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03.04.2018

Die unterschätzte Augenkrankheit

Die Bezeichnung "Grüner Star" ist eine Verharmlosung: Die oft lange unbemerkte Erkrankung kann zur Erblindung führen.

Dr. Anton Hommer ist Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie und Vorsitzender der Glaukom-Kommission der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft.

 

Was passiert genau bei einem Glaukom?

Meistens werden durch einen erhöhten Augeninnendruck die Nervenzellen des Sehnervs geschädigt. Der Druck entsteht, weil das Kammerwasser im Auge nicht mehr gut abfließen kann. Diese schwere Erkrankung ist weltweit und in Österreich die zweithäufigste Erblindungsursache. Deshalb ist auch die Bezeichnung „Grüner Star“ irreführend, weil sie oft zur Verwechslung mit dem harmlosen Grauen Star führt. Während bei diesem meist durch eine Operation eine Sehverbesserung erreicht wird, können Schäden am Sehnerv nicht rückgängig gemacht werden.

In Österreich sind mehr als 80.000 Menschen betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Glaukom zu erkranken, verdoppelt sich ab dem fünfzigsten Lebensjahr mit jedem Jahrzehnt.

Wie erkennt man zu hohen Augendruck?

Rund 60 Prozent der Betroffenen wissen nichts von ihrer Erkrankung. Sie verläuft schmerzlos und lange Zeit auch ohne andere merkbare Symptome. Die zentrale Sehschärfe nimmt nämlich erst im Endstadium der Erkrankung ab, wenn der Großteil der Sehnerven bereits abgestorben ist. Die Gesichtsfelddefekte sind gefährlich, wenn etwa ein Radfahrer am Fahrbahnrand nicht erkannt wird.

Oft wird das Glaukom per Zufallsdiagnose festgestellt, wenn Patienten wegen anderer Beschwerden zum Augenarzt kommen. Ab 40 sollte eine jährliche Augenarztkontrolle erfolgen. Goldstandard für die Augendruckmessung ist die Applanations-Tonometrie mit einem Stempelchen, das das Auge berührt. Die Messung ist schmerzfrei. Nicht ganz so exakte Messwerte liefert das Luftimpuls-Tonometer.

Gibt es Alternativen zur Standardtherapie mit Augentropfen?

In 90 Prozent der Fälle ist mit Tropfen eine zufriedenstellende Senkung des Augeninnendrucks und Stabilisierung der Erkrankung erreichbar. Werden die Tropfen nicht vertragen, hat jemand Schwierigkeiten mit dem täglichen Eintropfen oder verschlechtert sich die Erkrankung stehen Laserbehandlungen sowie operative Verfahren zur Verfügung.

Häufigste Methode ist dabei die Trabekulektomie: Dabei wird ein kleines Fragment des verstopften Trabekelfilters herausgeschnitten, um den Abfluss des Kammerwassers zu erleichtern und dadurch den Augeninnendruck zu senken. Daneben gibt es seit kurzem eine neue, minimalinvasive Methode: Ein winziges Implantat wird im Auge unter der Bindehaut eingesetzt und lässt das Kammerwasser besser abfließen.

Diese Methode ist für den Patienten schonender und weniger belastend, allerdings ist die damit erreichte Drucksenkung oft nicht so stark wie bei der klassischen Methode. Sie eignet sich deshalb eher bei moderaten Formen.

Oberarzt Dr. Anton Hommer am Telefon:

Mittwoch, 4.3., 12 bis 13 Uhr: 01 / 526 57 60

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