Kurzatmigkeit kann ein Anzeichen von Covid-19 sein. Atemnot kann jedoch auch bei einer Panikattacke auftreten.

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Wissen Gesundheit
04/01/2020

Atemnot: Wie erkennt man den Unterschied zwischen Panikattacke und Corona?

Die Frage scheint immer mehr Menschen zu beschäftigen, wie Postings in sozialen Netzwerken zeigen.

Schätzungen von Expertinnen und Experten zufolge leiden in Österreich 16 Prozent der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Angsterkrankung.

Damit einhergehen können Panikattacken: Dabei kann es über den Zeitraum von einigen Minuten unter anderem zu Atemnot, Hitzewallungen oder Kälteschauern, Erstickungsgefühlen sowie Engegefühlen im Hals kommen. Weitere mögliche Begleiterscheinungen sind Benommenheit, Übelkeit und Herzrasen.

Erstgenannte Beschwerden ähneln mitunter durch das Coronavirus ausgelösten Symptomen. Aktuell plagen viele Menschen zudem Gefühle von Ungewissheit, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit – das kann Psychologinnen und Psychologen zufolge bestehende Ängste verstärken und innere Unruhe befeuern.

Panik oder Corona?

Das scheint bei Betroffenen immer öfter die Frage aufkeimen zu lassen, woran man erkennen kann, ob man gerade eine Panikattacke erlebt oder Symptome von Covid-19, wie die durch das neuartige Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit genannt wird. So mehren sich etwa auf Twitter derzeit entsprechende Tweets dazu:

Bevor man versucht, die Enge in der Brust oder Atembeschwerden zuzuordnen, sollte man sich zwei Fragen stellen, rät Greta Hirsch, Psychologin und klinische Leiterin des New Yorker Therapiezentrums The Ross Center, im Interview mit The Cut.

  • Besteht eine Vorgeschichte mit Angstzuständen und damit verbundenen Symptomen?
  • Treten die Beschwerden beim Konsum von Nachrichten über das Coronavirus auf?

Könne man diese beiden Fragen mit "ja" beantworten, sei das zumindest ein Indikator dafür, dass die Beschwerden mit Angstgefühlen in Zusammenhang stehen könnten.

Hirsch mahnt dazu, nicht jedes Angstgefühl zu pathologisieren. Angesichts der Virus-Pandemie sei zu erwarten, dass Menschen sich sorgen: "Derzeit ist es sogar sinnvoll, sich Sorgen zu machen, das tun wir alle", sagt Hirsch.

"Das ist eine adaptive Antwort. Aber geraten Sie auch in Panik? Fällt es Ihnen schwer, sich auf andere Dinge zu konzentrieren? Überprüfen Sie ständig die Nachrichten, um zu erfahren, wie die Erkrankungszahlen lauten?"

Wenn derartige Gedanken Überhand nehmen und den Alltag bestimmen, nimmt die Furcht ein übersteigertes Ausmaß an. Man spricht von einer Angsterkrankung.

Außer Atem

Doch woher kommen die Atembeschwerden, die in diesem Kontext auftreten? Beth Salcedo, Psychiaterin und medizinische Direktorin des The Ross Center, zufolge sei zum einen denkbar, dass Angstgefühle sich in Atemnot äußern, weil in den Medien derzeit viel davon die Rede ist. "Menschen sind beeinflussbar, und je ängstlicher wir sind, desto beeinflussbarer werden wir", sagt sie.

Kurzatmigkeit hänge aber auch damit zusammen, wie ängstliche Menschen atmen, sagt Salcedo. "Menschen, die Angst haben, neigen dazu, etwas zu schnell und etwas zu flach zu atmen. Sie atmen dann zu viel CO2 ab, wodurch ihnen schwindelig wird und sich ihre Brust eng anfühlt. Dann beginnen sie nach Luft zu schnappen", erklärt sie.

Indem man langsam durch die Nase einatmet, die Luft für fünf Sekunden anhält und dann genauso langsam durch gespitzte Lippen ausatmet, normalisiert sich der CO2-Spiegel im Blut – die Symptome verschwinden.

Hilfe suchen

Eine unbehandelte Angststörung kann sich aber auch verselbstständigen. Es kommt zur Angst vor der Angst (Erwartungsangst), angstauslösende Orte und Situationen werden infolge vermieden. Bemerkt man Angstgefühle bei sich im überbordendem Maß, sollte man sich deshalb Hilfe holen.

Wo sie Hilfe finden, lesen Sie in der angehängten Infobox. Sollten Sie weitere für das neuartige Coronavirus typische Symptome (etwa Fieber, trockener Husten, Halsschmerzen, Gelenksschmerzen, Kopfweh) an sich bemerken, wenden Sie sich an die Gesundheitsnummer 1450.

Beratungsservice des Berufsverbandes Österreichischer Psychologen

Der Berufsverband hilft rasch und kompetent unter 01/504 8000

Erstberatung der Vereinigung Österreichischer Psychotherapeuten

Terminvereinbarung unter www.voepp.at/schnelle-hilfe

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge steht unter 142 rund um die Uhr als vertraulicher Notrufdienst zur Verfügung

Rat auf Draht

Auch Rat auf Draht ist unter 147 rund um die Uhr erreichbar

Frauenhelpline

Unter der Telefonnummer 0800222555 finden von Gewalt betroffene Frauen Hilfe