Time-lapse projection of the New York skyline through the years inside the Sky Pod Elevator on the way up to the One World Observatory observation deck on the 100th floor of the One World Trade center tower in New York

© REUTERS / MIKE SEGAR

Wirtschaft
11/25/2020

Wohnungsmarkt in New York steht Kopf

Mietpreise sind um bis zu 30 Prozent gefallen, reiche Vierteln wegen der Pandemie verwaist

von Angelika Ahrens

3,5 Monatsmieten gratis. Plus 1.000 Dollar Gutschein für Amazon und gratis WLAN für ein Jahr. So versucht man derzeit in New York Mieter anzulocken. Nicht irgendwo am Rand, sondern mitten im Herzen von Chelsea, einem der angesagten Stadtteile Manhattans mit Ausblick auf das Empire State Building.

Vier Monate gratis

„Das ist wirklich verrückt“, sagt Scott Robinson. Der Immobilien-Experte der Wallstreet-Firma Oberon Securities kennt den Markt in- und auswendig. „Solche Pakete hat es noch nie gegeben, nicht einmal nach der Finanzkrise 2008/’09, als sich die Wirtschaft nur langsam erholte.“ Im Endeffekt bekommt man jetzt schon fast vier Monatsmieten gratis bei einem einjährigen Vertrag.

Durch die Pandemie und ihre Folgen haben Hunderttausende die City verlassen. Mehr als 16.000 Apartments stehen derzeit leer, die Mietpreise sind um 30 Prozent gefallen. New York ist einer der teuersten Immobilienmärkte der Welt, fast ein Jahrzehnt sind die Preise geradezu nach oben geschossen. Durch die Pandemie hat der Immobilienmarkt nun einen Dämpfer bekommen.

Unklare Zukunft

Robinson hat in den letzten Monaten die Stadt erkundet. Dort, wo reiche Leute wohnen, sei es sehr still geworden. „Sie sind entweder weggezogen oder leben vorübergehend woanders. In der Folge ist auch in den Restaurants und Shops nicht viel los. Es ist unklar, wie diese Nachbarschaften künftig ausschauen werden,“ so Robinson.

In anderen Bezirken, in denen mehr Arbeiter leben, wie Hell’s Kitchen oder Queens, würde es dagegen relativ lebendig und fast normal zugehen. In Midtown, rund um den Times Square, wo seit Ausbruch der Pandemie viele Büros verwaist sind und kaum Leute leben, sei es wiederrum sehr still.

Riskante Bewertung

Durch die fehlenden Touristen stehen auch die Hotels so gut wie leer. „Ob es eine Blase ist, kann man vorher nur schwer sagen, weil man nicht weiß, was die Zukunft bringt. Aber es sind sicher mehr Luxuswohnungen gebaut worden, als nötig. Da habe ich mir schon Sorgen an der Spekulationsfront gemacht“, sagt Robinson. Im Großen und Ganzen war der Immobilien-Markt vor Covid „priced to perfection“, so der Experte. Das heißt, die Bewertung war hoch, basierend auf optimistischen Erwartungen für die Zukunft. Das ist aber auch sehr riskant, denn bei der geringsten schlechten Nachricht, geht es runter.

Covid war mehr als nur eine schlechte Nachricht. Das Virus hat den Immobilienmarkt in der Stadt, in der die Menschen eng beieinander leben, komplett umgekrempelt. Während Mieten um 30 Prozent gefallen sind, gingen die Verkaufspreise für Wohnungen bisher aber nicht so drastisch zurück, meint die austro-amerikanische Maklerin Daniella Schlisser: „Generell sind die Preise circa zehn Prozent runtergegangen. Manches hat sich um die Hälfte verkauft, aber nur weil es nie mehr wert war.“

Frage der Zeit

Und wie sieht der Büromarkt aus? Neben dem neuen Stadtteil Hudson Yards mit Apartments, Büros und dem Wahrzeichen „Vessel“, gibt es auch auf dem Grund des ehemaligen World Trade Centers neue Türme. Ob zu viel Büroflächen gebaut worden sind, sei schwer zu beurteilen, so Robinson. Denn in so einer Megacity könne es sieben Jahre und länger dauern, bis ein Projekt realisiert wird. Im Großen und Ganzen sei der Markt derzeit „on hold“. Durch die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten sowie durch das Coronavirus würde jetzt niemand verkaufen, der nicht unbedingt muss.

New York wird sich erholen, so wie immer, darin sind sich Experten einig. Die Frage ist nur, wie lange es diesmal dauern wird. Ein Impfstoff sei nur ein Teil des Puzzles. Entscheidend sei auch die Lebensqualität. Was, wenn tausende Restaurants und Bars zusperren? Wenn es noch mehr Obdachlose gibt? Die Frage ist auch, wann die großen Firmen die Mitarbeiter in die Bürotürme zurückholen.

Verzweifelte Suche

Das macht wiederum den Vermietern Sorgen. Während Immobiliengesellschaften Zuckerl rausschleudern, senken Private die Basismiete. Und was bedeutet das alles in der Praxis? Andrew, der Besitzer eines historischen Townhouses, hat in den vergangenen Monaten verzweifelt einen Nachmieter gesucht.

Nur ein Interessent kam zur Besichtigung und der wollte statt 6.500 nur 4.500 Dollar pro Monat bezahlen. Letztendlich habe man sich auf 5.500 geeinigt. Denn private Hausbesitzer wie Andrew können sich keine Leerstände leisten. Sie haben nicht so einen langen Atem wie manche Immobilienfirmen.

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