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Wissen Gesundheit
07/07/2020

Coronavirus: Wie sich die Situation heute von März unterscheidet

Am Montag gab es mehr als 1.000 Erkrankte, bei solchen Werten kam es im März zum Lockdown. Der Unterschied: Damals war der Anstieg viel steiler.

von Ernst Mauritz

„Wieder mehr als 1.000 aktiv Erkrankte in Österreich“, meldete am Montag die APA. Sie tat das nicht zum ersten Mal: Erstmals gab es nämlich am Tag des Lockdown – dem 16.3. – mehr als 1.000 Erkrankte. Am Tag der Ankündigung der Beschränkungen, dem 13. 3., waren es 422 Infizierte. Warum gab es damals die Einschränkungen für Geschäfte und Restaurants, gefolgt von der Maskenpflicht – und warum wird jetzt die Situation – ausgenommen vielleicht die Regionen rund um einen Cluster – vielfach entspannter beurteilt?

„Die Dynamik war damals eine ganz andere“, sagt Heinz Burgmann, Leiter der Abteilung für Infektiologie am Wiener AKH / MedUni Wien im Interview für den KURIER und SchauTV. „Damals verdoppelte sich die Zahl der Fälle innerhalb von vier bis fünf Tagen, derzeit liegt die Verdoppelungszeit zwischen 150 und 200 Tagen.“

Das bedeute jetzt nicht, dass man sich gar keine Sorgen machen müsse: „Da derzeit ein Infizierter wieder mehr als eine weitere Person ansteckt, haben wir auch jetzt ein exponentielles Wachstum. Aber noch auf einem viel niedrigeren Niveau.“

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Ein Unterschied zu Mitte März sei auch, dass sich die Infektionen auf mehrere Hotspots – Cluster – konzentrieren, etwa die Freikirche in Linz oder die Schlachthöfe in Oberösterreich. Mitte März habe es eine deutlich unkontrolliertere Virus-Verbreitung in der Bevölkerung gegeben.

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„Wir haben in der Zwischenzeit auch viel dazu gelernt und sind jetzt viel besser vorbereitet. Wir testen mehr und sind dabei rascher geworden. Auch beim Nachverfolgen von Kontaktpersonen Infizierter haben wir wertvolles Know-how dazugewonnen.“

Er wolle deshalb auch noch nicht von einer „zweiten Welle“ sprechen: „Ich definiere diese so, dass wir wieder in ein unkontrolliertes, exponentielles Wachstum hineingeraten, so wie das im März der Fall war. Dann würde ich von einer zweiten Welle sprechen. Aber das müssen wir unbedingt vermeiden.“

Sorgenvoller Blick

Und Burgmann betont, dass er schon auch „mit Sorge“ auf die Zahlen schaut: „Das Virus wartet ja nur darauf, sich auszubreiten.“

Allerdings benötige es immer eine gewisse Zeit, bis die Pandemie Fahrt aufnimmt: „So war es ja auch zu Jahresbeginn. Es brodelt schon längst unter der Decke, ehe die ersten Infektionen im Gesundheitssystem aufpoppen. Bis dahin sind schon etliche Personen infiziert worden.“

In den vergangenen Tagen sei die Verdopplungszeit bei der Zahl der Neuinfektionen schon etwas kürzer geworden: „Es ist deshalb extrem wichtig, dass wir bei den täglichen Neuinfektionen in einem niedrigen Bereich bleiben. Nur so können wir auch Kontaktpersonen effektiv nachverfolgen, in Quarantäne zu schicken und die Cluster austrocknen.“

Nur sehr gering ist bisher die Zahl der Patienten in Spitalsbehandlung gestiegen: „Bis jemand so krank wird, dass er in einem Krankenhaus behandelt werden muss, dauert es doch mehrere Tage. Endgültige Aussagen kann man da deshalb noch nicht treffen.“ Möglicherweise, so vermuten manche Experten, könnte es auch damit zu tun haben, dass sich jetzt vermehrt junge Menschen infizieren, die nicht mehr auf die Abstandsregel achten und generell sorgloser geworden sind: „Andererseits hatten wir in Österreich immer schon einen niedrigeren Altersschnitt im Vergleich zu anderen Ländern.“

Fazit von Burgmann: „Auch wenn wir jetzt ganz andere, bessere Voraussetzungen haben als im März – eine Besorgnis, dass sich die Infiziertenzahlen nicht noch mehr und steil erhöhen, ist bei mir schon vorhanden.“

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