Zwei Ertrinkungsunfälle in Wien: Warum es auch junge Menschen trifft
Zwei junge Männer, ein 24-jähriger und ein 39-jähriger, sind am Sonntag in der Alten Donau bei Badeunfällen ums Leben gekommen. Beide gingen im Bereich des beliebten Strandbads Gänsehäufel unter und konnten nur noch tot geborgen werden. Reanimationsversuche blieben erfolglos.
Jährlich ertrinken in Österreich laut KFV durchschnittlich 42 Menschen. Jeder Zweite ist zwischen 15 und 64 Jahre alt, 41 Prozent sind älter als 65 Jahre. 9 Prozent sind Kinder. Doch warum kommt es bei hohen Temperaturen immer wieder zu solchen Ertrinkungsunfällen bei vermeintlich gesunden Menschen?
„Statistisch ist bei Gesunden fehlendes Können und Selbstüberschätzung der häufigste Grund für Ertrinken. Zudem unterschätzen viele, wie viel eine Temperaturänderung von einer heißen Umgebung zum kühleren Wasser für den Körper ausmacht“, sagt Kardiologe Lukas Fiedler.
Herz wird überlastet
Der Mechanismus dahinter ist gefährlich: Die Hitze führt zu einer Erweiterung der Blutgefäße, dadurch sinkt der Blutdruck. „Wenn man dann ins kühle Wasser springt, ziehen sich die Gefäße zusammen und das Herz wird schlagartig stark belastet. Das kann zu kurzer Bewusstlosigkeit und zum Kreislaufkollaps führen, bei Risikopatienten zum Herzinfarkt“, erklärt Fiedler.
Man spricht von einer plötzlichen Volumenbeanspruchung des Herzens: Bei Hitze sind die Blutgefäße weit gestellt, das Blut verteilt sich im ganzen Körper, der Blutdruck ist niedrig. Beim Sprung ins kalte Wasser ziehen sich die Blutgefäße durch die Kälte schlagartig zusammen. Das Blut, das vorher in den weiten Gefäßen war, wird zurück zum Körperzentrum gedrängt. Die Folge: Das Herz bekommt plötzlich viel mehr Blut zurück und muss dieses größere Volumen gegen die nun engen Gefäße pumpen – eine doppelte Belastung in Sekundenbruchteilen.
Körper an Wassertemperatur anpassen
Im Wasser kann dann die Atmung nicht mehr gesteuert werden. „Aufgrund von Schreckreaktion und Unwohlsein, kann es dazu kommen, dass Wasser verschluckt wird und Fehler passieren. Die eigentliche Todesursache ist dann meist das Ertrinken selbst“, sagt der Kardiologe.
Bevor man an heißen Tagen, an denen man länger draußen war, komplett abtaucht, sollte man zunächst die Beine kalt abduschen oder ins kühle Wasser hängen lassen, um dem Organismus Anpassungszeit zu geben.
Kränkere, ältere Patienten sind besonders gefährdet, ebenso wie Menschen mit ausgeprägter Herzschwäche. Aber auch für junge Erwachsene kann der Sprung ins kalte Wasser gefährlich werden, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: Wenn etwa vorher Alkohol getrunken wurde oder jemand raucht, kann auch bei einem jungen Menschen die Belastungsgrenze überschritten werden.
Fiedler rät, auf Warnsignale zu achten, bevor man ins Wasser geht. „Hat man Kopfschmerzen oder fühlt sich nicht gut, hat ein Schwächegefühl oder verspürt Schwindel, sollte man nicht ins Wasser gehen, sondern jemanden verständigen und versuchen, sich zu kühlen, und dies abklären lassen.“
Wie hilft man richtig?
Wenn jemand im Wasser in Not gerät, ist schnelles, aber besonnenes Handeln wichtig. „Bevor man aktiv wird, sollte man mehrere Leute involvieren und nicht selbst rausschwimmen, ohne Bescheid zu geben“, warnt Fiedler. „Es ist schwer zu helfen, wenn jemand in Panik ist. Man muss ein guter Schwimmer sein, Techniken kennen, damit man nicht selbst ein Problem bekommt.“
Nach der Rettung gilt die ABC-Regel:
- A (Airway, Atemweg): Prüfen, ob die Atemwege frei sind. Ist der Mund voll Wasser, helfen Seiten- oder Bauchlage.
- B (Breathing, Atmung): Kontrollieren, ob die Person atmet, indem man hört, sieht und fühlt, ob der Brustkorb sich hebt und senkt.
- C (Circulation, Kreislauf): Ist keine Atmung vorhanden, mit der Herzdruckmassage beginnen (30 Mal drücken, 2 Mal beatmen).
Für viele ist die Überwindung zur Reanimation groß. „Bevor man nichts macht: Auf das Brustbein drücken, Brustbein tief eindrücken und die Herzmassage durchführen. Der Brustkorb hängt mit der Lunge zusammen. Durch Bewegen kommt es automatisch zu einem gewissen Atemmanöver“, erklärt Fiedler. Heißt: Die Mund-zu-Mund-Beatmung kann zunächst weggelassen werden, wenn man sich dazu nicht überwinden kann.
Man sollte versuchen, sich mit jemandem in der Nähe abzuwechseln, da Herzdruckmassage, insbesondere bei Hitze, anstrengend ist.
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