Coronavirus - Intensivstation der Uniklinik Aachen

© APA/dpa/Oliver Berg / Oliver Berg

Wissen
10/02/2021

Das Problem mit der Statistik der geimpften Krankenhauspatienten

Fast ein Drittel der Covid-Patienten in Österreichs Spitälern ist vollständig geimpft. Ein Zeichen für eine schwache Wirkung der Impfung? Im Gegenteil.

von Karl Oberascher

Die Meldung klingt zunächst einmal besorgniserregend. 17 Prozent der Patienten auf Österreichs Intensivstationen sind aktuell bereits doppelt geimpft, auf den Normalstationen haben sogar 31 Prozent aller Covid-Patienten einen vollständigen Impfschutz, zitierte die APA am Samstag aus einem Dokument der Ampel-Kommission. 

Woher der Anstieg kommt, sei noch nicht ganz klar. Eine Kohortenstudie zum Thema Impfdurchbrüche soll in Kürze genauere Antworten liefern, hieß es seitens der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Der Umstand, dass die Zahl der geimpften Patienten (leicht) steigt, könnte auch ein Hinweis auf nachlassende Wirksamkeit der Impfungen bei bestimmten Gruppen im Zeitverlauf sein, heißt es in dem Bericht. Außerdem gebe bereits klare Signale, wonach das Ein-Dosis-Regime deutlich weniger wirksam sei. 

Das Phänomen ist nicht neu. In Israel, wo schon früh große Impferfolge gefeiert wurden, waren Ende Juli fast 60 Prozent aller wegen einer Corona-Erkrankung hospitalisierten Patienten geimpft. 

Ist das nun ein Beweis für die schwache Wirkung der Impfung? Die impfkritische FPÖ reagierte am Samstag ja prompt auf die Meldung der APA und forderte eine Fortsetzung des kostenlosen Testangebots, als "einzige Möglichkeit, das Infektionsgeschehen in Österreich zu überwachen". 

Simple Mathematik

Dabei könnte man die Zahl auch als Erfolg der Impfkampagne werten. Dass grundsätzlich mit fortschreitender Durchimpfung der Bevölkerung auch der Anteil an Menschen mit vollständiger Immunisierung auf den Intensivstationen steigt, ist jedenfalls nicht überraschend, sondern simple Mathematik. Wären hundert Prozent der Menschen geimpft, läge auch der Anteil der Geimpften auf Intensivstationen bei hundert Prozent. 

Für Israel, wo früh große Impferfolge gefeiert wurden und die Intensivstationen dennoch stark belegt waren - auch mit bereits Geimpften - wurde das Phänomen bereits gut erforscht. 

Jeffrey Morris, Professor für Biostatistik an der Perelman School of Medicine der University of Pennsylvania sah sich die Daten genauer an. Um zu prüfen, wie gut die Geimpften in Israel tatsächlich vor Krankenhausaufenthalten wegen Covid-19 geschützt sind, berechnete Morris den Anteil der Covid-19-Krankenhausfälle unter allen vollständig Geimpften und verglich ihn mit dem Anteil der Krankenhausfälle unter den Ungeimpften ab 12 Jahren.

Wäre die Impfung weniger wirkungsvoll, hätte in Israel in beiden Gruppen ein ungefähr gleich großer Anteil der Menschen wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bei Geimpften lag der Anteil jedoch 67,5 Prozent niedriger als bei Ungeimpften. Morris' Schlussfolgerung: Die Impfung reduziert das Risiko, mit Covid-19 ins Krankenhaus zu kommen, laut den Daten also um gut zwei Drittel.

Je nach Altersgruppe ergab sich laut Morris so eine Wirksamkeit von bis zu 95 Prozent. Morris' Erkenntnis nach Ansehen der tatsächlichen Hospitalisierungen deckte sich damit mit den bisherigen Erkenntnissen aus Studien zur Wirksamkeit von Biontech/Pfizer. 

Was Morris' Datenauswertung aber auch zeigte: Die Schutzwirkung der Impfung nimmt tatsächlich ab. 

Das ist aktuell auch in Österreich zu beobachten. 

Anteil der Impfdurchbrüche bei 6,87 Prozent

Laut einer aktuellen Analyse der AGES von Ende September machte der Anteil der Impfdurchbrüche 6,87 Prozent aller 190.365 laborbestätigter Corona-Fälle seit Anfang Februar aus (Stichtag: 28. September). Zumindest 249 Betroffene mussten im Spital behandelt werden, das entspricht 0,13 Prozent der vollständig Geimpften.

Signifikant höher ist allerdings der Anteil der Impfdurchbrüche, wenn man ausschließlich die vergangenen vier Wochen - 30. August bis 26. September - betrachtet. Von den in diesem Zeitraum erfassten 28.157 symptomatischen laborbestätigten SARS-CoV-2 Infektionsfällen waren 7.652 Personen vollimmunisiert. Das waren immerhin 27,18 Prozent. Gravierende gesundheitliche Folgen hatte das für die Betroffenen aber kaum. Nur 25 bzw. 0,09 Prozent mussten in weiterer Folge in einem Spital behandelt werden.

 

Diskutiert wird in diesem Zusammenhang aktuell auch der Drittstich. Was er nützt und wer ihn braucht, lesen Sie hier:

"Es ist zu erwarten, dass es mit steigendem geimpften Bevölkerungsteil auch zu mehr Impfdurchbrüchen kommt", gab die AGES in diesem Kontext zu bedenken. Aktuell sind etwas mehr als 5,43 Millionen Österreicherinnen und Österreicher vollständig gegen Covid-19 immunisiert, was rund 60,5 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Impfdurchbrüche selten bei Gesunden

Bleibt die Frage, wer von den Impfdurchbrüchen betroffen ist. Auch dazu stammen die größten Studien aus Israel. In einem im Juli veröffentlichten Studie wurden Daten von 152 Patientinnen und Patienten aus 17 israelischen Krankenhäusern ausgewertet, die trotz vollständiger Impfung an Covid-19 erkrankt waren. Nur sechs der 152 Menschen waren zuvor gesund, der Rest hatte Vorerkrankungen, etwa ein geschwächtes Immunsystem, was die Wirksamkeit der Impfstoffe beeinträchtigen kann. Weitere Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.