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Wirtschaft
06/21/2019

Wie Österreich bei den UNO-Zielen für 2030 wirklich abschneidet

Mission Weltverbesserung: Platz fünf für Österreichs Fortschritte klingt gut. Dabei werden erst zwei von 17 Zielen erfüllt.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Die internationale Gemeinschaft feierte es 2015 als Meilenstein für eine bessere Welt: Alle 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (UNO) unterschrieben damals die Verpflichtung, sich bis zum Jahr 2030 in 17 Kategorien stark zu verbessern. Diese UNO-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) reichen vom Kampf gegen die Armut über mehr soziale Gerechtigkeit bis hin zum Klima- und Umweltschutz.

Viele Worte, wenig Taten

Aber feierliche Verpflichtungen sind das eine, die Umsetzung das andere. Kein einziges Land sei auf dem Weg, alle 17 Punkte bis 2030 zu erfüllen, warnte der UN-Sonderberater und US-Ökonom Jeffrey Sachs nun.

„Den historischen Versprechen sind kaum Taten gefolgt“, ergänzte Aart De Geus, Chef der deutschen Bertelsmann-Stiftung, die die Fortschritte bewertet (zur aktuellen Bertelsmann-Studie).

Ihr Fazit: Am besten unterwegs sind nordeuropäische Staaten wie Schweden, Dänemark oder Finnland (siehe Grafik). Österreich ist mit Platz fünf von 162 gereihten Nationen im Spitzenfeld.

Relativ gut, absolut schwach

Besonders schlecht schneiden viele afrikanische Staaten ab. Aber auch die USA erreichen – gemessen an ihrem hohen Entwicklungsstand – einen beschämend schwachen 37. Platz. Damit liegen sie unmittelbar vor Australien und China.

Und dabei stehen reiche Länder wie die Schweiz, Singapur, oder auch die USA sogar besser da als sie sollten. Sie verursachen nämlich Probleme, deren Folgen in andere Länder exportiert werden: Beispiele sind der Konsum von Palmöl-Produkten, für den Urwälder gerodet werden, oder die Geldwäsche über Steueroasen.

Gut bei Armut und Institutionen

Allerdings täuscht auch Österreichs vermeintlich gutes Abschneiden. Denn im Detail betrachtet erfüllt der rot-weiß-rote Fünftplatzierte bisher nur zwei der 17 Ziele. Als erreicht gelten die Vorgaben bei der Armutsbekämpfung.

Dasselbe gilt für die Kategorie „Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen“. Darunter werden etwa geringe Kriminalität und Korruption, hohe Pressefreiheit und das Fehlen von Kinderarbeit verstanden.

Klimaschutz-Debakel

In drei Kategorien ist Österreich besonders weit von den 2030-Zielen entfernt. Am schlechtesten ist es um den Klimaschutz bestellt: Hier sieht die Studie Österreich nicht nur in einer schlechten Ausgangslage, es gebe obendrein keine Fortschritte. Bewertet wurden mehrere Indikatoren für den Kohlendioxid-Ausstoß.

Ein weiteres Problemfeld sind internationale Partnerschaften. Demnach gibt Österreich zu wenig Geld für die Entwicklungszusammenarbeit aus. Und schneidet obendrein beim Schattenfinanzindex eher schlecht ab.

Hunger in Österreich?

Der Rückstand bei „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ liegt vor allem im hohen heimischen Ressourcenverbrauch begründet.

Einiges erscheint auf den ersten Blick unplausibel. „Kein Hunger“ – da soll Österreich vor beträchtlichen Herausforderungen stehen? Die Erklärung: In die Kategorie fallen auch Übergewicht und ungesunde Ernährung.

Bei der Bildung sind das mäßige Abschneiden bei den PISA-Schultests und die soziale Schieflage, wonach der Bildungsstatus oft vererbt wird, ein Manko. Mäßig schneidet Österreich zudem in Sachen Geschlechtergleichheit ab. Die klaffende Einkommensschere und das hohe Ausmaß unbezahlter Arbeit, die Frauen leisten, fallen negativ ins Gewicht.

OECD-Bewertung ähnlich

Bei der Gleichstellung sieht auch die Industriestaaten-Organisation OECD Aufholbedarf für Österreich (OECD-Zwischenfazit von Ende Mai 2019). Negativ vermerkt werden geringe Frauenquoten im Parlament und in Management-Rollen.

Am weitesten entfernt von den 2030-Zielen ist Österreich aber laut OECD bei einem Gesundheitsthema, dem Tabakkonsum: Der Raucheranteil (24 Prozent) wird nur noch von Griechenland und Ungarn übertroffen.