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Wirtschaft
01/12/2022

Vorsorge: Bewusstsein auf Rekordhoch, Sparbuch verliert an Bedeutung

226 Euro werden laut Studie pro Monat für Vorsorge beiseite gelegt. Inflation als "große Sorge" bei Kundinnen und Kunden der Erste Bank.

von Anita Kiefer

Das Sparbuch bzw. die Sparkarte nutzen laut einer Studie noch immer 53 Prozent der Befragten als Spar- bzw. Veranlagungsform. Aber: Die Bedeutung von Sparbuch und -karte nimmt ab, nämlich um fünf Prozentpunkte gegenüber 2020. Auch das Bausparen nutzen nur mehr 38 Prozent der Befragten, um einen Prozentpunkt weniger. Dafür kommen bei den Fondssparplänen sechs Prozentpunkte auf 26 Prozent dazu, auch Wertpapiere wie Aktien legen um sieben Prozentpunkte auf 24 Prozent zu. Immobilien werden sogar um acht Prozentpunkte auf 21 Prozent beliebter, Gold oder andere Edelmetalle um vier Prozentpunkte auf 19 Prozent. Die Lebensversicherung gehört übrigens mit 42 Prozent neben Sparbuch und Bausparvertrag weiter zu den Top 3 der beliebtesten Anlage-Klassiker, sie blieb gegenüber 2020 konstant.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des IMAS Austria Instituts im Auftrag von Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtische. Zwischen 2. und 14. November wurden online 1.000 Personen befragt. „Seit der letzten Messung 2020 haben wir eine sehr gedämpfte, skeptische, sorgenvolle Grundstimmung", erklärt IMAS-Studienautor Paul Eiselsberg bei der Präsentation der Studie.

Erhöhtes Bewusstsein

Weiteres Ergebnis: Das Bewusstsein für Vorsorge scheint in der Corona-Pandemie  gestiegen zu sein. 226 Euro pro Monat sind es, die Österreicherinnen und Österreicher demnach für Pensions- und Gesundheitsvorsorge ausgeben, so viel wie noch nie. 2018 etwa waren es noch 136 Euro, 2019 gar nur 120 Euro. Männer wenden wenig überraschend deutlich mehr für Vorsorge auf als Frauen. Während nach der aktuellen Befragung Männer 277 Euro pro Monat für Vorsorge zur Seite legen, sind es bei Frauen nur 173 Euro - leicht erklärt durch die höhere Teilzeitquote, allgemein niedrigere Einkünfte von Frauen und deren nach wie vor deutlich höherem Beitrag zu etwa Kinderbetreuung.

Generell habe die Bedeutung der finanziellen Vorsorge "ein All-Time-High" erreicht, so Manfred Bartalszky, Vorstand der Wiener Städtische Versicherung. Immerhin betrachten auch 89 Prozent der Befragten finanzielle Vorsorge als "sehr / eher wichtig". 26 Prozent der Befragten geben an, dass die Corona-Pandemie das finanzielle Vorsorgeverhalten verändert hat. Von denen, die sich selbst ein verändertes Verhalten attestieren, wollen 83 Prozent in Zukunft mehr für die Vorsorge tun. Die wichtigsten Vorsorge-Themen sind Gesundheit, finanzielle Reserven für Krisenfälle, Pension und Familie.

Inflation "Große Sorge"

Laut Erste Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller sei die Inflation als "große Sorge" in den Beratungsgesprächen der Bank Thema. Eine Prognose zur Entwicklung sei schwierig, einige Faktoren wie die Probleme in der Lieferkette könnten auch nur vorübergehend sein. "Wir glauben, dass die Inflation, die derzeit ein Rekordniveau erreicht hat, auch wieder zurückkommen wird, sie wird aber sehr wahrscheinlich deutlich höher sein als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren", so ihre Einschätzung.

Diese Thematik versuche man auch in der Beratung zu adressieren. Für viele Menschen sei die Veranlagung in Wertpapiere, Fonds und alternative Produkte eine Möglichkeit. Aber "nicht für alle", auch das müsse einem bewusst sein. Bei der Bank sei man darum bemüht zu unterstützen, die finanzielle Gesundheit zu verbessern und Finanzbildung zu vermitteln.

Anstoßgeber

Neben Familie (63 Prozent) und Schule bzw. Ausbildungsstätte/Universität (50 Prozent) geben übrigens 36 Prozent der Befragten an, dass sie Banken und Versicherungen als Anstoßgeber für finanzielle Vorsorge in der Pflicht sehen (Mehrfachnennungen waren bei der Beantwortung möglich).

Kein Gehör bei Politik

Kein Gehör fand man bei der Politik in Sachen Steuerreform, bedauerte Wiener Städtische-Vorstand Bartalszky auf Nachfrage. Es habe eine Reihe von Forderungen aus der Branche für Vorsorge gegeben, unter anderem waren das eine Steuerentlastung für Menschen, die für die Zukunft vorsorgen sowie eine Reform der betriebliche Altersvorsorge.

"Leider sind diese Forderungen aufgrund vieler anderer politischer Themen nicht an die oberste Priorität gereiht worden." Man werde aber mit Nachdruck versuchen, "für die Bevölkerung Erleichterungen" zu schaffen.

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