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Wirtschaft
08/30/2020

Was es kostet, einen Titel vorzutäuschen

Anwalt Michael Dohr über falsche Doktoren und warum er seine eigenen Titel nicht anführt.

von Simone Hoepke

KURIER: Wenn ich einen Doktor-Titel vortäusche – welche Strafe droht mir?

Michael Dohr: Laut Paragraf 116 Universitätsgesetz eine Verwaltungsstrafe bis zu 15.000 Euro. Wobei man beim ersten Vergehen eher im unteren Bereich angesiedelt sein wird. Kommt drauf an ...

Worauf?

Wenn jemand sich bei einem Date als Doktor ausgibt, ist das ja nicht mehr als ein Imponiergehabe und aus meiner Sicht nicht strafbar. Anders ist es, im beruflichen Bereich. Wenn man auf diese Weise zum Beispiel einen Job oder Auftrag bekommt.

Täuschen viele Titel vor?

Es kommt nicht oft zu Anzeigen. Wie auch. Ist ja nicht einfach, jemanden nachzuweisen, dass er einen Titel zu Unrecht trägt. Man kann ja nicht einfach bei der Uni nachfragen, ob jemand dort einen Abschluss gemacht hat. Mir fällt auf: Gaukelt jemand einen Titel vor, dann gern gleich einen doppelten Magister oder einen Doppel-Doktor. Vermutlich weil dann alle in Ehrfurcht erstarren und keiner mehr auf die Idee kommt, nachzufragen. Udo Proksch hatte übrigens die für Österreich interessante Idee, ein Kind Drusius Ingomar zu taufen. Wegen der Abkürzung Dr. Ing. (lacht)

Sie haben je zwei Magister-, Doktor- und Master-Titel, drucken sich diese aber auf keine Visitenkarte. Warum?

Mir wäre es peinlich, solche Karten zu verteilen. Ein lateinisches Sprichwort lautet: Duplex doctor, triplex asinus. Also zweifacher Doktor, dreifacher Esel (lacht). Warum sollte ich mit Titeln hausieren gehen?

Sie sind Österreicher, und hierzulande hat die Titel-Reiterei Tradition ...

... interessanterweise vor allem bei jenen, die gar keinen akademischen Titel haben. Ich erlebe immer wieder, dass speziell HTL-Abgänger darauf bestehen, mit Herr Ingenieur angesprochen zu werden ...

Ärgert Sie das?

Nein. Ich finde es praktisch, ich merke mir Namen eh so schwer ... So gesehen habe ich auch nichts dagegen, zu jemandem Herr Hofrat, Kommerzialrat oder Medizinalrat zu sagen. Also Titel zu verwenden,

Also jene, die von den Kammern vergeben werden. An wen eigentlich?

An jene, die die entsprechenden Beziehungen haben, man muss ja vorgeschlagen werden. Deswegen gibt es Top-Ärzte, die niemals Medizinalrat werden. In Wirklichkeit bekommt man solche Titel oft knapp vor der Pension, um sich weiterhin wichtig fühlen zu können. Sie sind dann meist nicht mehr als eine Alterserscheinung, wobei sie in Ausnahmefällen auch für besondere Leistungen verdient sein können.

Und der Professor?

Den bekommen Witzeerzähler, Sportmoderatoren und Sänger verliehen. Karl Moik, Robert Seeger, Udo Jürgens, alle haben oder hatten ihn. Jeder Volksschullehrer darf sich so nennen. Einfach inflationär. Der Universitätsprofessor, der habilitiert hat, wird damit abgewertet. Das finde ich nicht richtig. Mittlerweile gibt es sogar Teilzeit-Uni-Professoren.

Wie meinen Sie das?
Wer auf der Uni unterrichtet, kann sich Universitätsprofessor nennen, ohne jemals nennenswerte Forschung betrieben zu haben. Allerdings geht das nur maximal fünf Jahre. Macht sich auf Visitenkarten nicht schlecht, ist zurzeit speziell im Rechtsbereich sehr beliebt. Letztlich hinterfragt ja niemand so genau, woher der Universitätsprofessor kommt.

Ein konkretes Beispiel?
Ein Sachverständiger hat sich Uni-Prof. genannt, obwohl er nur Assistent war. Er hat eine Verwaltungsstrafe bekommen, konnte aber ganz normal weiterarbeiten. Nur den Titel musste er downgraden.

In Österreich darf man sich jetzt auch den Meistertitel in den Pass eintragen. Was halten Sie davon?

Leider ist die Abkürzung Mst. ja phonetisch eher eine Lachnummer. Klingt wie Mist. Aber wenn es das Selbstwertgefühl eines Berufsstandes hebt, hat es den Zweck erfüllt. Mir war nicht klar, dass es eine Aufwertung braucht. Ich kenne niemanden, der einen guten Handwerker nicht schätzt. Im Gegenteil.


Öffnen Titel Türen?
In Österreich auf jeden Fall. Sie können beim Eintritt in neue Gesellschafts- oder Geschäftsbereiche helfen. Oder aber auch einfach nur dabei, einen Tisch im Restaurant zu bekommen.

Rechtsanwalt Michael Dohr (51) sorgt mit seinen bunten Anzügen für Ausehen, unter anderem beim Buwog-Prozess (bei dem er einen ehemaligen Porr-Manager vertritt). Zu seinen Schwerpunkten gehören Strafrecht und Wirtschaftsstrafrecht, Verwaltungsrecht und Verwaltungsstrafrecht sowie Allgemeines Zivilrecht und Prozessrecht.

Seit 2007 ist der Villacher Rechtsanwalt und Gesellschafter der Rechtsanwaltskanzlei Sommerbauer & Dohr in Wiener Neustadt.

 

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