Corona-Station bei den Barmherzigen Schwestern in Wien: Die Patientenzahlen in den Spitälern steigen nach wie vor.

© Kurier/Gilbert Novy

Wissen Gesundheit
11/17/2020

Corona-Zahlen: Gibt es schon eine Trendwende? Klarheit am Donnerstag

Auch wenn die Daten der vergangenen Tage einen leichten Rückgang der Neuinfektionen gezeigt haben, bleiben Experten vorsichtig: Er könnte auch mit verzögerten Meldungen zu tun haben.

von Kevin Kada, Ernst Mauritz

Für eine eindeutige Aussage ist es noch zu früh – vor allem weil wir wissen, dass es mit dem elektronischen Meldesystem (EMS) über das Wochenende Probleme gegeben hat und es vielleicht noch Nachmeldungen gibt.“ Das sagt der Statistiker Erich Neuwirth zur aktuellen Datenlage.

Samstag, Sonntag und Montag habe es zwar „gut ausgeschaut“ – da war die Zahl der positiven Fälle im Vergleich zum gleichen Wochentag eine Woche zwischen 4 und 21 Prozent niedriger: „Wir wissen aber noch nicht, ob es tatsächlich weniger Fälle waren, oder ob es sich um einen Meldeeffekt gehandelt hat. Dienstagfrüh gab es aber schon wieder einen leichten Anstieg um drei Prozent im Vergleich zu Dienstagfrüh der Vorwoche.“

Laut den Zahlen des Innenministeriums zeigt sich im Vergleich der beiden Dienstage ein leichter Rückgang von 136 Neuinfektionen. Allerdings bei einem immer noch hohen Niveau von fast 6.000 Neuinfektionen pro Tag. Deshalb müsse man auch den Rückgang der 7-Tage-Inzidenz noch mit Vorsicht betrachten: „Erst wenn der Trend bis Donnerstag anhält, würde ich sagen, es zeigt sich eine Verbesserung“, so Neuwirth.

Ähnlich sieht auch Stefan Thurner vom Complexity Science Hub (CSH): „Wir müssen noch ein bisschen zuwarten, um eine Trendwende erkennen zu können.“

Unterdessen warnen deutsche Politiker und Medien vor den „sehr hohen Werten“ in Österreich. In einer Grafik auf Twitter hat Neuwirth zwei Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland aufgezeigt: Deutschland hat im August und September pro 100.000 Einwohner deutlich mehr getestet als Österreich, danach waren es in Österreich gleich viele oder sogar mehr Tests als in Deutschland. In Österreich sind aktuell 20 Prozent aller Tests positiv, in Deutschland knapp zehn. „Deutschland hat im Vergleich zu Österreich bei einem viel niedrigeren Stand an Neuinfektionen Maßnahmen gesetzt“, erklärt Neuwirth. „Sie haben früher die Bremse gezogen.“

Die gezogene Bremse in Österreich wartet auf eine Lockerung. Dafür müssen die Zahlen, vor allem auf den Intensivstationen nach unten gehen. Denn dort steigt sie bisher weiter an (siehe Grafik).

Grundlage

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Genau hier holt die Bundesregierung ein Problem ein, welches sie bereits seit dem Frühjahr verfolgt. Durch die teils fehlerhafte Aufbereitung der Corona-Daten können Effekte des Lockdowns für Außenstehende spät oder gar nicht erkannt werden. Die Folge ist Unverständnis für die Maßnahmen.

Just in der Vorwoche sorgten technische Probleme des EMS dafür, dass mehrere Tage keine Daten publiziert wurden. Das hat wohl auch damit zu tun, dass das EMS für solch eine Pandemie nicht ausgelegt ist, wie eine Aussage des Wiener Gesundheitsstadtrates Peter Hacker (SPÖ) untermauert: „Wir haben eine schriftliche Stellungnahme vom Chef der AGES, dass die Datenbank eigentlich ausgelegt ist, um 7.000 Salmonellenfälle im Jahr zu dokumentieren. Und mit dem Ding wollen wir eine Covid-Pandemie dokumentieren. Das kann nicht funktionieren.“

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Auf Anfrage des KURIER nimmt die AGES zu dieser Aussage Stellung: „Mit dem EMS hat Österreich eine der europaweit modernsten Datenbanken, die für die epidemiologische Überwachung herangezogen wird.“ Seit Samstag scheint das EMS aber wieder zu funktionieren, wie auch die AGES bestätigt.

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