Eine Aufnahme des Coronavirus unter dem Rasterelektronenmikroskop.

© APA/AFP/National Institutes of Health/HANDOUT

Wissen Gesundheit
02/27/2020

Coronavirus: Mehrfach-Ansteckungen nicht auszuschließen

Das Immunsystem ist nach einer durchgemachten Infektion laut Experten aber deutlich besser für das Virus gerüstet.

Eine Frau in Japan hat sich laut Behörden in Osaka zum zweiten Mal mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert. Mehrfache Infektionen seien nicht auszuschließen, erklärte ein Experte der Universität Bern. Das Immunsystem sei dann jedoch deutlich besser vorbereitet.

Keine Antikörper

Das Coronavirus Sars-CoV-2 verbreitet sich schnell. Auch und vor allem deshalb, weil das Immunsystem der Menschen mit diesem Virus das erste Mal zu tun hat. Am Donnerstag wurde erstmals der Fall einer erneuten Infektion bekannt: Eine Frau in Japan wurde laut Behörden nach ihrer Genesung ein zweites Mal positiv auf das Coronavirus getestet.

"Eine erneute Infektion ist, wie bei normalen Erkältungen, nicht auszuschließen, aber der Verlauf dürfte deutlich milder ausfallen", betonte Ronald Dijkman, Professor am Institut für Infektionskrankheiten an der Universität Bern, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der Körper sei besser auf die Infektion vorbereitet.

Husten, Fieber und Lungenentzündung gehören zu den Symptomen der Erkrankung Covid-19. Dabei ist es genau genommen nicht das Virus, das viele der Symptome auslöst, sondern die Gegenwehr des Körpers. Und so ist anzunehmen, dass die unterschiedlichen Verläufe - von mild bei der großen Mehrheit bis zu lebensbedrohlich bei einem kleinen Anteil der Betroffenen - mit dem Immunsystem zusammenhängen.

Virus befällt Zellen

Sars-CoV-2 befällt Zellen des Lungenepithels, indem es an einen Rezeptor auf der Oberfläche dieser Zellen andockt. Dieser Rezeptor namens ACE2 ist die gleiche Eintrittspforte, die auch das Sars-Coronavirus von 2002 nutzt. Im Zellinneren kapert das Virus die Zellmaschinerie, um sein eigenes Erbgut zu vervielfältigen und in neu produzierte Virushüllen zu verpacken. Schließlich löst sich die Zelle auf und eine Armee neuer Viren strömt heraus.

Gänzlich wehrlos sind die Körperzellen jedoch nicht. Sie besitzen angeborene Abwehrmechanismen. So erkennen bestimmte Proteine im Zellinneren Anzeichen des Virusbefalls, beispielsweise charakteristische Muster des Viruserbguts und des Vervielfältigungsprozesses. In Reaktion darauf produziert die Zelle Moleküle, die die Vervielfältigung des Virus bremsen sollen, sowie Signalstoffe, die andere Zellen des Körpers warnen: sogenannte Cytokine, Chemokine und Interferone.

Diese schlagen zum einen bei den umliegenden Zellen Alarm, so dass diese sich auf das Virus vorbereiten können. Sie aktivieren Gene und produzieren Moleküle, die dem Virus den Eintritt in die Zelle und das Vervielfältigen im Inneren erschweren sollen. Zum anderen verbreiten sich die Signalstoffe und rufen das adaptive Immunsystem auf den Plan: eine Armada aus Fresszellen, die infizierte Körperzellen entfernen, und Immunzellen, die Antikörper produzieren, um das Erkennen und Ausschalten befallener Zellen zu beschleunigen.

Abwehrreaktion adaptiert sich

Diese Abwehrreaktionen sind jedoch auch die Ursache für die Symptome wie das Ansteigen der Körpertemperatur und die Entzündung des befallenen Gewebes. Hat das adaptive Immunsystem jedoch einmal gelernt, das Virus zu erkennen und zu bekämpfen, verläuft die Abwehr bei einer zweiten Infektion um ein Vielfaches effizienter.

Warum die Krankheitsverläufe bei Menschen unterschiedlich ausfallen, ist unklar, sagte Dijkman. "Das ist eine der Fragen, an der die Forschungsgemeinschaft mit Hochdruck arbeitet."

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