© REUTERS/MATTHIAS RIETSCHEL

Wirtschaft
12/09/2021

VW stutzt Machtbereich von Herbert Diess zurecht

Der Volkswagen-Chef verliert die Kernkompetenzen an Markenchef Brandstätter. Das könnte den Anfang vom Ende der Ära Diess einläuten.

von Kid Möchel, Thomas Pressberger

Eine erneute Führungskrise bei Volkswagen ist abgewendet. Der Aufsichtsrat hat am Donnerstag mehrere Vorstandspersonalien beschlossen, mit denen der Einfluss von Konzernchef Herbert Diess begrenzt wird.  Nach wochenlangem Machtkampf mit dem Betriebsrat kommt es nun zu einem Umbau.

Demnach rückt VW-Markenchef Ralf Brandstätter zu Jahresanfang in den Konzernvorstand auf und übernimmt das neue Ressort „Volkswagen Pkw“ und damit von Diess das Kerngeschäft. Als nach heftigen internen Auseinandersetzungen dessen Job als Konzernchef bereits schon einmal Mitte des Vorjahres auf der Kippe gestanden war, übernahm Brandstätter die Führung der Hauptmarke VW, die Diess bis dahin in Personalunion geleitet hatte.

Diess selber soll ab 1. Jänner die Zuständigkeit für die Software-Tochter Cariad übernehmen. Diese wird zwar in Zukunft in der E-Auto-Sparte eine wichtige Rolle spielen, für den bisherigen VW-Chef bedeutet das aber trotzdem keinen Prestigegewinn.

Potenzieller Nachfolger

Diess könnte darüber hinaus Gefahr laufen, dass ihm Brandstätter am Ende den Rang abläuft. Brandstätter wird nämlich auch noch ab August das wichtige China-Geschäft übernehmen. Ähnlich hat Diess das bei seinem Vorgänger Matthias Müller ähnlich gemacht. Diess war Müller als Aufpasser zugewiesen worden, in dieser Rolle hatte er keine Gelegenheit ausgelassen, sich zu profilieren – bis Müller schließlich 2018 entnervt alles hinschmiss.

Diess hatte den Betriebsrat Ende September durch Überlegungen über einen möglichen Abbau von zehntausenden Arbeitsplätzen, vor allem im Stammwerk Wolfsburg,  gegen sich aufgebracht. Auch das mit 20 Prozent am Autobauer beteiligte Land Niedersachsen war entsetzt. Erst im Juli hatten die Eigentümer den Vertrag von Diess vorzeitig bis 2025 verlängert.

Auch bezüglich der E-Mobilitätsstrategie wurden am Donnerstag Pflöcke eingeschlagen, wobei Diess’ Kurs hier unbestritten ist.  Volkswagen steckt im Wettstreit mit Tesla und Konkurrenten aus China noch einmal deutlich mehr Geld als bisher in die Entwicklung neuer Modelle, Antriebe und Technologien. Für die nächsten fünf Jahre veranschlagt der größte europäische Autohersteller Gesamtinvestitionen in Höhe von 159 Milliarden Euro, davon entfallen 56 Prozent auf Zukunftsthemen wie Elektromobilität, Vernetzung und Software.

Mehr Mittel

Die Kontrolleure gaben bis 2026 Ausgaben von 89 Mrd. Euro für den Umbau zu alternativen Antrieben sowie zur Digitalisierung von Modellen und Produktion frei. Das ist eine klare Steigerungen gegenüber dem Vorjahr, als der Gesamtbetrag an geplanten Investitionen in neue Technologien 73 Mrd. Euro erreichte. VW rüstet weltweit immer mehr Standorte für die Fertigung von E- und Hybridfahrzeugen um.


„Wenn man Tesla weglässt, hat VW die Nase vorn bei E-Autos, das ist das Verdienst von Herbert Diess, dass er direkt nach dem Dieselgate zum E-Auto umgesteuert hat“, sagt der deutsche Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer zum KURIER. Diess habe den fahrbereiten Unterbau für E-Autos, sprich sogenannte Skateboard-Plattformen, eingeführt und Zwickau wurde in ein reines Elektrowerk umgebaut und baut Batterien.


„VW ist BMW  weit voraus und Mercedes ist derjenige, der am schnellsten hinterher ist, mit der elektrischen S-Klasse. BMW ist der Langsamste“, behauptet Dudenhöffer. „Bei den Stückzahlen ist VW vorne, weil die im unteren und mittleren Segment anbieten und in die Breite gehen wollen.“

Förderungen

„Tesla ist sehr stark auf den einzelnen Märkten, 40 Prozent Marktanteil in den USA“, sagt TU-Professor Bernhard Geringer zum KURIER. „Mittel- und längerfristig kommt VW sehr stark, aber auch die anderen europäischen Hersteller. Peugeot will in Europa nur noch E-Autos anbieten.“ Grund für den gesteigerten Absatz sind die enormen Förderungen für E-Autos. In Deutschland gibt es eine Innovationsprämie von bis zu 9.000 Euro, in Österreich 5.000 Euro.

„Wenn ich alle Verkäufe so fördere, wird es für den Staat irgendwann unbezahlbar“, sagt Geringer. In Österreich beträgt der Marktanteil der E-Autos bei den Neuzulassungen in den ersten zehn Monaten zwölf Prozent. Die Zulassungen des Tesla Modell 3 haben um 50,4 Prozent auf 3.149 Stück zugelegt, das VW-Modell ID.3 legte um 402,5 Prozent auf 2.678 Stück zu.

Wer ist aber technisch vorne? „Tesla, aber die anderen holen massiv auf, der Audi E-Tron verkauft sich sehr gut“, so Geringer. „Bei den VW-Modellen ID.3 und ID.4 können sie gar nicht so viele Fahrzeuge liefern wie sie bräuchten.“

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