Straßensperren in Italien. Mit 157 bestätigten Fällen ist es - nach China und Südkorea - das drittstärkste betroffene Land.

© EPA/ANDREA FASANI

Frage und Antwort
02/24/2020

Kann eine weltweite Pandemie noch verhindert werden?

Die meisten Erkrankungen verlaufen mild, Schutzmasken werden für Gesunde nicht empfohlen: Wie Experten die Situation einschätzen.

von Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Coronavirus.

Kann eine weltweite Ausbreitung, eine Pandemie, noch verhindert werden?

Viele Experten sind der Ansicht, dass die Welt derzeit mit Riesenschritten auf jenen Wendepunkt zusteuert, wo dies nicht mehr möglich sein könnte. Diese Annahme wird vor allem durch die aktuellen Entwicklungen in Südkorea, im Iran und in Italien genährt. Laut dem britischen Guardian sind in der iranischen Stadt Qom im Februar mindestens 50 Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Offiziell bestätigte der Iran bisher 12 Todesfälle und mehr als 50 Infektionen. Auch im Nachbarstaat Afghanistan tauchte am Montag in der Region Herat die erste bekannte Infektion mit dem Coronavirus auf. Die Region grenzt an den Iran. Derzeit spricht die Weltgesundheitsorganisation aber noch nicht von einer Pandemie, also einer länder- und kontinentübergreifenden Epidemie. Eine Pandemie wird von der WHO ausgerufen. Allerdings sagen viele Experten, dass die Situation immer mehr einer Pandemie gleich kommt und die Welt auf dem Weg zu einer neuen Pandemie - so wie 2009/2010 bei der "Schweinegrippe".

Wie gefährlich ist der neue Erreger?

"Wie gefährlich der Erreger ist, ist noch nicht genau abzusehen", heißt es auf der Homepage der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Momentan scheint die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus deutlich niedriger als beim MERS-Coronavirus (bis zu 30 Prozent Sterblichkeit) und beim SARS-Coronavirus (ca. 10 Prozent Sterblichkeit) zu sein. Man geht derzeit beim neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) von einer Sterblichkeit von zwei bis drei Prozent aus. Ähnlich wie bei der saisonalen Grippe durch Influenzaviren (Sterblichkeit unter 1 Prozent) sind besonders alte Menschen und immungeschwächte Personen betroffen.

Welchse Symptome verursacht eine Infektion?

Häufige Anzeichen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sind u. a. Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. In schwereren Fällen kann die Infektion eine Lungenentzündung, ein schweres akutes Atemwegssyndrom, Nierenversagen und sogar den Tod verursachen. Es gibt auch milde Verlaufsformen (Symptome einer Erkältung) und laut AGES Infektionen komplett ohne Symptome.

Was bedeutet Covid-19?

"Covid-19" steht für Corona virus disease 2019, und bezeichnet die Erkrankung, die durch das neue Coronavirus ausgelöst wird. Dieses Virus selbst wird jetzt SARS-CoV-2 genannt, vormals "neuartiges Coronavirus". Umgangssprachlich wird aber weiter die Bezeichnung "neues" oder "neuartiges" Coronavirus verwendet. Es ist das siebente Virus aus der Familie der Coronaviren, die beim Menschen Erkrankungen auslösen können (neben SARS, MERS und vier harmlosen Erregern von grippalen Infekten).

Wie viele Menschen kann ein Infizierter anstecken?

Die Weltgesundheitsorganisation geht von einer Ansteckungsrate ("Reproduktionsrate") zwischen 1,4 und 2,5 Personen aus. Allerdings gibt es auch Studien, die von einer deutlich höheren Rate - bis zu 3,28 Neuansteckungen pro einem Infizierten - ausgehen. Das wäre dann auch höher als bei einer durchschnittlichen Influenza-Saision. Die hohe Infektiosität hängt auch damit zusammen, dass sich das Virus - entgegen ersten Annahmen - auch im Rachen vermehren und dadurch leicht weitergegeben werden kann.

Wie lange dauert die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen?

Die meisten Experten gehen von einem Zeitraum zwischen zwei und 14 Tagen aus. Allerdings gibt es auch Hinweise, dass sie bei manchen Patienten auch deutlich länger dauern kann - möglicherweise bis zu 27 Tage. Und dass auch Menschen in der Inkubationszeit bereits ansteckend sein können.

Wie häufig sind schwere Krankheitsverläufe?

Chinesische Wissenschafter haben die Daten von mehr als 72.000 Infektionen in China analysiert. Demnach verliefen knapp 81 Prozent aller Erkrankungen mild, rund 14 Prozent schwer und bei 4,7 Prozent gab es im Zuge des Krankheitsverlaufs auch lebensgefährliche Situationen. Von schweren Krankheitsverläufen am stärksten betroffen sind Mensche mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronischen Atemwegserkrankungen und Bluthochdruck. Bei Kindern bis neue Jahre gab es bisher keine Todesfälle. In China versterben laut bisherigen Angaben zwei von 100 Infizierten, bei der jährlichen Influenza ist es weniger als einer von 100 Erkrankten. Männer dürften ein höheres Sterberisiko als Frauen haben.

Welche Hygienemaßnahmen sind am Wichtigsten?

Eine gute Händehygiene (mehrfach täglich die Hände mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife waschen, siehe auch unten), korrekte Hustenetikette und das Einhalten eines Mindestabstandes (ca. 1 bis 2 Meter) von krankheitsverdächtigen Personen.

Wie niest und hustet man richtig?

"Erste Wahl ist, sich ein Papiertaschentuch vor Mund und Nase zu halten und von anderen Personen wegzudrehen", sagt Infektionsspezialist Florian Thalhammer vom AKH / MedUni Wien  und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für  Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. „Die zweite Wahl ist ein Stofftaschentuch – das muss aber täglich gewechselt werden, bei einer starken Erkältung, wenn es durchfeuchtet ist, auch mehrmals täglich.“ Greift man ein feuchtes Taschentuch an, unbedingt nachher Händewaschen – um nicht die Viren auf Türschnallen, Haltegriffen oder anderen Oberflächen zu hinterlassen.  

"Grundsätzlich reichen zum Händewaschen Wasser und Seife, für unterwegs kann man ein Handdesinfektionsmittel verwenden." Mehrfach täglich die Hände mindestens 20 Sekunden lang  waschen kann die Erregerzahl so stark reduzieren, dass es zu keiner Erkrankung kommt, wenn man mit seinen Fingern etwa Mund- oder Nasenschleimhaut berührt.

Ist kein Taschentuch verfügbar, ist der Ellbogen erst die drittbeste Möglichkeit, zumindest einen Teil der Tröpfchen zu stoppen: "In der Kleidung können Viren zwar einige Stunden überleben – andererseits greift ja in der Regel niemand Fremder in meine Ellenbeuge hinein und infiziert sich dort."

Am unhygienischsten ist es, freiheraus kraftvoll in die Umgebung zu niesen oder husten: "Damit verteile ich die Viren über mehrere Meter." Und da nützt auch Wegdrehen von anderen nichts: „In einem geschlossenen Raum reicht das ohne Taschentuch nicht aus, um das Infektionsrisiko deutlich zu senken.“ Wobei Thalhammer auch betont: "Perfekt ist keine Methode."

Ist das Tragen eines Mundschutzes für gesunde Menschen im Alltag sinnvoll?

Es gebe keine "hinreichende Evidenz" dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert, heißt es beim deutschen Robert-Koch-Institut. Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können.

Sinnvoll ist das Tragen einer einfachen chirurgischen Schutzmaske in der Öffentlichkeit für an einer Atemwegsinfektion erkrankte Personen.Für eine optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sind  und eng anliegend getragen wird. Bei Durchfeuchtung muss er gewechselt werden, weil die Maske dadurch durchlässig wird. Infektionsspezialist Florian Thalhammer: "Mit einer einfachen Gesichtsmaske über Mund und Nase schütze ich – wenn ich selbst erkrankt bin – die anderen vor meinen Atemwegströpfchen, aber mich schützen sie nicht optimal, weil sie nicht luftdicht abschließen und Viren und Bakterien deshalb durchlassen."

Schützt die Influenzaimpfung auch vor dem neuen Coronavirus?

Nach allen derzeitigen Daten: Nein. Allerdings reduzieren sie die Belastung der Gesundheitssysteme: Je mehr Menschen gegen Influenza geimpft sind, desto weniger müssen wegen der jährlichen Grippe auch ins Spital - und umso mehr Kapazitäten gibt es im Falle des Auftretens von Coronavirus-Fällen in Österreich für diese Patienten.