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Analyse
03/19/2020

Warum die Wiener Börse besonders stark unter der Corona-Krise leidet

Börse-Chef Boschan ruft in einem offenen Brief an die Investoren zum Kauf von Aktien auf. Experten halten Wiener Markt für zu klein.

von Irmgard Kischko, Robert Kleedorfer

Die Corona-Pandemie hat die Aktienkurse weltweit abstürzen lassen. An der Wiener Börse aber sind die Verluste vergleichsweise extrem hoch ausgefallen. Seit Jahresbeginn hat der Leitindex ATX gut die Hälfte seines Wertes verloren. Die Frankfurter Börse aber „nur“ 36 Prozent.

Börse-Chef Christoph Boschan sah sich wegen der massenhaften Verkäufe am Wiener Markt am Donnerstag sogar gezwungen, einen offenen Brief an die Investoren zu schreiben: „Es wäre ein Fehler, sich jetzt von österreichischen Aktien abzuwenden“, heißt es in dem Schreiben, das er gemeinsam mit dem Aufsichtsrat und den Chefs der großen ATX-Konzerne formulierte. Die aktuelle Bewertung der ATX-Unternehmen sei viel zu pessimistisch.

Kleiner Randmarkt

Für Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International, ist die schlechte Performance des ATX in der Krise leicht erklärt. „Händler verkaufen vermehrt Aktien von kleineren, illiquiden Märkten.“ Wien sei eben ein Randmarkt.

Peter Szopo, Aktien-Chefstratege der Erste Asset Management, hat einen weiteren Erklärungsansatz. Der ATX sei erst nach dem Scheitern der OPEC-Verhandlungen stark unter Druck gekommen. Ausgelöst habe das der Kursverfall der OMV, die im ATX mit zehn Prozent ein großes Gewicht habe.

Der Wiener Hedgefondsverwalter smn ist auf diversen Aktienmärkten tätig, in Wien jedoch nicht. „Weil nicht genügend Liquidität vorhanden ist“, wie Chef Gernot Heitzinger erklärt. Dies sei auch der Grund für die hohen Verluste in einer Abwärtsphase. „Das Potenzial ist schneller erschöpft.“ Dieses Schicksal teile die Wiener Börse mit vielen Emerging Markets.

Weitere Gründe für die höheren Verluste: Ein ungünstiger Branchenmix, vor allem mit vielen zyklischen Werten, allen voran Banken. „Es fehlen Technologiewerte“, so Heitzinger. Und nicht zuletzt werde der heimische Kapitalmarkt generell seit Jahren „stiefmütterlich behandelt“.

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