der Fruchtwand lokalisierte Gemisch an Flavonolignanen, das als 'Silymarin' bezeichnet wird, von besonderer Bedeutung", erklärt Rudolf Bauer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz.

Studien belegen positive Effekte

Auch antioxidative und antiinflammatorische Effekte konnten nachgewiesen werden. Tierversuche zeigten außerdem, dass Silymarin den Zuckerstoffwechsel positiv beeinflussen und cholesterinsenkend wirken kann. Somit könnte es auch für die Behandlung des metabolischen Syndroms Bedeutung haben.

Eventuell Anwendung in der Krebstherapie

Für die Behandlung der Knollenblätterpilzvergiftung wird das gereinigte Hemisuccinatdinatriumsalz des Silibinins verwendet. Neuesten Untersuchungen zufolge könnten sich drüber hinaus Anwendungen im Bereich der Krebstherapie ergeben.

Laut Annette Jänsch, Fachärztin für Innere Medizin Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin, haben einige Studien eine schnellere Abheilung einer akuten Hepatitis A unter Mariendisteltherapie belegt. In der täglichen naturheilkundlichen Praxis finde die Mariendistel insbesondere bei Lebensstil-bedingten Fettlebererkrankungen (NAFLD) Anwendung. Auch Patienten mit chronischer viraler Hepatitis - Hepatitis B und C – und Chemotherapie-induzierter Hepatitis profitieren.

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