Irankrieg treibt Inflation wieder in die Höhe: Angst vor Preisschock
Europa ist weitgehend von Ölimporten abhängig. Sanken die Preise im Februar noch, so hat sich die Situation durch den Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus am Persischen Golf völlig gedreht.
Wegen der mittlerweile hohen Ölpreise ist die Inflation in der Eurozone im März von 1,9 auf 2,5 Prozent gestiegen. Österreich kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Hierzulande stieg die Teuerung im März von 2,2 auf 3,1 Prozent. Verantwortlich dafür ist – wenig verwunderlich – der Preisanstieg bei Mineralölprodukten wie Benzin, Diesel oder Heizöl.
Das ist wiederum eine direkte Folge des Ölpreisanstieges im März um rund 60 Prozent, dem höchsten Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen. Das für den europäischen Markt maßgebliche Rohöl der Nordseesorte Brent notiert aktuell bei 116 Dollar je Fass. Wohin die Reise führt, traut sich kein Experte zu sagen. Jede Einschätzung kann morgen überholt sein. „Das ist Kaffeesudlesen“, lautet die gängige Antwort auf die Frage nach der weiteren Entwicklung.
Inflation seit 2018
Optimistische Schätzungen gehen von einem baldigen Ende des Krieges sowie begrenzten bzw. reparablen Schäden der Infrastruktur etwa von Flüssiggas-Anlagen aus. Das könnte den Rohölpreis über die nächsten Wochen und Monate gesehen stabilisieren und im Jahresdurchschnitt Werte zwischen 90 und 100 Dollar je Fass bedeuten. Rund 70 Dollar waren es vor den israelisch-amerikanischen Angriffen auf den Iran ab dem 28. Februar.
Worst Case-Szenario
Pessimistische Szenarien – eine längere Kriegsdauer samt nachhaltiger Zerstörung von Energieanlagen in der Golf-Region – gehen von 150 bis 200 Dollar je Fass aus. Was das für die Inflation in Österreich bedeuten würde, ist derzeit unklar, wohl aber besorgniserregend. Ein echter Preisschock könnte die Folge sein. Im Vergleich dazu sind die aktuellen Prognosen noch sehr verhalten.
Die Nationalbank hat zuletzt in einem Worst-Case-Szenario von einer Jahresinflation 2026 von mehr als 4 Prozent gesprochen. Deutsche Ökonomen haben auch sechs Prozent als mögliche Jahresinflation genannt. Im März betrug die Inflation in Deutschland 2,8 Prozent.
Zum Vergleich: In den vergangenen Krisenjahren wurden in Österreich vor allem im Herbst 2022 teils zweistellige Inflationsraten erreicht, was einen Jahresdurchschnitt von 8,6 Prozent ausmachte.
Wie geht es weiter?
Am 10. April publizieren die Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS ihre aktualisierten Prognosen für 2026 und 2027. IHS-Experte Sebastian Koch spricht von einem Basisszenario mit einer Jahresinflation von rund drei Prozent. Koch sagt aber dazu: „Einen Vierer vor dem Komma kann ich mir vorstellen.“
Detto geht es WIFO-Experten Josef Baumgartner. Das Normalszenario, das sein Institut in zehn Tagen präsentieren wird, geht ebenfalls von einer Jahresinflation von rund 3 Prozent aus. Doch Baumgartner weiß, dass alles von den Annahmen über den Krieg am Golf abhängt. „Donald Trump hat es in der Hand. Der Spuk kann jederzeit vorbei sein oder zur totalen Eskalation führen.“
Die Regierung versucht mit Maßnahmen vom Sozialtarif beim Strom bis zur Spritpreisbremse gegenzusteuern. Sich von globalen Marktentwicklungen völlig abzukoppeln, ist aber nahezu unmöglich, noch dazu, wenn das Budget begrenzt ist. Hierzulande will die Regierung auch mit einer „Margenkontrolle“ verhindern, dass sich Unternehmen ein Krisen-Körberlgeld verdienen. In Frankreich machte die Regierung Druck, daraufhin führte der Energiekonzern Total eine freiwillige Preisobergrenze beim Sprit ein. In Frankreich beträgt die März-Inflation 1,9 Prozent.
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