Wifo-Chef Felbermayr warnt: "Werden trotzdem höhere Inflation sehen"
Die geplante Spritpreis-Bremse sieht Gabriel Felbermayr weiterhin mit Skepsis. Die Preise seien zwar hoch, aber nicht außergewöhnlich. Zugleich sei es richtig, jetzt ein Signal zu setzen. In der "ZiB2" war dazu der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), zu Gast.
Felbermayr erinnerte an Fehler aus der Hochinflationsphase 2022. "Wie im Jahr 2022 die Inflation durchrauschen lassen, das wäre eine schlechte Idee, das war ein Fehler damals, das sollte nicht wieder passieren." Klarheit darüber, dass der Staat nicht jedes Preisniveau akzeptiere, sei grundsätzlich positiv.
Zweifel an Umsetzung
Kritisch sieht Felbermayr vor allem die geplanten Eingriffe in Gewinnspannen. Wo genau reguliert werden soll, sei offen. "Die ausländischen Preisspannen können wir kaum regulieren." Im Inland liege vieles bei der OMV, dort werde man Gespräche führen müssen.
Er warnte vor starren Kosten-Margen-Modellen. "Die Erfahrung in anderen Branchen, dass man sagt, hier sind die Kosten und da dürfte dann eine Marge drauf schlagen von x Prozent, sind nicht wahnsinnig gut." Unternehmen hätten dann kaum Anreize, Kosten zu senken.
Lehren aus dem Ausland
Ein fixer Preisteckel sei problematischer als ein flexibler Margeneingriff. Ungarn habe gezeigt, wohin das führen könne. "In Ungarn hat das zu Problemen geführt an den Zapfsäulen, da ist dann das Benzin ausgegangen." Auch in der Slowakei gebe es Nebenwirkungen durch günstige Preise, die Tanktourismus auslösten.
Die österreichische Lösung könne die Inflation zwar bremsen, aber nur begrenzt. "Also ein Teil, vielleicht 0,2 Prozentpunkte der Inflation wird das dämpfen, aber wir werden trotzdem eine höhere Inflation sehen." Ohne Maßnahmen wäre die Teuerung laut Wifo bei rund 3,1 Prozent gelegen, mit Preisbremse eher bei 2,9.
Krieg als großes Risiko
Deutlich dramatischer wären die Folgen einer Eskalation im Nahen Osten. "Wir haben ungefähr 20 Prozent des globalen Rohölangebots, das durch die Straße von Hormus muss." Eine Blockade hätte massive Preisfolgen, bis hin zu einer Verdoppelung der Ölpreise.
Inflationsraten wie 2022 erwartet Felbermayr dennoch nicht mehr. "Nein, nein, das glaube ich nicht." Österreich habe Lehren gezogen, etwa mit strategischen Gasreserven und schnellerem politischen Eingreifen. Er appellierte jedoch auch an die Politik, män hätte vor Jahren bereits den Fokus auf erneuerbare Energien legen müssen, um sich vom Kriegsgeschehen unabhängiger zu machen.
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