Pregnant woman holds hands on belly at home interiors.

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Wissen Gesundheit
12/10/2021

Corona-Impfpflicht: Warum Schwangere davon ausgenommen sind

Die Immunisierung wird zwar empfohlen, ist für Schwangere aber formal nicht zugelassen.

von Marlene Patsalidis

Erst vor Kurzem starb in Wien eine junge Schwangere an den Folgen eines schweren Covid-19-Verlaufs. Ihr Baby überlebte. Auch in Berlin erlag eine schwangere Frau ihren schweren Organschäden. Besonders tragisch: Ihr Kind kam viel zu früh auf der Intensivstation zur Welt – und verstarb wenig später ebenfalls.

Die nüchterne Datenlage zeigt inzwischen eindeutig: Covid-19 bringt bei Schwangeren stark erhöhte Risiken für Mutter und Kind mit sich. Umso überraschender erscheint es, dass werdende Mütter laut dem Gesetzesentwurf der Regierung von der Corona-Impfpflicht ausgenommen sein sollen.

Frage der Zulassung

Grund dafür ist, dass die entwickelten Corona-Impfstoffe für Schwangere formal nicht zugelassen sind, sondern im Rahmen eines Off-Label-Use verabreicht werden, heißt es vonseiten der Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) auf KURIER-Anfrage. Aufgrund dessen "kann die Impfung nicht verpflichtend gemacht werden".

Generell kommt es häufig vor, dass Schwangere umfassend geprüfte Vakzine und Medikamente ohne Zulassung bekommen. Das liegt daran, dass sie im Rahmen von Zulassungsstudien nicht extra untersucht werden.

Abgeschlossene Zulassungsstudien mit schwangeren Frauen gibt es derzeit nicht. Vonseiten der Impfstoff-Hersteller gibt es aber Bestrebungen dahingehend. "Das eine ist die Empfehlung, das andere die Verpflichtung, die der Gesetzgeber nicht aussprechen kann, solange formal noch keine Zulassung vorliegt", betont der Gynäkologe Andreas Obruca, Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien.

Hohes Risiko

Die Gefahr, an Corona zu sterben, ist laut Studien für schwangere Frauen 26-mal so hoch wie für nicht-schwangere Frauen gleichen Alters. Im Falle einer Ansteckung in der Spätschwangerschaft steigt auch die Frühgeburtenrate an. Bei schweren Verläufen stellt sich ab der 35. oder 36. Schwangerschaftswoche außerdem die Frage, ob es nicht besser für Mutter und Kind ist, die Schwangerschaft frühzeitig per Kaiserschnitt zu beenden.

Das Nationale Impfgremium (NIG) wie auch die OEGGG sprechen sich deshalb seit geraumer Zeit für eine Impfung Schwangerer mit einem mRNA-Impfstoff aus. "Es gibt genügend Daten, die die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfungen bei Schwangeren belegen", sagt Obruca.

Allein in den USA seien bereits mehr als 100.000 Schwangere geimpft und nachverfolgt worden. Mit Einführung des Impfprogramms wurde in den USA ein Impfsicherheitsregister "V-Safe" eingeführt, in dem seither auch Daten zur Anwendung in der Schwangerschaft eingespeist werden. Im Rahmen dieser Datensammlung zeigten sich keinerlei spezifische Risiken für Schwangere, für die fetale Entwicklung und für Neugeborene.

Während der Stillzeit spricht ebenfalls nichts gegen eine Corona-Impfung, heißt es vonseiten der OEGGG und dem Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs (VSLÖ). Laut neuesten Studien werden schützende Antikörper auch über die Muttermilch an das Neugeborene weitergegeben. Zudem existieren keinerlei Hinweise für potenziell negative Auswirkungen.

Obruca rät auch Paaren, die sich ein Kind wünschen, "unbedingt dazu, sich impfen zu lassen".

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