Befreit Durchatmen ist auch bei vielen Jugendlichen nicht möglich.

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11.000 Teilnehmer
11/09/2016

Größte Lungenstudie bringt alarmierende Ergebnisse

Erste Ergebnisse der weltweit umfassendsten Untersuchung zur Lungenkrankheit COPD mit mehr als 11.000 Teilnehmern zeigen: Das Risiko für Lungenfunktionseinschränkungen bei Kindern und Jugendlichen wurde bisher unterschätzt.

von Ernst Mauritz

Es ist die weltweit umfassendste Studie zur gefürchteten chronischen Lungenkrankheit COPD (führt zu einer dauerhaften Einschränkung der Atemwege), die derzeit im Wiener Otto Wagner Spital durchgeführt wird. Seit 2012 werden mehr als 11.000 Probanden im Alter von 6 bis 80 Jahren regelmäßig untersucht, 7000 Einzelfragen werden zusätzlich gestellt. insgesamt wird der Untersuchungszeitraum zwölf Jahre lang dauern.

Jetzt liegen die ersten Ergebnisse dieser Studie des "Ludwig Boltzmann Instituts für COPD und Pneumologische Epidemiologie" vor - und sie werden von dem Medizinerteam rund um die Primarärzte Sylvia Hartl und Univ.-Prof. Otto C. Burghuber als "alarmierend" bezeichnet.

3,5 Prozent haben auffällige Werte

Bereits bei 3, 5 Prozent der untersuchten Sechs- bis 24-Jährigen wurde eine chronisch eingeschränkte Lungenfunktion gemessen - auch nach der Verabreichung eines bronchienerweiternden Sprays zeigte sich keine Besserung. Im medizinischen Alltag wird in dieser Altersgruppe aber nur bei 1,5 Prozent eine COPD-Diagnose gestellt. Das heißt: Jüngere Menschen haben deutlich öfter bereits Krankheitszeichen als bisher angenommen. "Die Häufigkeit der Lungenfunktionseinschränkung bei jungen Menschen wurde bisher unterschätzt."

Tatsächlich bereits Krankheitssymptome wie Husten oder Atemnot hatte zwar nur rund die Hälfte dieser 3,5 Prozent - allerdings gilt eine dauerhaft eingeschränkte Lungenfunktion als Risikofaktor für die spätere Entwicklung einer COPD.

Und: "Nur" rund die Hälfte waren Raucher oder Ex-Raucher, bei der anderen Hälfte spielten höchstwahrscheinlich andere Ursachen eine Rolle bei der Entwicklung der eingeschränkten Lungenfunktion: Etwa Passivrauch, andere Lungenerkrankungen, Luftschadstoffe oder auch Übergewicht.

Bei den Jugendlichen waren chronische Begleiterkrankungen (Herz-Kreislauf-Leiden, Osteoporose, Diabetes) zwar noch nicht höher wie bei den Gesunden.

Mehr Begleiterkrankungen

Allerdings: Bei Erwachsenen mit einer eingeschränkten Lungenfunktion zeigte sich eine signifikant höhere Rate an Begleiterkrankungen. Die genauen Prozentsätze zeigt diese Grafik:

"Bei älteren Menschen wird die Häufigkeit der Erkrankung von den Ärzten hingegen überschätzt, sagt Burghuber. "Dadurch werden teilweise Medikamente verordnet, die sie gar nicht benötigen."

Lunge bereits im Volksschulalter testen

Fazit: Da es schon im Kindes- und Jugendalter häufiger als bisher gedacht Einschränkungen der Lungenfunktion gibt, wäre eine erste Lungenfunktionsuntersuchung (Spirometrie) ab dem 6. Lebensjahr sinnvoll: "Schon deshalb, weil das Wissen um eine derartige Einschränkung wichtig für die Berufswahl ist", betont Hartl. Wer bereits Probleme mit der Lunge hat bzw. hier sehr empfindlich ist, sollte besser gewisse Berufe - etwa Friseur oder Schlosser - nicht ergreifen. Denn Chemikalien oder kleinste Schweißpartikel können eine zusätzliche Belastung sein.

Spätestens sollte eine Lungenfunktionsprüfung mit Abschluss des 25. Lebensjahres durchgeführt werden. "Wer in diesem Alter über erste Probleme informiert ist, hört vielleicht eher mit dem Rauchen auf und ändert seinen Lebensstil, als wenn dies mit 45 Jahren der Fall ist."

Mit Fortschreiten der Studie sollen übrigens die individuellen Untersuchungsergebnisse mit den Daten der Wiener Luftschadstoffmeßstellen abgeglichen werden. Damit sollen mögliche Zusammenhänge zwischen Schadstoffbelastung und Erkrankungshäufigkeit ermittelt werden.

Die LEAD-Studie wird übrigens von freiwilligen Spenden finanziert. Die Durchführung bis Ende 2024 ist von privaten Spenden abhängig. Nähere Infos: www.leadstudy.at

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