Bis 2030 sollen 1.900 Windräder in Österreich stehen. Derzeit sind es 1.340.

© APA/dpa/Tom Weller

Wirtschaft
11/23/2020

Windkraftbranche fordert mehr Geld für schlechtere Standorte

Wind und Sonne sind gratis, der angestrebte Ökostromausbau kostet den Staat trotzdem Geld.

von Martin Meyrath

Am 24. und 25. November findet das 14. österreichische Windenergie Symposium statt; aufgrund der Corona-Pandemie nur im Internet. Die Branche hofft auf einen Anschub durch das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG). Stefan Moidl von der IG Windkraft sieht dabei aber noch „Stolpersteine“.

Um das Ausbauziel von zehn TWh bis 2030 erreichen zu können, müssten jährlich etwa 120 neue Windkraftanlagen gebaut werden. Allerdings bedeutet das nicht 120 neue Standorte, denn etwa die Hälfte der Anlagen soll ältere ersetzen.

Geht es nach der IG Windkraft, sollen in zehn Jahren 1.900 statt der derzeit 1.340 Windräder stehen. Da die neuen größer und effizienter sind, ließe sich auf derselben Fläche mit insgesamt weniger Masten und Rotoren etwa die eineinhalbfache Menge Strom erzeugen.

Förderungen

In Anbetracht der angestrebten Kapazität kann man es sich laut Moidl nicht leisten, den Ausbau auf die dafür am besten geeigneten Standorte zu beschränken. Damit die Flächen trotzdem bebaut werden, fordert die IG Windkraft eine „standortdifferenzierte Förderung“. Schlechtere Standorte sollen also mehr staatliche Gelder erhalten. Kritiker befürchten, dass dadurch ineffiziente Strukturen geschaffen und dann alimentiert werden.

Bisher steht der Löwenanteil der österreichischen Windräder in Niederösterreich und dem Burgenland. Die Förderung schwächerer Standorte würde eine stärkere regionale Differenzierung ermöglichen und so auch die Stabilität der Versorgung erhöhen. Zweitens wäre eine vermehrt regional ausgerichtete Stromversorgung weniger stark auf den Ausbau von Hochspannungsleitungen angewiesen.

Auch bei der Finanzierung des Netzausbaus hofft die IG Windkraft noch auf ein Entgegenkommen der Bundesregierung. Sie wünscht sich einen Anspruch auf Netzzugang für neue Projekte und bundesweit einheitliche Anschlusskosten, zum Beispiel in Höhe von 50 Euro pro Kilowatt installierter Leistung. Darüber hinaus gehende Kosten soll demnach die Allgemeinheit über die Netzgebühren tragen.

Die Windkraftbranche ist mit ihrer Forderung nach Planungssicherheit in Form von Steuergeld nicht allein. Die Energiewende lässt sich über den freien Markt nicht bewerkstelligen, sondern erfordert politischen Willen. Ein Argument hat die Windkraftbranche jedenfalls auf ihrer Seite: Während Wasserkraft und Fotovoltaik im Frühling und Sommer mehr Strom liefern, bringen Windräder 60 Prozent ihrer Leistung im Winterhalbjahr.

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