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Wissen Gesundheit
06/04/2020

Atemmasken: Warum Beklemmungen meist psychologische Gründe haben

Die Angst vor zu wenig Sauerstoff ist unbegründet, erklärt Experte Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Uni Wien.

von Ingrid Teufl

Auch mit dem Ende der Maskenpflicht am 15. Juni muss man in Öffis, Apotheken, Spitälern und in vielen Berufen weiterhin Mund und Nase bedecken. Trotz einer gewissen Barriere, durch die man atmet, sind keine gesundheitsschädigenden Auswirkungen zu befürchten, betont Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Epidemiologie an der MedUni Wien. „Die Sauerstoffversorgung ist mit Mund-Nasen-Schutz (MNS) ausreichend.“

Werden Gehirn und Organe ausreichend mit Sauerstoff versorgt?

„MNS sind normalerweise so gestaltet, dass sie die Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen“, sagt Hutter. Siehe Chirurgen und OP-Mitarbeiter: „Sie tragen oft stundenlang Masken und müssen hoch konzentriert sein. Es gäbe schwere Fehler, wenn die Sauerstoffversorgung nicht gewährleistet wäre.“

Wie viel Sauerstoff braucht ein Mensch?

Das benötigte Volumen ist von Größe und Art der Aktivität abhängig, dadurch schwankt der Bedarf. Ein Erwachsener in Ruhe benötigt etwa rund zehn Liter Atemluft pro Minute, darin sollten 0,5 Liter Sauerstoff enthalten sein. „Bei schwerster körperlicher Arbeit braucht man ab drei Liter Sauerstoff aufwärts pro Minute. Das sind enorme Mengen an Atemluft, in Summe bis zu 80 Liter pro Minute.“

Kann es zu Beklemmungen kommen?

Wissenschaftliche Belege gibt es nicht. Für Hutter ist es aber psychologisch nachvollziehbar. „Wir kennen das etwa von CT-Untersuchungen.“ Bei Menschen mit Atemwegserkrankungen sei die Reaktion aber nicht nur psychologisch, sondern auch physiologisch. Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen wie COPD oder Asthma sind ausgenommen von der Maskenpflicht. Kontraproduktiv könnte eine Maske auch für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein, da auch sie ein geringeres Atemvolumen haben. Bei Allergikern könnte eine Maske sogar ein Eindringen der Pollen reduzieren.

Steigt mit Maske der Kohlendioxid-Anteil im Blut, weil das Gas nicht abgeatmet werden kann?

„Atemluft mit Kohlendioxid kann links und rechts, aber auch an der Oberseite der Maske entweichen“, erklärt Hygieniker Hutter.  Die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von CO2, das in den Körperzellen als Abfallprodukt von Stoffwechselvorgängen entsteht, sind die Hauptfunktionen des Atemsystems: So wie Sauerstoff eingeatmet wird, wird  Kohlendioxid ebenfalls über die Atemwege wieder ausgeschieden.

Dass vermehrt Kohlendioxid eingeatmet wird, kann allerdings für Brauerei- oder Siloarbeiten gefährlich werden. Dort ist die Gefahr groß, dass das geruchlose Gas in großen Mengen entsteht. Das kann tödlich sein. Zuviel Kohlendioxid im Körper nennt man medizinisch Hyperkapnie. Das kann auch bei bestimmten Erkrankungen vorkommen, bei denen das CO2 nicht ausreichend abgeatmet werden kann - es kommt zu einer Übersäuerung des Blutes.

„Bei einer Hyperkapnie gelangt Kohlendioxid ins Blut, verursacht Schwindel und wirkt auf das Herz-Kreislauf-System ein.“ Daher sind Masken etwa beim Laufen nicht induziert, „weil da die Atemfrequenz höher ist. Im Supermarkt ist eine Hyperkapnie praktisch unmöglich. Sonst würde ja auch ein Chirurg im OP unter ständiger Dauerübersäuerung seines Blutes stehen.“

Welche Masken sind besser geeignet?

„Das Tragen einer Maske hilft nachweislich, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren.“ Konkret: Unwissentlich Infizierte schützen ihre Mitmenschen. Die medizinischen MNS (z. B. OP-Masken) sind als Medizinprodukte geprüft. Normaler MNS zum privaten Gebrauch dient als mechanische Barriere. Neben der infektiologischen Sicht spielt für Hutter auch die gesellschaftliche eine Rolle. „Wir haben keine Maskentradition.“ Wenn also ein augenzwinkerndes oder modisches Statement auf einer Stoffmaske zur Akzeptanz beitrage, findet er sie „sehr ok“.

Wie funktioniert die beste Masken-Hygiene? 

Wie bei allem im Medizinbereich gibt es auch für Mund-Nasenschutz-Masken (MNS) die optimale Handhabe. Gleich vorweg: Die Maske nach dem Supermarkteinkauf in die Hosen- oder Jackentasche zu stopfen, gehört nicht dazu. Auch nicht, sie unters Kinn zu spannen, wenn man sie gerade nicht braucht. „Es heißt ja Mund-Nasen-Schutz und nicht Kinnschutz. Oder nur Mundschutz“, sagt Hans-Peter Hutter, Hygieniker und Epidemiologe an der MedUni Wien. 

Was die Tragedauer anbelangt, ist die Durchfeuchtung das Maß aller Dinge. Diese hängt von der jeweiligen Tätigkeit ab. Nach maximal drei oder vier Stunden sollte man den MNS aber gegen einen trockenen – und sauberen – tauschen, rät das Gesundheitsministerium. Die benutzte Maske im Restmüll entsorgen (nicht einfach auf den Boden werfen). Stoffmasken wäscht man sobald wie möglich nach dem Gebrauch bei mindestens 60 Grad. Das tötet etwaige Viren sicher ab