Hitze und Wind begünstigen die Buschbrände

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Wirtschaft
01/16/2020

Wie im Film: Neue Horror-Studie zum Klimawandel

Bis 2050 könnten bis zu 1,2 Milliarden Menschen in Regionen leben, die von tödlichen Hitzewellen betroffen sind.

von Wolfgang Unterhuber

Sie liest sich wie das Drehbuch zum Weltuntergangsfilm "Interstellar": Die neue Studie der global tätigen Unternehmensberatung McKinsey „Climate risk and response“

Der Klimawandel ist mehr als eine ernste Bedrohung für die Weltwirtschaft. Wohlstand und Existenz von hunderten Millionen Menschen sind in Gefahr.

Grund: Gegenmaßnahmen bleiben aus

Das Institut geht davon aus, dass weltweit die Emission klimaschädlicher Stoffe steigen und Gegenmaßnahmen weitgehend ausbleiben.

Unter diesen Voraussetzungen würden bereits in zehn Jahren hunderte Millionen Menschen in Regionen leben, in denen tödliche Hitzewellen drohen.

Betroffen wären vor allem Landwirtschaft, Baugewerbe und Bergbau. Dieser Befund betrifft alle Länder, in denen ein Großteil der Wirtschaftsleistung im Freien erarbeitet wird.

Weltweit gefährde dies vier bis sechs Billionen Dollar an Wertschöpfung.

Besonders betroffen: Indischer Subkontinent

Für Indien, Pakistan, Bangladesch und Nigeria geht es daher um viel. In Indien werde etwa die Hälfte der Wertschöpfung des Landes im Freien erwirtschaftet.

Wenn dort Hitze und Luftfeuchtigkeit steigen, werde Arbeit vielerorts unerträglich. Dadurch drohe Indien 2,5 bis 4,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung einzubüßen, schätzt McKinsey.

Tödliche Hitzewellen

Außerdem würden Hitzewellen Ausmaße annehmen, die selbst für gesunde Menschen tödlich sein könnten. Betroffen wären bis zum Jahr 2030 rund 250 bis 360 Millionen Menschen.

Bis 2050 steigt diese Zahl nach Schätzung von McKinsey auf 700 Millionen bis 1,2 Milliarden Menschen an.  

100 Flughäfen gefährdet

Der Klimawandel gefährde ein Viertel der wichtigsten 100 Flughäfen weltweit durch Fluten und Stürme, weil sie weniger als zehn Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Fluten nach Dammbruch erfassten Häuser der Minenarbeiter

Die Erwärmung der Ozeane werde dazu führen, dass der Fischfang bis 2050 um acht Prozent zurückgehe, was die Lebensgrundlage von 650 bis 800 Millionen Menschen weltweit einschränken werde.

Immopreise brechen ein

Auch andere Sektoren und Auswirkungen werden in dem McKinsey-Bericht untersucht. So könne der Wert von Immobilien im US-Bundesstaat Florida durch drohende Wirbelstürme und Flutwellen um bis zu 30 Prozent reduziert werden.

Und Zentraleuropa? Diese Region wäre laut McKinsey zwar durch die Erderwärmung nicht so katastrophal betroffen wie etwa Südasien. Aber wenn Indien und Afrika brennen, werden sich wohl zig Millionen Menschen auf die Flucht machen.

Europa ohne wichtige Rohstoffe

Abgesehen davon, wird die Weltkonjunktur schweren Einbrüchen ausgesetzt sein. Durch Wetterextreme könne in Zukunft zum Beispiel die Versorgung mit Halbleitern oder seltenen Erden gefährdet sein. Dann wäre es in Europa vorbei mit der E-Mobilität.

Allerdings: Einige Regionen könnten von der Erderwärmung profitieren. In Russland, Kanada und Teilen Nordeuropas könnten die landwirtschaftlichen Erträge steigen.