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Wissen Gesundheit
11/04/2021

Experten sind sich einig: Schulschließungen sind keine Option

Auch wenn die Zahlen steigen: Kinder dürfen nicht die Leidtragenden sein. Was stattdessen zu tun wäre.

von Ute Brühl

Schulschließungen dürfen keine Lösung sein. Der Präventionsmediziner Hans-Peter Hutter begründet das so: „Viele Menschen wurden in der Pandemie mit Geld entschädigt, etwa durch das Kurzarbeitergeld oder Überbrückungshilfen. Doch Bildung und soziale Kontakte kann man nicht mit Geld aufwiegen.“

Es sei deshalb die Aufgabe der Gesellschaft zu schauen, dass das Virus nicht weiter zirkuliert. „Und es unter Kontrolle zu bringen“, meint Hutter. Leider habe man manchmal den Eindruck, dass die öffentliche Stimmung so ist, dass viele hintertreiben, was ratsam ist. Hier müsse die Politik ansetzen.

Unverfälscht

Dass man in den Schulen so viel testet, habe einen großen Vorteil: „Besonders bei den Sechs- bis Zwölfjährigen, die ja noch nicht geimpft sind. Man kann schön sehen, wie sich die Epidemie in der Bevölkerung entwickelt. Die Zahlen spiegeln das Ausmaß und die Dynamik der Epidemie unverfälscht wieder. Und das lässt wiederum Rückschlüsse auf das gesamte Geschehen zu. Wir erhalten hier grundlegende Basisinformationen über den weiteren Verlauf.“

Turbo einschalten

Hutters Appell: „Man muss jetzt den Turbo anschalten  und die überzeugen, die sich noch nicht geimpft wurden, sich impfen zu lassen. Auch die dritte Teilimpfung ist hier ein wichtiger Punkt. Und die Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden.“

Der Komplexitätsforscher Niki Popper sieht das ähnlich. Auch für ihn sind „Schulschließungen keine Option.“ Das heißt aber nicht, dass man Kinder nicht vor eine Infektion schützen muss. Im Gegenteil: „Kinder sterben zwar äußerst selten an der Infektion, es gibt aber eine nicht zu unterschätzende Anzahl, die an Long Covid erkranken.“ Das könne man vermeiden.

Falsche Reaktion der Schulen

Kritik gibt es auch an den Schulen selbst. Die würden oft falsch reagieren, erklärt der Mikrobiologe Michael Wagner: „In manchen Fällen werden Kinder, die mittels PCR-Test positiv auf Corona getestet wurden, gar nicht gezählt, weil man sagt, dass ihre Viruslast so gering ist, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht.“ Doch das Gegenteil sei der Fall: „Am Anfang einer Infektion ist man noch nicht ansteckend – doch das ändert sich rasant in den darauffolgenden Tagen. Deshalb ist es wichtig, dass dieses Kind aus der Klasse genommen wird, damit es an den Folgetagen niemanden ansteckt.“

Ein zweiter Kardinalfehler sei, dass man bei einem positiven Fall in der Klasse nur den Sitznachbarn mit in Quarantäne schickt und sonst nicht reagiert. „Bei Krankheiten, die über Aerosole übertragen werden, ist das nicht sinnvoll“, gibt  Wagner zu bedenken. „Besser wäre es, man schickt niemanden außer dem Betroffenen in Quarantäne. Stattdessen setzen alle in der Klasse in der kommenden Woche eine FFP-2 Maske auf und lassen sich gleich am nächsten Tag und dann noch zwei Mal im Zwei-Tages-Abstand mittels PCR testen.“

Mit diesem Procedere sei man übrigens auch in seinem Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft an der Universität Wien sehr gut gefahren: „Wir konnten so bisher Cluster vermeiden.“

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