Wirtschaft
04.05.2017

Wem der Staat Österreich Geld schuldet

Zwei Drittel von 310 Milliarden Euro Anleihen liegen bei ausländischen Gläubigern. Österreichs Tourismus boomt, die Exporte bereiten Sorgen.

Bei wem ist der Staat Österreich eigentlich verschuldet? Weil Wertpapiere frei gehandelt werden und kein Mascherl haben, gab es darauf bisher keine wirklich befriedigende Antwort. Die Nationalbank (OeNB) hat jetzt erstmals Bank- und Zentralbankstatistiken miteinander abgeglichen, um zu einer besseren Schätzung zu kommen.

Insgesamt hat der "Sektor Staat" Anleihen um 310 Milliarden Euro emittiert – darin sind Bund, Länder und Gemeinden, aber auch Sozialversicherungen oder staatliche Unternehmen wie ÖBB Infrastruktur, die Bad Bank Heta oder die Bundesimmobilien enthalten. Das Fazit der Notenbanker: Exakt zwei Drittel, also Schuldpapiere im Wert von 205 Milliarden Euro, liegen im Ausland (Grafik). Das spricht dafür, dass die internationalen Anleger Österreich als "sicheren Hafen" wahrnehmen, also die Staatsanleihen weiterhin als stabile Anlage erachten.

Interessantes Detail: Das Gewicht hat sich in Richtung Inland verschoben. Nicht etwa, weil ausländische Geldgeber das Vertrauen in Österreichs Finanzkraft verloren hätten, sondern weil die OeNB einen Teil der massiven EZB-Wertpapierkäufe auf ihre Bilanz nimmt – dadurch sind Staatspapiere um netto 4,9 Mrd. Euro ins Inland zurückgekehrt.

Zeichen von Wettbewerbsfähigkeit

Sorgen bereitet den Notenbankern, ob Österreichs Wirtschaft breit genug aufgestellt ist. In früheren Jahren trug der Güterhandel satte Beiträge zum Überschuss bei. Das ist vorbei, besonders die Warenexporte schwächeln. Zwar steht 2016 unterm Strich in der Leistungsbilanz noch ein satter Überschuss von 6 Mrd. Euro – es strömt also mehr Geld ins Land herein als ins Ausland abfließt. Das sei ein Zeichen der Wettbewerbsfähigkeit, sagte OeNB-Vize Andreas Ittner. Es ist aber weniger als 2015 (6,5 Mrd. Euro). Und für das Plus ist im Alleingang der Tourismusboom (8,8 Mrd. Euro Überschuss) verantwortlich. Reiseströme könnten sich aber ändern.

Der Debatte über schädliche (weil zulasten anderer Länder erwirtschaftete) Überschüsse, die um Deutschland wogt, kann Ittner wenig abgewinnen. Ein "gesund entwickeltes Land" verzeichne einen Überschuss – speziell kleinere Länder wie Österreich.