Ist das Kind zu klein? Genaue Daten können Eltern Sorgen nehmen.

© Getty Images/pinstock/istockphoto

Wissen Gesundheit
09/29/2020

Entwicklung: Wenn Kinder nicht richtig wachsen

Eltern sollten die Größenkurve ihres Kindes beobachten, statt es mit anderen zu vergleichen

von Daniela Davidovits

Mit 13 schossen seine Freunde in die Höhe, aber Jonas blieb weiterhin einen Kopf kleiner als die anderen. Seine hochgewachsenen Eltern waren bis dahin von einem späteren Wachstumsschub ausgegangen. Nun stieg die Nervosität.

Für Eltern ist die Größe ein wichtiges Thema, weiß Kinder-Endokrinologin Gabriele Häusler von der MedUni Wien: „Drei Prozent der Kinder sind außerhalb der Norm einer Wachstumskurve. Eltern vergleichen ihr Kind oft mit anderen Kindern, und anders als bei anderen Problemen lässt sich das Wachstum nicht mit einer einzigen Untersuchung diagnostizieren. Es geht um eine Beurteilung des Verlaufs.“

Es gibt drei Phasen, in denen Eltern sensibel sind, so die Expertin: „Im Babyalter, wo es um eine gute Versorgung des Kindes geht. Dann bei Schuleintritt, wenn man das Kind im Klassendurchschnitt sieht. Und in der Pubertät, wenn der Wachstumsschub später auftritt.“

Bei der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde präsentierte Häusler die Initiative ihrer Arbeitsgruppe, die Körpermessdaten heimischer Kinder einheitlich zu dokumentieren. So können auf der Plattform wachstum.at schon jetzt Eltern und Ärzte auf einheitliche Wachstumskurven zugreifen. Häusler wünscht sich, dass auch Daten, die von Schulärzten erhoben werden, Eltern und Ärzten zugänglich sind. „Eine möglichst komplette Wachstumskurve erspart Kindern eventuell unnötige Blutabnahmen.“ Vergleichsdaten seien wichtig, wie eine Diskussion in der Schweiz zeigt, wo Kinder deutlich größer sind, als die WHO-Kurven vorgeben: „Wir verwenden auch nicht die Angaben der WHO, weil die internationalen Zahlen nicht so aussagekräftig sind“, sagt Häusler. Wenig hilfreich findet sie die Schätzung der genetischen Ziellänge: Körpergröße der Mutter plus Körpergröße des Vaters plus 13 cm und dann dividiert durch 2. Bei Mädchen rechnet man minus 13, bevor man teilt.

So verläuft die Kurve

Wie stellen die Experten fest, ob es ein Problem gibt? „Auch wir brauchen eine möglichst genaue Wachstumskurve und können den Handwurzelknochen röntgen, um Vergleiche zu haben.“ Zur Orientierung: In der ersten Phase (bis drei Jahre) verdoppelt das Kind seine Länge. Bis zur Pubertät wächst es circa fünf bis sechs Zentimeter pro Jahr und in der Pubertät sieben bis neun Zentimeter. Bei Buben setzt dieser Wachstumsschub zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr ein und zwischen 9,5 und 13,5 Jahren bei Mädchen.

Kinderarzt muss helfen

Erster Ansprechpartner für besorgte Eltern ist immer der Kinderarzt, er kann bei Bedarf an die richtigen Fachärzte überweisen. Matthias M. Weber von der Universitätsmedizin Mainz zählte bei der deutschen Tagung der Kinderärzte Gründe auf: „Zu Kleinwuchs können Mangel- oder Fehlernährung, auch zehrende Erkrankungen wie schweres Asthma, Mukoviszidose oder schwere Herzerkrankungen führen. Es kann auch hormonbedingte Ursachen haben, etwa die Unterfunktion der Schilddrüse, ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus oder ein Mangel an Wachstumshormonen.“

Manche Probleme werden heute schneller erkannt: „Früher haben wir anhand der Wachstumskurve nach Gründen gesucht und etwa eine Zöliakie diagnostiziert. Heute wird diese schon früher anhand anderer Methoden erkannt“, sagt Häusler, die auf Wachstum und Hormonstörungen bei Kindern spezialisiert ist. Gerade die Sexualhormone sorgen in der Pubertät für den charakteristischen Schub.

Seit etwa 30 Jahren gibt es Erfahrungen mit Hormonersatz-Therapien. Zeigen sich Nebenwirkungen? Häusler: „Nicht, wenn es sich um

eine Ersatztherapie oder für andere Wachstumsstörungen etablierte Therapie handelt. Aber Größenkosmetik können wir mit Wachstumshormonen nicht betreiben.“

Datenbank
Mit wachstum.at haben die Endokrinologische Arbeitsgruppe der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (APEDÖ der ÖGKJ) und die MedUni Wien
eine kostenlose Software zur Beurteilung von Messdaten erstellt

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.