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Wissen Gesundheit
12/17/2021

14 Tage Heim-Quarantäne: Ist das sinnvoll?

Was der Epidemiologe Gerhard Gartlehner von der verschärften Maßnahme hält.

von Ute Brühl

Nun ist es bestätigt: Im Piaristengymnasium in Wien wurden drei Klassen wegen Omikron-Infektionen nach Hause geschickt. Doch sie sind nicht die einzigen Betroffenen – mittlerweile gibt es Verdachtsfälle in drei weiteren Schulen.

Was Eltern und Kindern sauer aufstoßen wird: Alle, die mit Omikron-Infizierten Kontakt hatten, müssen nun unabhängig von ihrem Impfstatus 14 Tage in Quarantäne – für die Familien bedeutet das Weihnachten unter Hausarrest. Eine Möglichkeit, sich freizutesten, gibt es selbst für Geimpfte nicht.

Hintergrund der verschärften Maßnahme: Man will so den Ausbruch der nächsten Welle, in der die Omikron-Variante dominieren wird, nach hinten verschieben. Das sei eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, begründete Gerry Fojtik vom Österreichischen Roten Kreuz im Ö1-Morgenjournal den harten Schritt.

Zu hart

Der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems versteht diese neue Maßnahme nicht so ganz: „Bei einer Erkrankung, die einen so hohen R-Wert hat wie die Omikron-Variante und dazu noch sehr ansteckend ist, bevor sich überhaupt Symptome zeigen, ist der Zusatznutzen einer längeren Quarantäne sehr gering.“ Zur Erläuterung: Der R-Wert beschreibt, wie viele Personen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt.

Die meisten Personen erkranken vier bis sechs Tage nach der Infektion, weshalb man sich normalerweise am Tag 5 der Quarantäne freitesten kann. Es gebe zwar sehr, sehr wenige Infizierte, bei denen es länger dauert, aber das sei die absolute Ausnahme. „Es gibt immer eine Abwägung, wie viel Nutzen eine Maßnahme bringt, und wie groß die Kollateralschäden sind, die diese verursachen“, gibt Gartlehner zu bedenken. Besonders bei Kindern sei es problematisch, sie länger in Quarantäne zu lassen als unbedingt nötig.

Zwei extreme Varianten

Klar sei: Omikron wird bald dominieren. Je nach Krankheitsverlauf gebe zwei mögliche Varianten für den Umgang: „Entweder Omikron ist so schlimm wie befürchtet – also dreimal so ansteckend wie Delta mit ähnlich schwerwiegenden Krankheitsverläufen. Dann kommen wir an einem allgemeinen Lockdown, auch für Schulen, nicht vorbei. Ist es aber sehr deutlich weniger krankmachend, werden wir alle schnell die Krankheit durchmachen, ohne dass die Spitäler überlastet werden.“ Wahrscheinlicher sei allerdings, dass Omikron ähnlich häufig wie Delta zu schwerwiegenden Verläufen führt.

„Wie sich die neue Variante auf Kinder auswirkt, ist schwer zu sagen. Die Berichte aus Norwegen und Dänemark zeigen uns noch nicht eindeutig, ob die Kinder wegen Omikron oder Infektionskrankheiten wie RS ins Spital aufgenommen werden und nur zufällig positiv auf Corona getestet wurden.“

Dominante Variante

Noch ist Omikron nicht dominant. Sobald sie die vorherrschende Variante ist, bringen strengere Quarantäneregeln nichts mehr, davon sind auch die überzeugt, die strengere Regeln derzeit noch gut heißen.

Doch jetzt gelten noch die alten Regeln – und die heißen etwa für die Schulen, dass sie offenbleiben müssen. Im Piaristengymnasium waren gestern ein paar Schüler vor Ort, das Gros blieb lieber zu Hause. Vorsichtshalber.

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