Wirtschaft
19.01.2013

Engere Kooperation zwischen NÖ und Bulgarien

Rund 450 niederösterreichische Betriebe haben Niederlassungen in Bulgarien.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zu den EU-Mitgliedsländern in Ost- und Südosteuropa haben Niederösterreich in den vergangenen Jahren ein zusätzliches Wachstum bis zu 0,8 Prozent jährlich gebracht.

„Diese Beziehungen sind ein stabilisierender Faktor für den niederösterreichischen Arbeitsmarkt. Rund 40.000 bis 50.000 Arbeitsplätze konnten dadurch abgesichert werden“, sagte Landeshauptmann Erwin Pröll bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Bojko Borissov.

Beide Politiker kamen am Freitag in Wiener Neustadt zusammen, wo Borissov das innovative Forschungszentrum MedAustron besichtigte. Angetan von der weltweit modernsten Einrichtung für die Krebstherapie mit Ionen (der medizinische Behandlungsbetrieb wird Ende 2015 aufgenommen, Anm.) kündigte Borissov den weitern Ausbau der Wirtschaftskooperation mit Niederösterreich an.

Motor der Politik

Vor der Besichtigung von MedAustron fuhr Borissov durch Niederösterreich und stellte fest: „Jetzt verstehe ich, warum Pröll der Motor der Politik ist.“

Der konservative bulgarische Regierungschef will sich Anleihen bei seinem Freund Pröll nehmen. Rund 450 niederösterreichische Betriebe haben Niederlassungen in Bulgarien, das seit Anfang 2007 Mitglied der EU ist.

Bisher hat Österreich mehr als sechs Milliarden Euro in dem südosteuropäischen Land investiert. Im Fokus steht die Energiepolitik. Seit Jahren gehört die EVN zu den wichtigsten österreichischen Investoren in Bulgarien. Insgesamt versorgt die EVN mehr als 1,6 Millionen Kunden im 7,5 Millionen Einwohner zählenden Land mit Strom.

Das niederösterreichische Unternehmen betreibt in Bulgarien große Windkraftwerke und fördert Solarenergie. In Bau ist ein Wasserkraftwerk am Fluss Gorna Arda an der bulgarisch-türkischen Grenze.

Boykott

Erneuerbare Energien braucht Bulgarien, denn die Regierung von Borissov will aus der Atomenergie aussteigen. Am 27. Jänner findet ein Referendum über die Fertigstellung des Atomkraftwerkes Belene statt. Borissov hat sein Kabinett und die Wähler dazu aufgerufen, mit Nein zu stimmen. „Wir werden das boykottieren“, sagte er zum KURIER. Atomenergie sei viel zu teuer, von uns gibt es „ein kategorisches Nein zur Atomkraft“. Allerdings sieht die Opposition das anders. Wie das Referendum ausgehen könnte, darüber wollte der Ministerpräsident keine Prognose abgeben.

Offen ließ Borissov auch, wann Bulgarien der Währungsunion beitreten und den Euro einführen werde. Das Land erfüllt bereits alle Maastricht-Kriterien, weil die Regierung seit der Wahl im Jahr 2009 einen eisernen Sparkurs eingeleitet hat. „Wir mussten die Fehler früherer Regierungen beheben“, begründet Borissov die harten Maßnahmen.