Die Staatsholding managt Beteiligungen über 21 Milliarden Euro.

© Kurier/Gerhard Deutsch

Wirtschaft Wirtschaft von innen
07/19/2020

Brisante Chatprotokolle von ÖBAG-Chef Schmid

Ausschreibung selbst verfasst? - Aufsichtsratschef Helmut Kern dementiert.

von Andrea Hodoschek

Seit dem Start als Chef der ÖBAG im April 2019 kursieren Gerüchte, es sei von vornherein festgestanden, dass Thomas Schmid den Job bekommt. Als einflussreicher und ehrgeiziger Generalsekretär im türkis geführten Finanzministerium habe er die Ausschreibung für den Alleinvorstand der 21 Milliarden Euro schweren Industrieholding auf sich zugeschnitten.

Chatprotokolle aus dem Ministerium, die jetzt im Ibiza-Casinos-Akt auftauchen, würden dies stark vermuten lassen. Doch ganz so könnte es dann doch nicht abgelaufen sein. Versichert ÖBAG-Aufsichtsratschef Helmut Kern. Er muss es wissen, denn immerhin bestellt der Aufsichtsrat das Management. Im staatsnahen Bereich redet freilich die Politik mit.
 

Wie auch immer, die Chats zwischen Schmid und Mitarbeitern sagen einiges darüber, wie eine junge, engagierte Truppe im Finanzministerium (BMF) etwas zu forsch unterwegs war. Schmid war im BMF für die Beteiligungen (OMV, Telekom, Casinos, BIG, Post, Verbund) zuständig und wollte ÖBAG-Chef werden.

Die Headhunterin Gabriele W. (AltoPartners) sagte am 17. Juni bei der Staatsanwaltschaft aus, Schmid habe ihr gesagt, er überlege die Bewerbung. W. arbeitete fürs Ministerium bzw. die ÖBAG-Vorgängerin ÖBIB. Schmid habe sie dann gebeten, seinen Lebenslauf anzusehen, „und ich habe ihm gesagt, dass das so gar nicht geht“. Der CV war in Prosa gehalten. Ihr für die Ausschreibung entworfener Inseratentext sei aber „nicht auf ihn zugeschnitten“ gewesen.

Ausschreibung

Schmids Truppe überlegte im Dezember 2018 selbst, was in die Ausschreibung müsste. Einiges davon findet sich tatsächlich beinahe wortgleich im späteren Text. Etwa „Erfahrung in der Verhandlungsführung mit politischen Stakeholdern“. Oder Erfahrung in Aufsichtsräten staatsnaher Unternehmen. Nicht angefordert wurde Erfahrung in Unternehmen. Die konnte Schmid, der seine Karriere in den Kabinetten machte, nicht vorweisen.

Ebenso nicht internationale Expertise. Er sei „aber nicht international erfahren. Ich habe immer in Österreich gearbeitet“ schreibt Schmid im Chat (siehe Faksimile) an eine Mitarbeiterin. Antwort: Man könne das mit seiner Tätigkeit in Brüssel verbinden.

Überlegt wird, wer das Motivationsschreiben abfasse, das man für das Hearing ebenso benötige wie einen gut aufbereiteten Lebenslauf. Man suche mal ein Muster, „dann werden wir das schon hinbekommen“ .

Auch an die Betriebsräte bei der konstituierenden Aufsichtsratssitzung wird gedacht, „Achtung, leaken gerne nach draußen. Nicht, dass da was vom internen Hearing nach draußen geht – sollten sehr vorsichtig sein“.

Die Chat-Nachrichten würden sich nur auf „vorbereitende Entwürfe der Ausschreibungsunterlage“ beziehen, erklärt dazu Schmid-Anwalt Thomas Kralik. Sein Mandant sei als Generalsekretär und Kabinettschef in die Neuaufstellung der Staatsholding involviert gewesen. Und dieser Aufgabe bis zur Bestimmung von Aufsichtsratspräsident Kern nachgekommen, der habe dann die weiteren Vorbereitungsarbeiten übernommen.

Kern will die Chats nicht kommentieren. Den Aufsichtsratschef ärgern vielmehr „die vielen Halb- und Viertelwahrheiten, die zirkulieren. Mich hat nie jemand dazu befragt“.

Der KURIER ersuchte Kern um Erklärung. Beginnt damit, sagt Kern, dass Personalberaterin W. nicht die Ausschreibung abgefasst habe.

Kern wurde Anfang Februar 2019 zum designierten Aufsichtsratsvorsitzenden der frisch gegründeten ÖBAG bestellt. Schmid habe er bis dahin nicht gekannt, beteuert Kern. Er habe für das Mandat Finanzminister Hartwig Löger zugesagt.

Gleich nach der konstituierenden Aufsichtsratssitzung wurde ein Nominierungskomitee für die Bestellung des Vorstands gebildet. Mit Kern als Vorsitzendem sowie OMV-Betriebsratschefin Christine Asperger und dem oberösterreichischen Wärmepumpen-Hersteller (und Strache-Trauzeugen) Karl Ochsner.

Drei Headhunter hatten sich beworben, das Komitee entschied sich für Amrop Jenewein, vor Deloitte und Stanton Chase.

Das Komitee sei mit Amrop Jenewein nochmals den Ausschreibungsentwurf des BMF für die ÖBAG durchgegangen und habe 80 bis 90 Prozent des alten Textes übernommen.

Neun Kandidaten bewarben sich, auch internationale Manager. Nicht gerade viele, war doch längst bekannt, dass Schmid den Job wollte. Ins Hearing kamen Schmid und zwei Manager. Eine Frau und ein internationaler Kandidat. Beim Hearing habe Schmid „brilliert, er war der Beste“, seien sich Komitee und Headhunter einig gewesen.

Am 27. März 2019 präsentierte nur noch Schmid vor dem gesamten ÖBAG-Aufsichtsrat und wurde am selben Tag zum Alleinvorstand bestellt. „Der Prozess ist so gelaufen, als ob es diese Chats nicht gäbe“, versichert Kern. Politische Erfahrung sei „sehr wichtig“. Mangelndes politisches Gspür sei Schmids Vorgängern immer wieder vorgeworfen worden. Aber nie in der Wirtschaft gewesen? Schmid mache „sehr gute Arbeit“, kontert Kern.

Die Opposition hat Schmid inzwischen unter Dauerbeschuss. Als ob er die Probleme voraus geahnt hätte, chattete er im Dezember 2018: „Wird noch zach“....

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