Wissen und Gesundheit
27.10.2017

Darmkrebs: So senken Sie Ihr Risiko

Eine große US-Studie zeigt: Die Entstehung fast jeder zweiten Erkrankung könnte verhindert werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, sein Darmkrebsrisiko zu senken – das ist die zentrale Botschaft einer großen Untersuchung des American Institute for Cancer Research. In deren Rahmen wurden 99 Studien und die Daten von 29 Millionen Menschen – von denen 250.000 an Darmkrebs erkrankt waren – analysiert. Mit dem Ziel, die weltweite wissenschaftliche Forschung zum Einfluss von Ernährung, Gewicht, körperlicher Aktivität auf das Darmkrebsrisiko zu evaluieren. Die wichtigsten Ergebnisse:

Faktor Bewegung

Dass Bewegung zur Vorbeugung von Darmkrebs wichtig ist, wird schon seit Langem gesagt. Die Studie unterstreicht deren Rolle aber noch einmal. Demnach gibt es starke Beweise, dass körperliche Aktivität das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, minimiert. "Bewegung ist wesentlich, das muss man betonen. Nicht nur in Bezug auf Dickdarmkrebs, sondern auf weitere elf Krebsarten", kommentiert Ass.-Prof. Irene Kührer, MedUni Wien /AKH Wien, diese Empfehlung. Aber: "Arbeit im Haushalt ist zu wenig, es sollten schon drei Mal pro Woche Kraft- und Ausdauertraining sein", sagt sie. Laufen oder schnelles Gehen – "etwas, das als anstrengend empfunden wird und wo die Herzfrequenz in den Bereich von 130 steigt".

Auch eine europäische Studie unter der Leitung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung, für die Daten von rund 520.000 Frauen und Männer ausgewertet wurden, kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Demnach haben sehr aktive Menschen im Vergleich zu weniger aktiven ein um rund 25 Prozent vermindertes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Neben der Gewichtsreduktion durch Bewegung und positiver Effekte auf den Stoffwechsel dürfte hier auch ein erhöhter Vitamin-D-Spiegel (durch mehr Zeit im Freien) einen positiven Effekt haben.

Faktor Ernährung

Dass der Verzehr ballastoffreicher Ernährung, also von Vollkorngetreide oder braunem Reis, vorbeugend wirkt, dafür wurden in der Studie "mögliche starke Beweise" gefunden. Die Botschaft der Forscher: "Je größer die Menge, desto kleiner das Risiko". Mit drei Portionen Vollkorn pro Tag könne das Darmkrebsrisiko um 17 Prozent gesenkt werden. Wohingegen die vorbeugende Wirkung durch Konsum von Obst und Gemüse weniger eindeutig ausfiel. In der Studie heißt es dazu: "Es gibt einige Beweise, dass geringer Konsum von Obst und nicht-stärkehaltigem Gemüse das Erkrankungsrisiko erhöht."

Wer regelmäßig Milchprodukte zu sich nimmt, sorge ebenfalls vor – dafür gibt es ebenfalls "starke Beweise". Kührer betont aber, dass hoher Milchkonsum (ein bis zwei Liter Milch pro Tag) bei Männern das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöhen könnte. Außerdem verweist sie auf den Fettgehalt von Milchprodukten und empfiehlt: "Milchprodukte ja, aber bitte fettarm."

Faktor Fleisch & Fisch

Der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch (damit wird Fleisch bezeichnet, das zum Beispiel durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wird, z. B. Schinken oder Wurst) erhöht das Darmkrebsrisiko, dafür gibt es laut Studie, "starke Beweise". Man spricht von 500 g Schwein oder Rind pro Woche. Wohingegen es einige Beweise gäbe, wonach der Verzehr von Fisch vorbeugend wirke. Kührer dazu: "Das wissen wir schon lange, das ist eine Frage der Menge. Ich rate, nicht öfter als zwei Mal pro Woche Fleisch zu essen." Dieses sollte aus der Region stammen.

Faktor Übergewicht

Übergewicht und Fettleibigkeit spielen laut der Untersuchung eine große Rolle in Bezug auf das Erkrankungsrisiko. Für Kührer das Um und Auf: "Damit hängt vieles zusammen, eben auch der überhöhte Konsum tierischer Fette, von Fleisch und verarbeiteten Fleischprodukten." Mit einem diesbezüglich gesünderen Lebensstil würde man auch anderen Erkrankungen vorbeugen: "Wer sich krebsgesund ernährt, ernährt sich herzgesund", sagt sie. In der europäischen Studie zeigte sich, dass vor allem die Reduktion des Bauchfetts zu einer Senkung des Krebsrisikos beitrug.

Faktor Alkohol

Laut der Studie wirkt der Konsum von zwei bis drei alkoholischen Getränken täglich negativ auf das Darmkrebsrisiko. Laut Kührer sollte man Alkohol möglichst ganz meiden. Die Medizinerin hält übrigens nichts von kurzfristigen Maßnahmen oder einmaligen Kuren. Stattdessen betont sie, wie wichtig "eine kontinuierliche, gesunde und bewusste Lebenseinstellung" sei. "Mit einseitiger Ernährung oder Powerfood kann man sich niemals so viel Gutes tun, als wenn man bestimmte Sachen dauerhaft weglässt". Sie empfiehlt zu experimentieren, kreativ zu sein, um damit die eigene Gesundheit zu unterstützen.www.krebshilfe.net/ services/broschueren/Hier finden Sie eine Broschüre der Österreichischen Krebshilfe zum Thema Darmkrebsvorsorge mit umfangreichen Infos.