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Wirtschaft
10/30/2020

Wirtschaft der Eurozone mit starkem Plus im dritten Quartal

Die Inflation im Währungsraum ist allerdings seit drei Monaten im negativen Bereich.

Die Wirtschaft der Eurozone ist im Sommer nach dem Corona-Einbruch im Frühjahr stark gewachsen. Die Wirtschaftsleistung (BIP) lag im dritten Quartal um 12,7 Prozent höher als im Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mitteilte. Analysten hatten zwar mit einer kräftigen Erholung gerechnet, im Schnitt aber lediglich einen Zuwachs um 9,6 Prozent erwartet.

In der Europäischen Union (EU) betrug das Wirtschaftswachstum im Sommer laut Eurostat 12,1 Prozent. Sowohl im Euroraum als auch in der EU wurden die stärksten Zuwächse seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1995 gemessen.

Allerdings wiegt die Krise schwer, wie der Vorjahresvergleich zeigt: Gegenüber Sommer 2019 lag die Wirtschaftsleistung im Euroraum um 4,3 Prozent niedriger, in der EU waren es 3,9 Prozent weniger.

Der Wachstumsschub im vergangenen Sommer folgt auf einem schweren Konjunktureinbruch im Frühjahr. Während der ersten Coronawelle war das BIP im Euroraum im zweiten Quartal um 11,8 Prozent und in der EU um 11,4 Prozent eingebrochen. Die Konjunkturaussichten sind alles andere als günstig, da viele Staaten in Europa in Reaktion auf eine zweite Coronawelle starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen haben.

In Deutschland legte das BIP im dritten Quartal im Vergleich zum zweiten Quartal um 8,2 Prozent zu, in Spanien war das Tempo mit 16,7 Prozent mehr als doppelt so hoch. Auch Frankreich (plus 18,2 Prozent) und Italien (plus 16,1 Prozent) erzielten hohe Zuwachsraten.

Österreichs Wirtschaft hat sich im dritten Quartal laut Wifo spürbar vom starken Einbruch davor erholt. Die Wirtschaftsleistung stieg gegenüber dem Vorquartal um 11,1 Prozent, lag aber immer noch um 5,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im zweiten Quartal war das BIP um 12,1 Prozent gegenüber Jänner bis März abgesackt und um 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert.

Inflation

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober bereits den dritten Monat in Folge ins Minus gerutscht. Die Verbraucherpreise fielen um 0,3 Prozent binnen Jahresfrist, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist die niedrigste Rate seit vier Jahren. Hinter dem Rückgang standen insbesondere die Energiepreise. Auch im September war die Inflation bei minus 0,3 Prozent gelegen, nach minus 0,2 Prozent im August.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) kommen negative Inflationsraten höchst ungelegen. Die Währungshüter steuern eine Rate von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. Dieses Ziel verfehlen sie aber bereits seit Jahren.

Um in der Pandemiekrise gegenzusteuern, hatte die EZB bereits umfangreiche geldpolitische Maßnahmen eingeleitet. Angesichts wieder stark steigender Infektionszahlen und erneuter herber Einschränkungen des öffentlichen Lebens in vielen Euroländern hatte sie am Donnerstag die Tür für ein mögliches weiteres Coronahilfspaket im Dezember geöffnet.

Die Preise für Energie gingen im Oktober binnen Jahresfrist um 8,4 Prozent zurück. Industriegüter ohne Energie verbilligten sich um 0,1 Prozent. Dagegen verteuerten sich unverarbeitete Lebensmittel um 4,3 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen nahmen um 0,4 Prozent zu.

Arbeitslosigkeit

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen in der Eurozone zeigen nach wie vor nur begrenzte Auswirkungen der Coronakrise. Im September habe die Arbeitslosenquote wie im Vormonat 8,3 Prozent betragen, teilte das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mit.

Die Quote liegt damit um 0,8 Prozentpunkte höher als im Vorjahresmonat. Der Anstieg ist, verglichen mit den konjunkturellen Bremswirkungen der Krise, aber vergleichsweise gering. In der Europäischen Union (EU) fällt die Entwicklung ähnlich aus. Der Grund für diesen eher moderaten Anstieg liegt in der wirtschaftspolitischen Reaktion auf die Krise. Wie in Deutschland setzen auch viele andere Länder in Europa Instrumente der Kurzarbeit ein. Da Eurostat die Arbeitslosigkeit daran misst, ob die Menschen arbeitslos sind und aktiv nach einem Job suchen, fallen viele Kurzarbeiter aus der Statistik heraus, obwohl sie wirtschaftlich von der Krise betroffen sind.

Ausblick

Experten der EZB-Geldpolitik haben angesichts der Coronapandemie ihre Prognose eines Wachstumseinbruchs im Euroraum heuer leicht abgemildert. Einer Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge rechnen die befragten Volkswirte inzwischen damit, dass die Wirtschaftsleistung (BIP) 2020 um 7,8 Prozent schrumpft, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag mitteilte. Im Juli hatten sie noch einen Einbruch von 8,3 Prozent für dieses Jahr erwartet.

Für 2021 gehen die Ökonomen davon aus, dass die Wirtschaft im Währungsraum wieder um 5,3 Prozent wächst. Im Juli hatten sie noch ein etwas kräftigeres Plus von 5,7 Prozent prognostiziert. Die EZB befragt viermal im Jahr Volkswirte zu deren Wachstums- und Inflationsprognosen. Die Umfrageresultate sind ein wichtiger Faktor, der in die geldpolitischen Überlegungen der Währungshüter einfließt.

 

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