Wirtschafts-Prognose: So soll sich Inflation, Budgetdefizit und BIP entwickeln
Zusammenfassung
- Wifo und IHS senken wegen Iran-Krieg und hoher Energiepreise die Konjunkturprognose für 2026 deutlich.
- Die Inflation bleibt laut Prognosen über dem EZB-Ziel, das Budgetdefizit liegt weiterhin über der EU-Grenze von 3 Prozent.
- Weitere Sparmaßnahmen sind notwendig, um das Defizitverfahren zu beenden und die Staatsverschuldung steigt auf rund 85 Prozent.
Der Iran-Krieg und die stark gestiegenen Energiepreise bremsen die wirtschaftliche Erholung Österreichs. Die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS senken ihre Konjunkturprognose für 2026 deutlich. Ging man im Dezember noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 (Wifo) bzw. 1,0 Prozent (IHS) aus, wird nun ein Plus von 0,9 bzw. 0,5 Prozent prognostiziert. Die Inflation soll heuer mit 2,7 bzw. 2,9 Prozent weiter über dem 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.
IHS: "Aussichten haben sich merklich eingetrübt"
Nach den Rezessionsjahren 2023 und 2024 sollte sich die heimische Volkswirtschaft wieder langsam erholen. Im vergangenen Jahr wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits um 0,6 Prozent. "Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges und dem dadurch ausgelösten starken Anstieg der Öl- und Gaspreise haben sich aber die Unsicherheit stark erhöht und die Konjunkturaussichten merklich eingetrübt", schreibt das Institut für Höhere Studien (IHS) in seiner Prognose. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) stellte fest: "Der Iran-Krieg gefährdet die Konjunkturerholung."
Wifo erstellte drei Szenarien wegen Iran-Krieg
Das Wifo erstellte seine Prognosen aufgrund des "nicht abschätzbaren Kriegsverlaufs" auf Basis dreier Szenarien. Dauert der Iran-Krieg nur wenige Wochen und ist die Erdöl-Infrastruktur der Golfstaaten nicht nachhaltig beschädigt, rechnen die Experten in diesem "optimistischen Szenario" mit einem Wirtschaftswachstum heuer um 1,1 Prozent. In ihrem "Hauptszenario" gehen die Wifo-Ökonomen davon aus, dass der Krieg ebenfalls von kurzer Dauer ist, sich allerdings die Brennstoffe kräftiger verteuern. Dann würde die Wirtschaft um 0,9 Prozent wachsen. Im "pessimistischen Szenario"- lange Kriegsdauer, langfristig zerstörte Infrastruktur - werde der moderate Aufschwung unterbrochen und das BIP legt 2026 nur 0,2 Prozent zu.
Angesichts der "Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiepreise" berechnete das IHS ebenfalls ein Alternativszenario, in dem die Erdöl- und Erdgaspreise in der Spitze stärker steigen und länger höher bleiben. In diesem Fall würde das BIP-Wachstum 2026 nur 0,3 Prozent und 2027 0,7 Prozent betragen.
Auch für 2027 passten die Wirtschaftsforscher ihre Zahlen an. Während das Wifo seine Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent kappte, geht das IHS von 0,8 Prozent aus. Die neuen Zahlen dienen als Basis für die Gespräche der Bundesregierung über das Doppelbudget 2027/28.
Lage am Arbeitsmarkt "unverändert"
"Die Inflationsrate dürfte trotz des Iran-Krieges weiter zurückgehen, jedoch verlangsamt der jüngste Energiepreisanstieg den Rückgang", kommt das Wifo zu dem Schluss. Die Inflationsrate im vergangenen Jahr lag bei 3,6 Prozent. Heuer soll den Berechnungen die Teuerungsrate im Jahresdurchschnitt 2,7 Prozent betragen, 2027 dann auf 2,3 Prozent sinken. Nach IHS-Schätzungen liegt der Verbraucherpreisindex heuer bei 2,9 Prozent, im kommenden Jahr bei 2,4 Prozent. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft gilt.
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt den Wirtschaftsforschern zufolge "nahezu unverändert". Während das Wifo für 2026 und 2027 mit 7,4 bzw. 7,1 rechnet, geht das IHS von 7,5 bzw. 7,4 aus.
Wifo/IHS schätzen Budgetdefizit 2026 auf 4,1/4,2 Prozent
Die Ökonomen des Wifo und IHS prognostizieren für heuer ein gesamtstaatliches Budgetdefizit in Österreich von 4,1 bzw. 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zwar sei die budgetäre Ausgangslage mit einem Defizit von 4,2 Prozent im Jahr 2025 günstiger als ursprünglich angenommen, jedoch dürften die "eingetrübten Wachstumsaussichten die Budgetperspektiven verschlechtern", schreibt das IHS. 2027 soll das Defizit dann minimal auf 4,0 (Wifo) bzw. 4,1 Prozent (IHS) sinken.
Das gemeinsame Budgetdefizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern liegt in den kommenden Jahren damit noch immer deutlich über dem von der EU vorgegebenen Maastricht-Grenzwert von 3 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 betrug das heimische Defizit 4,7 Prozent. Im Juli wurde deswegen die Eröffnung eines EU-Defizitverfahrens gegen Österreich offiziell beschlossen.
2028 will die Bundesregierung bei 3,0 Prozent und damit exakt im erlaubten Rahmen der Europäischen Union landen. "Nach aktuellem Stand sind dazu in der kommenden Budgetperiode weitere Konsolidierungsmaßnahmen erforderlich", schreibt das IHS in seiner Prognose. Andernfalls könne sich das Defizitverfahren verlängern.
Weitere Sparmaßnahmen notwendig
Dass sich das mit den schon eingeleiteten Maßnahmen nicht ausgehen wird, hat Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) jüngst bestätigt. Er erkennt einen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf von zwei Milliarden, und das, obwohl die Regierung ohnehin schon bei den Förderungen bis 2029 einen ebenso hohen Betrag einsparen will.
Die Frühjahrsprognose der beiden Wirtschaftsforschungsinstituten dient als Basis für die Gespräche über das Doppelbudget 2027/28 der Bundesregierung, die ebenfalls am heutigen Freitag starten. Die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass der Iran-Krieg und die stark gestiegenen Energiepreise die wirtschaftliche Erholung Österreichs bremsen werden. Das Wifo erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent und für 2027 von 1,3 Prozent. Das IHS rechnet mit einem Plus von lediglich 0,5 Prozent im laufenden Jahr und 0,8 Prozent im kommenden Jahr.
Staatsverschuldung steigt auf rund 85 Prozent
Die österreichische Staatsverschuldung stieg im vergangenen Jahr auf 81,5 Prozent des BIP an. Das IHS erwartet heuer eine weitere Zunahme auf 83,5 Prozent und 85,4 Prozent im kommenden Jahr. Das Wifo rechnet 2027 mit einer Staatsverschuldung von 84,6 Prozent.
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