Budget: Ab heute wird verhandelt, wer sparen muss
Nach Ostern kommen die Budget-Verhandlungen in die Gänge. Gegen Ende der Arbeitswoche empfangen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) und Staatssekretär Josef Schellhorn (Neos) jeweils zu dritt die einzelnen Ressortchefs zu einem ersten Austausch über deren Vorstellungen. Danach bleiben rund vier Wochen Zeit, die Wünsche der Ministerien an die budgetären Notwendigkeiten anzupassen.
Erneut hat sich die Regierung entschlossen, mit einem Doppelbudget schon früh mittelfristige Pflöcke einzuschlagen. Eher ungewöhnlich ist dabei, dass der Haushalt bereits vor dem Sommer erstellt wird - dies gilt umso mehr, als durch die internationale Energiekrise das Wirtschaftswachstum noch einmal deutlich nach unten gehen könnte. Basis für die Budget-Gespräche werden die Frühjahrsprognosen von Wifo und IHS sein, die für Freitag angekündigt sind.
Bessere Ausgangsbasis
Gut für die Regierung ist, dass 2025 besser gelaufen ist als programmiert. Statt eines Defizits von 4,5 Prozent des BIP lautete das Ende März verkündete Ergebnis 4,2 Prozent. Doch konnte Finanzminister Marterbauer angesichts der Energiekrise die Prognose für 2026 nicht entsprechend herunterdrücken, weshalb man nun für heuer vom selben Ergebnis wie im Vorjahr ausgeht. Danach soll es aber weiter nach unten hinaus aus dem Defizitverfahren der EU gehen. 2028 will man bei 3,0 Prozent und damit exakt im erlaubten Rahmen der Union landen.
Dass sich das mit den schon eingeleiteten Maßnahmen nicht ausgehen wird, hat Finanzminister Marterbauer jüngst bestätigt. Er erkennt einen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf von zwei Milliarden, und das, obwohl die Regierung ohnehin schon bei den Förderungen bis 2029 einen ebenso hohen Betrag einsparen will. Dazu kommen noch gewisse Begehrlichkeiten aller drei Koalitionspartner, etwa die von ÖVP und NEOS forcierte Senkung der Lohnnebenkosten. Die SPÖ will wiederum Maßnahmen im Gesundheitssektor und am Arbeitsmarkt forcieren, die NEOS die Bildung. Daneben kommen weitere Partikular-Forderungen wie die Begünstigung des Agrardiesels.
Gegenfinanzierung gefragt
Marterbauers Mantra bei all diesen Wünschen ist, dass die entsprechenden Begehrlichkeiten auch gegenfinanziert werden müssen. Das heißt, die jeweiligen Ressortchefinnen und -chefs bringen am besten zu den Auftakt-Gesprächen schon Vorschläge mit, mit welchen Einsparungen sie die notwendigen Ausgaben kompensieren können. Einen Spezialfall stellt die Eurofighter-Nachfolge dar, die zwar budgetär in den kommenden beiden Jahren noch nicht schlagend wird, die das Verteidigungsressort aber zumindest im längerfristigen Finanzrahmen eingepreist haben möchte.
Anzunehmen ist, dass für die zusätzlichen zwei Milliarden sowohl einnahmen- als auch ausgabenseitige Maßnahmen gesetzt werden. Der Fiskalrat hat erst vor kurzem der Regierung eine mit Zahlen unterlegte Liste von Konsolidierungsvorschlägen vorgelegt. Freilich finden sich darin keine, zu denen sich alle drei Koalitionspartner bekennen. Wirksam wäre etwa eine Streichung des Familienbonus, die der ÖVP aber alles andere als eine Freude machen würde. Diese lehnte auch heute in Person der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die Einführung von Erbschaftssteuern ab.
Grundsätzlich haben Volkspartei und Neos wenig Freude mit höheren Abgaben. Dabei käme man etwa mit der gänzlichen Rücknahme der Abschaffung der "kalten Progression" schon in die Nähe des Zielwerts. Wenig Freude hätte die SPÖ mit einem Ausfall der Indexierung der Pensionen, auch wenn diese 1,5 Milliarden brächte. Schwer haben es in Zeiten der Energiekrise Bekämpfer der klimaschädlichen Subventionen, deren Abschaffung (etwa von Pendlereuro und -pauschale) mehr als zwei Milliarden an Kosten sparen würde.
Erste Maßnahmen schon im Budgetbegleitgesetz
Was auch immer kommt, es ist davon auszugehen, dass erste Maßnahmen schon mit dem Budgetbegleitgesetz (und damit unmittelbar vor dem Doppel-Budget) beschlossen werden. Denn es gilt ja auch, Zusatz-Maßnahmen wie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu kompensieren. Die dafür angekündigten Abgaben auf Plastik und Pakete sind noch immer nicht ausverhandelt.
Allzu viel Zeit, auf einen gemeinsamen Nennen zu kommen, haben die Koalitionspartner jedenfalls nicht. Denn die Budgetrede ist für den 10. Juni angesetzt. Exakt einen Monat später soll schon der Beschluss im Nationalrat erfolgen.
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