Mammutverfahren zu «Goldfinger»-Steuersparmodell

© APA/dpa/Sven Hoppe / Sven Hoppe

Wirtschaft
08/29/2020

Warum Italien trotz Rekordschulden auf seinem Goldschatz sitzt

Nachbarland verfügt über viertgrößten Reserven der Welt. Verkauf wäre laut Experten ein Fehler.

von Robert Kleedorfer

Stellen Sie sich vor, sie sitzen ohnehin schon auf einem riesigen Schuldenberg und in der Corona-Krise brechen auch noch Ihre Einnahmen weg. Zugleich haben Sie aber in Ihrem Tresor schon lange einen Goldbarren liegen. Was liege da also näher, als diesen angesichts des Rekordkurses von Gold zu verkaufen und die Schulden zu reduzieren?

Doch was für private Haushalte ein logischer und richtiger Schritt scheint, muss für Staaten nicht zwingend gelten. Siehe Italien. Das Nachbarland sitzt auf dem weltweit viertgrößten Goldbestand (s. Grafik). Zugleich auch auf Schulden von 2,36 Billionen Euro (Ende 2019) – noch vor Ausbruch der Pandemie. Nun wird dem Land im Zuge des EU-Hilfspakets mit rund 175 Mrd. Euro geholfen. Diese Vergemeinschaftung von Schulden stößt vielen sauer auf, die Italiener hätten sich selber helfen sollen, so der Tenor.

Die Möglichkeit, dies auch mit dem Verkauf von Gold zu tun, sehen Experten aber kritisch. Selbst wenn Italien sein gesamtes Gold im Wert von rund 130 Mrd. Euro verkaufen würde, würde dieser Schritt nur fünf Prozent der Schulden tilgen, rechnet Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank, vor. „Allein der Schuldenzuwachs in diesem Jahr ist größer.“

Renditeanstieg

Zudem würde der Schritt bei den Gläubigern sicherlich nicht positiv ankommen. „Womöglich wird der daraufhin folgende Renditeanstieg bzw. die Spread-Ausweitung (Kreditaufschlag, Anm.) für Staatsanleihen den Effekt zunichtemachen“, so Weinberg. Außerdem seien die Goldpreise in den vergangenen 20 Jahren fast kontinuierlich gestiegen. „Es wäre also auch keine kluge Investment-Entscheidung, sich von einer wertstabilen Anlage zu trennen.“ Zumal per Saldo die Zentralbanken in den vergangenen Jahren viel Gold gekauft haben (im Vorjahr so viel wie seit 50 Jahren nicht). „Man handelt selten gegen den allgemeinen Trend.“

Auch RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek hält von einem Goldverkauf wenig. „Probleme werden dadurch nicht gelöst. Und diese sind nicht die Verschuldung per se, sondern das extrem niedrige Wachstum und die geringe Produktivität seit der Euro-Einführung.“ Denn früher habe Italien seine Währung abwerten können, das ginge eben nicht mehr.

Dabei sei Italien durchaus reich – das Netto-Haushaltsvermögen ist mit im Durchschnitt 105.000 Euro doppelt so hoch wie in Österreich. „Armer Staat, reiche Bürger“, so Brezinschek. Doch Steuererhöhungen, etwa auf den Immobilienbesitz, kämen nicht infrage. „Politiker wollen ihre Bürger nicht melken.“ Dann lieber neue Schulden.

Wobei schon im Vorjahr die damalige rechte Regierung einen Teil des Goldes verkaufen wollte, um eine Steuererhöhung zu verhindern. Doch das Vorhaben scheiterte. Zunächst auch daran, dass das 1999 u.a. von den Euroländern abgeschlossene Goldabkommen nur eine vergleichsweise geringe Verkaufsmenge ermöglicht hätte. Doch dieses Abkommen endete im September, die Rechtsregierung schon zuvor. Aktuell gibt es keine Bestrebungen, Gold zu veräußern.

Österreich

Italien hielt 1970 noch 2.565 Tonnen Gold und hat seit damals 114 Tonnen verkauft. Österreichs Vorrat schrumpfte sogar um 354 Tonnen, liegt aber noch immer weltweit auf Rang 20. Auch hierzulande gab es bei den jüngsten Verkäufen 2007 Kritik am Verkauf, da der Goldpreis kurz darauf gestiegen ist. Die Einnahmen flossen übrigens großteils ins Bundesbudget ...

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