Bei bis zu 30.000 PCR-Tests täglich sei „nicht  mehr viel Luft nach oben“, so Labormediziner Hörmann.

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Wissen Gesundheit
11/07/2020

30.000 PCR-Tests täglich: "Nicht mehr viel Luft nach oben"

Labormediziner: "Herausfordernde Situation." Deutschland richtet seine Strategie stärker auf deutlich Kranke aus. Diskussion um Testung symptomloser Kontaktpersonen.

von Ernst Mauritz

Deutschland ändert seine Teststrategie: Angesichts begrenzter Ressourcen sollen jetzt in erster Linie Patienten mit schweren Symptomen getestet werden (z. B. Bronchitis, Lungenentzündung, Atemnot, Fieber). Bei leichten Symptomen nur z. B. Risikogruppen oder Personen in Gebieten mit erhöhter 7-Tage-Inzidenz (mehr als 35/100.000 – damit wäre ganz Österreich erfasst). Symptomfreie Personen sollen nur in Ausnahmefällen einer PCR-Testung unterzogen werden, etwa enge Kontaktpersonen bestätigter Covid-19-Fälle. Damit sollen die am Limit arbeitenden medizinischen Labore in Deutschland entlastet werden.

„Sehr gefordert“

In Österreich seien die Labore mit derzeit rund 30.000 PCR Tests täglich „sehr gefordert“, sagt Gregor Hörmann von der Österreichischen Gesellschaft für Labormedizin: „Wir können den Arbeitsaufwand noch bewältigen, aber viel Luft nach oben ist bei der derzeitigen Versorgung mit Laborbedarf nicht mehr. Natürlich stehen aktuell auch in Österreich die symptomatischen Patienten im Vordergrund.“ Eine Teststrategie müsse immer an die aktuelle epidemiologische Situation angepasst werden. Das bedeute aber, dass man dann bei deutlich sinkenden Fallzahlen auch die Screening-Programme bei Personengruppen ohne Symptome wieder intensivieren sollte, um lokale Ausbrüche früh eindämmen zu können.

Florian Thalhammer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin, hält den deutschen Ansatz „für sehr vernünftig“ – und plädiert bei seinen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen für genaue Patientenbefragungen: „Man kann etwa eine Erkältung nicht hundertprozentig von Covid-19 unterscheiden, aber mit genauerem Nachfragen – etwa nach Geschmacks- und Geruchsstörungen und anderen Symptomen – kann man schon ein wenig differenzieren. Damit könnte man auch viele Tests einsparen. Fragt ein Arzt aber nur ‚Fühlen Sie sich krank?‘, werden die Antworten des Patienten zu unpräzise sein und Covid-19-Patienten können leichter durchrutschen.“

„In Österreich werden schon derzeit laut unserer Teststrategie in erster Linie Menschen mit Symptomen getestet“, betont eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Asymptomatische Personen werden nur im Gesundheitswesen, nach einem engen Kontakt zu bestätigten Covid-19-Fällen (K1-Personen, wenn die Ressourcen reichen) und im Rahmen von Screeningprogrammen (Spitäler, Alten-, Pflegeheime, Risikobetriebe) getestet. „Andere Testungen – etwa im Tourismusbereich – sind nicht Teil der offiziellen Strategie.“

Thalhammer findet, man sollte auch die großflächige Testung der asymptomatischen K1-Kontaktpersonen überdenken: „Diese müssen ja sowieso in Quarantäne.“

Zumindest für Gesundheitspersonal will der Infektiologe auch eine Verkürzung der Quarantäne für symptomfreie und negativ getestete Kontaktpersonen von 10 auf 7 Tage diskutieren: „Dann sind drei Tage gewonnen – und wir werden in den kommenden acht Wochen jeden Mitarbeiter benötigen.“

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