Statt Wasser schlürfen diverse Instagrammer nur mehr Melonenwasser.

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Wissen Gesundheit
02/19/2020

Bizarrer #nowater-Trend: Warum Influencer jetzt dem Wasser abschwören

Der bewusste Verzicht auf H2O mutiert aktuell zum zweifelhaften Wellnesstrend auf Social Media.

von Marlene Patsalidis

Krug auf dem Büroschreibtisch, Erinnerung am Smartphone, Klebenotiz am PC-Monitor: Täglich genügend Wasser zu trinken, fällt vielen alles andere als leicht. Die "gute" Nachricht: Wassertrinken scheint ohnehin out zu sein. Zumindest propagieren das derzeit eine Handvoll Wellnessblogger auf Social Media.

Wie der britische Ableger des Lifestylemagazins Vice kürzlich berichtete, wird der Verzicht auf Wasser von Influencern auf Instagram gepriesen. Statt Flüssigkeit zu trinken, ziehen es besagte Blogger vor, Wasser zu "essen" – in Form von püriertem Obst und Gemüse.

H2O-Abkehr

"Ich glaube, dass man sich nicht mit Wasser hydriert – Wasser spült den Körper nur", wird Influencerin Alise Miksta, die ihren Wasserverzicht seit rund einem halben Jahr im Netz kundtut, von Vice zitiert. "Wenn man also Rohkost und Obst isst, braucht man in Wahrheit kein Wasser." Auf dem sozialen Netzwerk zeigt sich die 30-Jährige mit literweise Wassermelonensaft: "Wassermelone besteht zu 90 Prozent aus Wasser und das ist mein Lieblingswasser", schreibt die gebürtige Lettin, die derzeit in Dubai lebt, dort. Vor fünf Jahren sei sie bei einem Aufenthalt in einem indischen Ashram zur H2O-Abkehr inspiriert worden. Mittlerweile hat sie ihren Wasserkonsum fast gänzlich eingestellt.

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Miksta ist nicht die einzige, die dem No-Water-Trend folgt. Sophie Prana, eine 35-jährige Yogalehrerin und Influencerin, behauptet gegenüber Vice ihrerseits, sie habe seit über einem Jahr keinen Tropfen Wasser getrunken. Sie lebe von "lebendigem Wasser", etwa Melonensaft und Kokosnusswasser; Trinkwasser sei ohnehin Betrug der "Wasserindustrie". "Es ist das Beste, was ich je in meinem Leben getan habe", sagt Prana, die derzeit in Thailand lebt.

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Nachahmer in Gefahr

Der Gesundheit tut man damit nichts Gutes, weiß Ursula Pabst vom Wiener Ernährungsinstitut Resize: "Ich halte solche Trends für gefährlich, vor allem dann, wenn junge Menschen unreflektiert ihren Idolen folgen. Die konkrete Gefahr sehe ich darin, dass man sich einerseits abgewöhnt, regelmäßig zu trinken. Es pauschal zu empfehlen, halte ich für sehr bedenklich."

"Wenn man zu wenig Flüssigkeit über reines Wasser zuführt, können Symptome wie Müdigkeit, Schwindel, Kreislaufprobleme, Unkonzentriertheit, trockene Haut, Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen auftreten", ergänzt Ernährungswissenschafterin Verena Wartmann (www.snitex.at). Derartige Beschwerden seien schon bei einem Wasserdefizit um die drei Prozent deutlich wahrnehmbar. "Die große Bedeutung von Wasser für den menschlichen Organismus wird umgehend klar, wenn man sich bewusst macht, dass Wasser mehr als die Hälfte unseres Körperanteils, also etwa 75 Prozent, ausmacht", sagt Wartmann.

Viel Fruchtzucker

Generell ist es Pabst zufolge durchaus möglich, einen guten Anteil Flüssigkeit über wasserreiches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Mit einer herkömmlichen, ausgewogenen Ernährung "kommt in etwa auf einen halben bis einen Liter Wasser, wenn man von einer sehr gemüsereichen Kost ausgeht und nicht nur Smoothies trinkt". Von einer Flüssigkeitsaufnahme über große Mengen Obst oder Fruchtsäfte rät die Expertin aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts ab.

"Obst und Gemüse mit hohem Wassergehalt dürfen bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Mischkost Bestandteil der täglichen Ernährung sein. Sie haben den positiven Nutzen, dass sie einerseits Mikronährstoffe liefern, und zusätzlich den Magen füllen – bei sehr wenig Kalorien. Ihr Anteil in der Ernährung sollte jedoch nicht das reine Wasser ersetzen", bestätigt Wartmann. Zu wasserreichen Gemüsesorten zählen Eisbergsalat (96 Prozent), Gurken (96 Prozent), Spinat (96 Prozent), Sellerie (96 Prozent), Radieschen (95 Prozent) und Zucchini (95 Prozent). Unter wasserreiche Obstsorten fällt nur die Wassermelone.

Was Miksta und Prana gemeinsam haben: Sie ernähren sich beide fast ausschließlich von veganer Rohkost. Ein nicht unwesentlicher Faktor, wie Pabst schildert: "Rohköstler beispielsweise schaffen es tatsächlich, den Flüssigkeitsbedarf quasi allein über Gemüse und Obst abzudecken. Die meisten der Bewunderer von solchen Influencerinnen zählen sich vermutlich aber nicht zur Rohkost-Bewegung."

"Nicht nachvollziehbar"

Das Argument der #nowater-Verfechterinnen, der Wasserverzicht sei eine umweltfreundliche Maßnahme und Protest gegen die Wasserindustrie, kann Pabst nicht nachvollziehen: "Gerade in Österreich können wir uns glücklich schätzen, sehr gutes Trinkwasser aus der Leitung beziehen zu können. Hier ist es nicht notwendig, die von manchen Influencern zitierte 'Wasserindustrie' zu sponsern."

Auch aus ökologischer Sicht seien die Argumente nicht nachvollziehbar, "denn statt zu Wasser greifen sie unter anderem zu Kokosnusswasser". "Und das wird bekanntlich nicht ums Eck produziert. Genauso Wassermelonen, die saisonal bedingt bei uns im Winter schwer erhältlich sind."

Empfehlungen

Wartmann rät, täglich mindestens eineinhalb bis zwei Liter reines Wasser zu trinken. "Reines Wasser kann schnell resorbiert werden. Es passiert den Magen und geht direkt in den Dünndarm. Das Wasser ist in unseren Körpern aber nicht einfach so eingelagert, sondern übernimmt zahlreiche, für das Überleben wichtige Funktionen. Über unser Blut sorgt es etwa für den Transport von Nährstoffen und Sauerstoff zu unseren Zellen. Und um Giftstoffe wieder loszuwerden, brauchen wir ebenfalls Wasser, um diese über die Nieren ausscheiden zu können. Dabei übernimmt das Wasser die Aufgabe eines Lösungsmittels. Wenn man zu wenig trinkt, kann diese Aufgabe nicht gut erfüllt werden."

Ernährungsexpertin Pabst empfiehlt, Wasser und ungesüßte Tees zu sich zu nehmen. "Wer Smoothies und Fruchtsäfte mag, darf auch diese im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung konsumieren, allerdings sollte man pro Tag nicht mehr als ein bis zwei Gläser genießen. Bei Gemüse sehe ich das etwas liberaler. Außerdem sehe ich es selten, dass jemand versehentlich zu viel Gemüse zu sich nimmt."

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