© REUTERS/Dado Ruvic

Wirtschaft
07/18/2019

Warum Facebooks Digitalgeld so ein rauer Wind entgegenbläst

Sechs Gründe, warum die G7 bei der geplanten Facebook-Währung Libra (anders als bei Bitcoin) kräftig auf die Bremse treten.

von Hermann Sileitsch-Parzer

So einig sind sich die Finanzminister und Notenbanker der sieben Wirtschaftsmächte sonst selten: Beim G7-Treffen in Chantilly nahe Paris schoben sie Facebooks Plänen für eine eigene Digitalwährung namens Libra vorerst einen Riegel vor.

Das Projekt, das der Social-Media-Gigant in der ersten Jahreshälfte 2020 starten will, stoße auf "ernsthafte regulatorische und systemische Bedenken", hieß es. Warum aber bläst Libra so ein rauer Wind entgegen, während der Hype rund um Bitcoin und Co. bisher weitgehend mit einem Schulterzucken beantwortet wurde?

Die Menge macht’s

Der Hauptgrund für die Bedenken ist die Größenordnung. Facebook zählt 2,38 Milliarden regelmäßige Nutzer. Macht nur ein Bruchteil von Libra Gebrauch, dann stellt das alle anderen Digitalgeld-Projekte in den Schatten. Zum Vergleich: Die Zahl virtueller Bitcoin-Geldbörsen liegt bei 40,5 Millionen.

Image-Probleme

Beim Hearing des Libra-Verantwortlichen David Marcus vor den Kammern des US-Kongresses wurde deutlich: Facebook hat sogar in seiner Heimat USA einen schlechten Ruf. Das ist wohl der Grund, warum 27 etablierte Partner – darunter Mastercard, Visa, PayPal, Vodafone, Booking.com oder Uber – an Bord der „Libra Association“ geholt wurden, die die Währung künftig managen soll.

Geldwäsche

Die G7 pochen darauf, dass eine Digitalwährung wie Libra den höchsten regulatorischen Standards gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung genügen müsse. Das ist die Kehrseite der Anonymität und des Libra-Credos, dass Geld senden weltweit künftig „so einfach wie ein SMS“ funktionieren soll.

Datenschutz

Diesen Vorbehalt muss sich Facebook selbst zuschreiben. Der Skandal, dass die Daten von 87 Millionen Nutzern ohne deren Wissen von der Firma Cambridge Analytica abgegriffen und im US-Präsidentschaftswahlkampf benutzt wurden, hatte die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Man stelle sich vor, ähnliches passierte mit sensiblen Finanztransaktionsdaten.

Notenbanken

Es gibt gute Gründe, warum Notenbanken auf das Monopol der Geldausgabe beharren. Die Steuerung der Zinsen und der umlaufenden Geldmenge ist nämlich eines der wichtigsten Stellräder für die Wirtschaftsentwicklung. Das funktioniert über den Umweg von Geschäftsbanken, über die Steuerung der neu geschöpften Geldmenge und Kreditvergabe-Konditionen. Libra wäre dem staatlichen Zugriff entzogen – ein Pro-Argument für die Fans, ein Horror für viele Notenbanker.

Stabilität

Laut den Facebook-Plänen würde für jeden Libra-Kauf der entsprechende Betrag des lokalen Zahlungsmittels (Euro, Dollar, Yen, etc.) oder einer kurzfristigen Staatsanleihe in einen Währungsreserve-Topf fließen. Dieser soll den Libra-Wechselkurs gegen Inflation und vor heftigen Wertschwankungen schützen, wie sie bei Bitcoin und Co. gang und gäbe sind. Die anfallenden Zinsen würden die Betriebskosten decken. Aber was, wenn die Vermögenswerte an Wert verlieren?

Regulatoren graut zudem davor, dass ein riesiger, intransparenter Vermögenstopf entstehen könnte, der jeder demokratischen Kontrolle entzogen und schlicht zu groß wäre, um ihn im Falle des Scheiterns aufzufangen.

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