Wissen und Gesundheit
04.06.2017

Bade-Moden früher: Keusche Christen schwammen nicht

Der Mensch tat es schon in der Steinzeit. Doch das Baden blieb nicht modern.

Felsmalereien in Libyen verraten es: Figuren, die mit Armen und Beinen im angedeuteten Wasser rudern – der Mensch wusste das kühle Nass bereits damals zu schätzen. Von den alten Griechen ist bekannt, dass ihnen jeder als Barbar galt, der nicht schreiben und schwimmen konnte. Und das blieb auch im alten Rom so. Doch mit dem Aufschwung des Christentums war es vorbei mit der Baderei: Sie galt bis zur Aufklärung als anrüchig und wurde erst Ende des 18. Jahrhunderts wieder beliebter, als die englischen Seebäder entstanden.

Damals lernte auch der Gründervater der Turnbewegung, Johann Christoph Friedrich Gutsmuths, schwimmen und schrieb in seinem Kleinen Lehrbuch der Schwimmkunst zum Selbstunterrichte: "Bisher ist das Ertrinken Mode gewesen, weil das Schwimmen nicht Mode ist. (…) Soll denn das Schwimmen nicht auch bei uns Mode werden?"

Neugierige Blicke

Um der Schicklichkeit Genüge zu tun, kamen im 19. Jahrhundert allerlei Vorrichtungen wie Bretterkisten, Badekarren und Strandkörbe zum Einsatz – dazu Schwimmkostüme, die den gesamten Körper verhüllten. Flussbadeanstalten ähnelten bereits heutigen Freibädern – ein Ponton mit Plattform und eingelassenem Schwimmbecken, das im Wasser verankert wurde. Am Ufer standen Umkleidekabinen in Reih und Glied und schirmten das Becken vor neugierigen Blicken ab.

Tauchen wir zum Beispiel in die Wiener Bäder-Geschichte ein: Wussten Sie, dass sich unsere Vorfahren bereits 1717 an heißen Sommertagen im Schüttelbad unterhalb der Franzensbrücke vergnügten? Im 18. Jahrhundert entstanden entlang einiger Donauarme kleinere Bäder. Das älteste war das 1780 erstmals erwähnte Ferro-Bad beim Tabor.

Ab 1907 kam das Gänsehäufel an der Alten Donau in Mode. Florian Berndl hatte auf seinen Wanderungen die Insel in der Alten Donau entdeckt, von der Stadt gepachtet und begann, badefreudigen Wienern dort naturbezogene Körperkultur näherzubringen. Anders als in den restlichen Bädern durften hier beide Geschlechter gemeinsam baden. Revolutionär! Skandalös! Denn noch 1878 hatte man in einem Schwimm-Leitfaden Frauen unter dem Stichwort "Eintauchen ins Wasser" gewarnt: "Dieses Schreckerlebnis zieht für die Nerven der Frauen häufig irreparable Schäden nach sich."