© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
01/16/2020

Worauf Sie beim Autokauf achten müssen

Faktoren wie CO2-Steuern, neue Antriebsformen oder Dieselfahrverbote erschweren die Entscheidung zunehmend.

von Irmgard Kischko, Thomas Pressberger

Wer jetzt ein neues Auto kaufen will, muss Überlegungen anstellen, an die er oder sie vor wenigen Jahren nie gedacht hätte. Wegen des Klimawandels werden fossile Treibstoffe – Benzin und Diesel – zurückgedrängt, die Elektromobilität ist im Vormarsch. Doch sind E-Autos heute tatsächlich ein guter Kauf? Und ist Diesel so schlecht wie nun behauptet wird? Der KURIER hat Experten befragt.

Diesel ist geringer besteuert als Benzin und daher billiger als Benzin. Bleibt das? Die Mineralölsteuer auf Diesel beträgt in Österreich 0,397 Euro je Liter, auf Benzin 0,482 Euro je Liter. An der Tankstelle ist Diesel daher meist etwas billiger. Politisch ist das Diesel-Steuerprivileg umstritten. Eine CO2-Steuer könnte dem Vorteil den Garaus machen. Der Kauf eines Diesel-Fahrzeugs wegen billigerem Tankens zahlt sich daher nicht aus.

Ist Diesel tatsächlich umweltfreundlicher als Benzin? Diesel wird aufgrund seiner chemischen Grundzusammensetzung effizienter verbrannt. Der CO2-Ausstoß pro Liter ist daher um etwa 15 Prozent geringer als bei Benzin, erklärt Günther Lichtblau, Mobilitätsexperte des Umweltbundesamts. Allerdings: Dieser Vorteil werde durch den Trend zu SUVs aufgefressen. Die Österreicher hätten in Summe größere, stärkere Autos gekauft. Dadurch sei der gesamte CO2-Ausstoß der österreichische Diesel-Flotte höher als jener der Benziner.

 

Welches Auto soll man für den urbanen Bereich kaufen? Am besten gar keines. In Österreich sind in den größten Städten die öffentlichen Verkehrsmittel so gut ausgebaut, dass man auf das Auto verzichten kann. Durch den starken Verkehr, Staus und Parkplatzmangel ist das Auto klar im Nachteil. Wer dennoch auf seine eigenen vier Räder nicht verzichten will, sollte sich – sofern er gute Lademöglichkeiten hat – in ein E-Auto setzen. Die meist kurzen Strecken kommen diesem entgegen. Am ungünstigsten ist der Diesel. Dieser ist erst ab einer Jahreskilometerleistung von 20.000 Kilometern sinnvoll. Außerdem muss der Wagen mindestens 30 Minuten fahren, bevor der Partikelfilter beginnt, sich zu regenerieren.

Welches Auto ist am besten fürs Land geeignet? Das kommt sehr auf das Nutzungsverhalten an. Wer nicht längere Strecken als 250 bis 300 Kilometer fährt, sollte mit einem E-Auto gut unterwegs sein. Will man allerdings auch mit dem Auto auf Urlaub fahren, könnte die batteriebetriebene Variante mühsam sein. Wartezeiten bei Ladestationen könnte eine ganz andere Planung der Urlaubsreise nötig machen. In Österreich ist die Versorgung mit Ladestationen ausreichend. Im Ausland ist das nicht überall der Fall.

Wie viele Ladestationen gibt es? Österreichweit gibt es 1.404 Ladestellen mit 3.628 Ladepunkten (Steckdosen). Das Laden kosten je nach Leistung der Ladestelle und Angebot des jeweiligen Stromversorgers unterschiedlich viel. Wer nicht zu Hause auflädt, hat meist nur geringe Kostenvorteile gegenüber Benzin oder Diesel.

E-Autos sind teuer. In welchem Ausmaß wird der Kauf gefördert? Ein E-Fahrzeug kostet zumindest 21.000 Euro. Die Neuanschaffung wird vom Bund mit 1.500 Euro unterstützt, in Niederösterreich gibt es vom Land noch 1.000 Euro dazu. Oberösterreich, das Burgenland und Vorarlberg fördern den Einbau von Ladeinfrastruktur in Wohnhäusern in unterschiedlichem Ausmaß.

Welches Auto eignet sich für kurze, welches für lange Strecken? Kurze Strecken sind ein klarer Fall fürs E-Auto. Für mittlere Strecken oder solche, auf denen es keine ausreichende Ladeinfrastruktur gibt, werden Hybrid-Autos empfohlen. Für lange Strecken ist immer noch das Dieselfahrzeug die beste Variante – sofern es der Abgasnorm Euro 6 entspricht. Der Diesel punktet auf langen Strecken mit relativ günstigen Treibstoffverbrauch, auch die Umweltverschmutzung ist durch niedrigeren Stickoxid- und Partikelausstoß geringer als bei den Vorgängermodellen. Für diese Fahrzeuge gelten derzeit auch keine Fahrverbote in Städten und sollten auch kurz- bis mittelfristig nicht kommen.

Für wen ist Carsharing die beste Option? Da Carsharing-Angebote vor allem in Großstädten angesiedelt sind, ist das vor allem ein Fall für Menschen, die am Stadtrand wohnen. Besonders dort, wo die öffentliche Anbindung nicht mehr oder nur teilweise gegeben ist, ist diese Variante sinnvoll.

Welches Auto kauft sich jemand, der ein Familienauto anschaffen will? Der Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen ist bei Family-Vans noch überschaubar, auch wenn es schon ein paar Angebote verschiedener Automarken gibt. Hier ist in den kommenden Jahren jedoch mit einer deutlichen Steigerung der Produktpalette zu rechnen. Bis dahin sollte man sich mit einem Diesel begnügen – nicht zuletzt, weil das Familienauto oft auch als Urlaubsfahrzeug verwendet wird und als solches weite Strecken zurücklegt. Noch ein Grund spricht für den Diesel: Wer einen Anhänger anhängen will, kommt viel weiter als mit dem E-Auto. Das zusätzliche Gewicht – ein Wohnwagen kommt rasch auf eine Tonne – lässt die Batterieladung des E-Autos rasant zurückgehen.

Welches Verkehrsmittel ist die beste Alternative zu Autos und öffentlichen Verkehrsmitteln? Wer nicht selber in die Pedale treten will, sollte sich einen Motorroller zulegen. Auch hier gibt es Benzin- oder Elektrovarianten. Die Vorteile dieses Verkehrsmittels: kein Stau, kein Parkplatzsuchen, keine überfüllten U-Bahnen. Besonders geeignet ist es für Leute, die am Tag mehrere kurze Strecken zurücklegen müssen. Die Nachteile: Im Falle eines Unfalles zieht man in der Regel den Kürzeren. Und besonders in Tagen wie diesen: Das Wetter hat einen prägenden Einfluss auf das Fahrvergnügen.