Eine große Umfrage zeigt, dass Lesen am erholsamsten ist.

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Umfrage
10/31/2016

Wie man sich am besten entspannt

18.000 Menschen wurden über ihre beliebtesten Entspannungstechniken befragt. Alleinsein rangiert auf Platz 3.

von Ernst Mauritz

"Ja, ich war überrascht." So reagierte die Sozialwissenschafterin Felicity Callard von der Durham University in England, nachdem die Auswertung des "Rest Test" abgeschlossen war. Dabei handelt es sich um die weltweit größte Umfrage zum Thema Entspannung und Erholung. 18.000 Menschen aus 134 Ländern nahmen an der Online-Umfrage teil. Jede und jeder konnte jene drei Aktivitäten angeben, die für sie oder ihn am erholsamsten sind.

Jetzt ergab die Auswertung der 18.000 Datensätze: Auf Platz eins der erholsamsten Dinge rangiert "lesen", vor "in der Natur sein" und "Zeit alleine verbringen". Callard ist Direktorin der britischen Expertengruppe Hubbub – ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern und Künstlern –, das in Kooperation mit BBC Radio 4 die Umfrage durchgeführt hat.

Hirnaktivität

"Dieses Ergebnis bricht völlig mit der Vorstellung, dass Menschen, um zu entspannen, sich nur passiv Unterhaltung hineinziehen", sagte dazu die Schriftstellerin und Epidemiologin Sunetra Gupta von der University of Oxford der BBC. Dementsprechend rangiert "Fernsehen" auch nur auf Platz neun der erholsamsten Tätigkeiten. "Ruhe- und Erholungsphasen können sehr erfüllend sein, wenn dabei das Gehirn gefordert wird. Und Lesen ist nichts Passives."

Bewusst gewählt

Überraschend war aber auch, dass – bewusst gewähltes – "Alleinsein" deutlich vor "mit Freunden und Familie zusammen sein" rangierte. Selbst Menschen, die sich in der Umfrage als extrovertiert bezeichneten, stuften "Alleinsein" als deutlich erholsamer ein. Die Studienautoren betonen, dass diese Form des Für-sich-Seins aber komplett von unfreiwilliger Einsamkeit unterschieden werden muss.

Alleinsein

"Menschen sagten, dass sie sich beim Alleinsein auf ihre Gefühle fokussieren konnten, auf ihren Körper und ihre Emotionen", sagte Ben Alerson-Day, ein Psychologe der Uni of Durham und Co-Autor der Studie, zur BBC. Und es geht um ein vorübergehendes Abschalten von dem konstanten Dialog mit der Umgebung. "Wer heute Macht und Geld hat, der wohnt in großen Städten wie London in Hochhäusern weit oben", sagt Callard: "Nicht nur wegen der Aussicht, sondern wegen der Ruhe, wegen der Erholung von den vielen Geräuschen der Stadt."

Lesen Sie nach der Grafik über "Aktivitäten, bei denen sich Menschen am besten erholen", weiter

"Wir müssen diese Haltung hinterfragen, wonach jemand, der mehr Pausen und Erholungsphasen macht, als faul gilt", betont Callard. "Ruhephasen bedeuten nicht Faulsein", ergänzt Gupta. "Aber in unserer wettbewerbsgetriebenen Gesellschaft sind Pausen und Ruhephasen mit einem gewissen Stigma behaftet. Viele Menschen sind sehr stolz darauf, die ganze Zeit voll beschäftigt zu sein. Aber ich finde das ruinös. Pausen sind nichts Passives. Sie sind extrem wichtig für kreative Gedanken."

Kreativität

Deshalb sei auch die erholsame Aktivität Nummer 5 – "einfach nichts tun" – enorm wichtig: Unstrukturierte Zeit für den Geist ist einer der wichtigsten Aspekte von Pausen. "Das freie Herumschweifen der Gedanken trägt ganz enorm zur Kreativität und zum Finden ganz konkreter Lösungen – etwa im Forschungsbereich – bei."

"Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an Zeit für Erholung und dem Ausmaß an Wohlbefinden", so Callard.

Interessant: In vielen westlichen Ländern wurden Pausen und Erholungszeiten als Gegenteil von "Arbeit" eingestuft – ganz anders in Indien. Gupta, die sowohl in Indien wie auch in England gelebt hat beziehungsweise lebt: "Wir brauchen beides, beides aktiviert andere Regionen des Gehirns. Und beides ist bereichernd."

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