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Wissen Gesundheit
12/22/2021

Kommt bald ein Impfstoff gegen alle Covid-Varianten von der US-Armee?

Woran Forscher im Auftrag der US-Regierung arbeiten und wie die ersten Ergebnisse zu dem Vakzin ausfielen.

von Elisabeth Gerstendorfer

In wenigen Wochen wollen Forscher des Walter Reed Army Institute of Research bekannt geben, dass sie einen Impfstoff entwickelt haben, der gegen alle Covid-19-Varianten wirksam ist. Auch gegen die neue Variante Omikron sowie frühere SARS-Viren soll er wirksam sein. Dies wird als Pan-Coronavirus-Impfstoff bezeichnet.

Bisher gibt es nur Impfstoffe, die auf eine, nämlich die Ursprungsvariante abzielen. Variantenspezifische Impfstoffe sind laut Herstellern möglich, aber bisher noch nicht auf dem Markt. Seit dem Bekanntwerden der Omikron-Variante arbeiten jedoch alle Unternehmen daran, einen spezifischen Impfstoff zu entwickeln. Der Impfstoff der US-Armee wäre der erste, der gegen mehrere Varianten gleichzeitig gleich gut wirkt.

Seit zwei Jahren entwickelt

Das Labor der US-Armee arbeitet laut einem Bericht der Nachrichtenplattform Defense One seit knapp zwei Jahren an dem Vakzin. Anfang 2020 erhielt es die erste DNA-Sequenzierung des Covid-19-Erregers. Ziel sei schon früh gewesen, einen Impfstoff zu entwickeln, der sich nicht nur gegen den bestehenden Stamm richtet, sondern gegen all seine potenziellen Varianten.

Der Spike Ferritin Nanoparticle Covid-19-Impfstoff, kurz SpFN, wurde Anfang 2021 erstmals in Tierversuchen getestet. Diese Tests verliefen laut Angaben des Forschungsinstitus erfolgreich. Phase 1 der Humanstudien, in denen der Impfstoff bereits gegen Omikron und andere Varianten getestet wurde, sei dieses Monat erneut mit positiven Ergebnissen abgeschlossen werden, sagte Kayvon Modjarrad, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten von Walter Reed in einem Exklusiv-Interview mit Defense One.

Anderer Aufbau

Anders als bei bestehenden Impfstoffen baut SpFN auf ein fußballförmiges Protein mit 24 Feldern für seinen Impfstoff, das es Wissenschaftern ermöglicht, die Spitzen mehrerer Coronavirus-Stämme auf verschiedenen Seiten des Proteins anzubringen. So wird das Immunsystem mit mehreren Varianten gleichzeitig konfrontiert.

"Für unser gesamtes Team und mich, auch für die gesamte Armee, ist es sehr aufregend, an diesen Punkt zu kommen", sagte Modjarrad. Die Humanstudien dauerten länger als erwartet, so Modjarrad, da der Impfstoff an Teilnehmern getestet werden musste, die weder geimpft noch genesen waren. Steigende Impfraten und die rasche Verbreitung der Delta- und Omikron-Varianten machten dies schwierig.

 "Mit Omikron gibt es keine Möglichkeit, diesem Virus wirklich zu entkommen. Sie werden es nicht vermeiden können. Ich denke also, dass ziemlich bald entweder die ganze Welt geimpft sein wird oder sich infiziert hat", meinte Modjarrad.

Phase 2 und Phase 3 ausständig

In einem nächsten Schritt soll untersucht werden, wie gut der neue Pan-Coronavirus-Impfstoff bei Personen wirkt, die zuvor geimpft oder erkrankt waren. "Wir müssen dies in der realen Welt evaluieren und versuchen zu verstehen, wie der Impfstoff bei einer viel größeren Anzahl von Personen funktioniert, die anfangs bereits mit etwas anderem geimpft wurden oder bereits krank waren", sagte Modjarrad und fügte hinzu, dass der neue Impfstoff noch Phase-2- und Phase-3-Studien durchlaufen müsse.

Fast alle 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts seien an der fast zweijährigen Entwicklung des Impfstoffs beteiligt gewesen. "Wir haben uns entschieden, auf lange Sicht zu arbeiten, anstatt uns nur auf das ursprüngliche Auftreten von SARS zu konzentrieren, und stattdessen zu verstehen, dass Viren mutieren. Es werden Varianten auftauchen, zukünftige Viren, die in Bezug auf neue Arten auftreten können. Unsere Plattform und unser Ansatz werden die Menschen in die Lage versetzen, darauf vorbereitet zu sein."

US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding schrieb auf Twitter, dass es noch ein paar Monate dauern werde, bis mehr über die Wirksamkeit des Impfstoffs bekannt sei. "Aber Antikörper- und Neutralisationsstudien könnten vielleicht schon im Frühling stattfinden. Auch der 'Nanopartikel'-Name könnte verbessert werden", kommentierte Feigl-Ding.

Da der Impfstoff von der US Armee entwickelt wurde, ist er im Eigentum der US-Regierung. Lizenzprobleme seien daher ausgeschlossen, so Feigl-Ding weiter. Der Experte zeigte sich auf Twitter begeistert über die Bekanntgabe. Die Labors des Forschungsinstituts seien "unter den besten".

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