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03.10.2017

Allergien: Deutlicher Anstieg seit 2012

Größte Studie zur Lungengesundheit der Bevölkerung in Österreich zeigt Anstieg um 13 Prozent seit 2012. Effekt des Klimawandels wird diskutiert. Bereits rund 40 Prozent der Bevölkerung mit positivem Allergietest.

Es ist die größte Langzeitstudie zur Gesundheit der Lungen der Menschen in Österreich. Seit 2012 werden mehr als 11.000 Probanden im Alter von 6 bis 80 Jahren in in einem Abstand von je vier Jahren untersucht, 7000 Einzelfragen werden zusätzlich gestellt. Insgesamt wird der Untersuchungszeitraum zwölf Jahre lang dauern. Donnerstag wurde eine Teilauswertung präsentiert, die "Anlass zur Besorgnis" gibt. Das sagt Prim. Sylvia Hartl, Leiterin der LEAD-Studie (Lung, hEart, sociAl, boDy) und Vorständin der 2. Internen Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital in Wien:

2012 - bei der ersten Untersuchung - hatten 37 Prozent der Studienteilnehmer einen positiven Allergietest . Schon das ist ein sehr hoher Prozentsatz. Ein großer Teil dieser Gruppe hatte auch tatsächlich allergische Symptome. In der zweiten Untersuchungswelle von bisher 1470 Studienteilnehmern zeigt sich jetzt: Der Anteil derjenigen mit einem positiven Allergietest hat gegenüber 2012/2013 um 13 Prozent zugenommen.

Asthmarisiko deutlich erhöht

Dies sei besorgniserregend, da eine Allergie das Risiko, Asthma zu entwickeln, enorm erhöht - und zwar gegenüber der (nichtrauchenden) Bevölkerung ohne positiven Allergietest um knapp 80 Prozent. Schon jetzt haben knapp 15 Prozent der untersuchten Bevölkerung keine normal gesunde Lunge entwickelt, sagt Hartl: In Zukunft müsse "aufgrund der veränderten Umweltbedingungen durch den Klimawandel mit einer weiteren Zunahme von Asthmaerkrankungen gerechnet werden. Besonders von dieser besorgniserregenden Entwicklung betroffen sind Kinder und junge Erwachsene."

Der Temperaturanstieg und die vermehrten Hitzewellen könnten der Auslöser für diesen Anstieg der Atemwegserkrankungen sein, so die Lungenärzte. Längere Wärme- und Hitzeperioden führen zu höheren Pollenkonzentrationen, weil Pflanzen früher und intensiver blühen. Darüber hinaus erreichen an heißen Tagen Schadstoffemissionen wie Ozon, Feinstaub und Stickoxide aus Abgasen und Industrie Spitzenwerte und belasten die Atemwege, aber auch das Herz-Kreislaufsystem.

Situation bei Kindern

Für die Lungenfachärzte beunruhigend ist auch ein weiteres Studienergebnis: "Über die Altersgruppen hinweg sind Kinder und Jugendliche mit einem Anteil von 12 Prozent stärker als ältere Menschen mit 4,5 Prozent Anteil von obstruktiven (verengte Atemwege, Anm.) Atemwegserkrankungen betroffen." Zwar gehe man, so Hartl, davon aus, dass es sich bei der Mehrzahl der kindlichen Lungenveränderungen um milde Erkrankungen handelt: "Daher wurde bisher gedacht, dass dies wenig Bedeutung für die weitere Zukunft des Kindes bzw. Jugendlichen haben wird. Wir finden allerdings bereits bei 13 Prozent der betroffenen Jugendlichen klinisch relevante Lungeneinschränkungen, die mittels Medikamenten nicht normalisiert werden können."

Priv.-Doz. Angela Zacharasiewicz, leitende Oberärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Wilhelminenspital: "Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Zustand der Lunge in der Kindheit noch größere Auswirkungen auf die Lungengesunhdeit im Erwachsenenalter hat als bisher angenommen." Kinder mit einer gesunden Lunge sind als Erwachsene deutlich seltener von Lungenerkrankungen betroffen und haben eine deutlich höhere Lebenserwartung.

Erste Konsequenz daraus: "Auf keinen Fall in der Gegenwart von Kindern rauchen."

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