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Wissen Gesundheit
04/08/2021

Andere Länder, andere Regeln: Verwirrung um Astra Zeneca

Es gibt keinen Beweis für spezifische Risikofaktoren, wie das Alter oder das Geschlecht, betont die europäische Arzneimittelbehörde.

von Theresa Bittermann

Es ist eine Diskussion, in der die Gewichtung nicht mehr stimmt – das hört man aus den Statements österreichischer Experten heraus, wenn es um Astra Zeneca geht. Schon bisherige Umfragen zeigen, das Vertrauen in den Impfstoff ist angeknackst. Die vielen unterschiedlichen Regelungen unterschiedlicher Länder sorgen jetzt für zusätzliche Verwirrung. Während Großbritannien unter 30-Jährige nicht mehr mit Astra Zeneca impft, setzt man in Deutschland die Schranke weiter oben und will allen unter 60-Jährigen nur noch Alternativen anbieten. Auch weitere Länder schränken den Altersbereich unter eigenen Vorgaben ein.

In Österreich hingegen kann der Impfstoff weiterhin uneingeschränkt in allen Altersgruppen eingesetzt werden – so wie es die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) auch empfohlen hat. Was ist nun der richtige Weg?

„Dafür, den Impfstoff nur noch einer bestimmten Gruppe anzubieten, gibt es keine ausreichende Evidenz. Und echtes Vertrauen kann nur auf wissenschaftlicher Evidenz basieren. Wir sehen zwar, dass die Fälle bis jetzt überwiegend bei Jüngeren aufgetreten sind, dafür kann es aber viele Gründe – wie die bisherigen Impfstrategien – geben“, betont Markus Zeitlinger, klinischer Pharmakologe der MedUni Wien.

Keine spezifischen Risikofaktoren

Auch von der EMA heißt es ausdrücklich: Bisher konnten keine spezifischen Risikofaktoren für jene seltene Form der Thrombose festgestellt werden – weder durch Alter, Geschlecht oder die bisherige Krankheitsgeschichte. „Und man sieht auch an den vielen unterschiedlichen Grenzen, die einzelne Länder hier festlegen, dass es keine klaren Anhaltspunkte gibt“, Zeitlinger. „Einzelne Länder beugen sich wohl dem Druck der Politik und der öffentlichen Meinung“, sagt Herwig Kollaritsch aus dem nationalen Impfgremium (NIG).

Das NIG betont, die Nutzen-Risiko-Rechnung beim uneingeschränkten Einsatz von AZ fällt nicht nur für die Gesamtbevölkerung, sondern auch für jedes Individuum – egal wie alt und egal welchen Geschlechts – weiterhin positiv aus. „Wir haben momentan auch 20-Jährige mit Covid-19 bei uns im Haus auf der Intensivstation“, so Zeitlinger aus dem Wiener AKH.

Auch wenn Österreich momentan keine Einschränkung empfiehlt, dürfte das wohl in der Umsetzung wenig Unterschied machen, denn: „Die Priorisierungsabfolge sagt ganz klar, dass jetzt Personen über 60 geimpft werden. Es entsteht also gar nicht die Notwendigkeit, Jüngere jetzt mit AZ zu impfen“, Kollaritsch. Jene, die bereits erstgeimpft wurden, werden die zweite Dosis mit AZ erhalten, „da ein Impfstoffwechsel noch nicht untersucht ist.“

Lieferausfall von Astra Zeneca 

Am Donnerstag wurde auch bekannt, dass die dieswöchige Lieferung von AZ nach Österreich komplett ausfällt. Es gebe jedoch einen „Puffer“, wurde zumindest aus Wien berichtet, sodass es zu keinen Terminausfällen kommt.

Und was passiert, wenn man AZ ablehnt? „Wer aus egal welchem Grund den Impftermin nicht wahrnimmt, kann sich für einen neuen Impftermin anmelden“, antwortet dazu das Gesundheitsministerium. 

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